Wilde Malve Heilpflanze

Eine fast vergessene Heilpflanze der Naturheilkunde. Bild: Heike Rau - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Malva sylvestris war schon in der Antike als Heilpflanze bekannt. Die wilde Malve trägt viele Namen. Sie heißt Hanfpappel, Pissblume, Mohrenmalve oder auch Johannispappel. Der Name Pappel hat nichts mit dem Baum zu tun, sondern leitet sich ab vom alten Wort Papp, das Brei bedeutet, denn Malvenbrei diente Kindern als Nahrung.

Malven sind eine eigene Pflanzenordnung. Zu den entfernten Verwandten der wilden Malve gehören der Kakao und der Affenbrotbaum. Auch Eibisch und Hibiskus gehören im weiten Sinne zu den Malven, nicht aber zu den echten Malven. Das führt leicht zu Verwechslungen, zum Beispiel ist der im Supermarkt in Teebeutel erhältliche Malventee meist Hibiskus. Die echten Malven teilen sich in ungefähr 30 Arten auf.

Eine fast vergessene Heilpflanze der Naturheilkunde. Bild: Heike Rau - fotolia
Eine fast vergessene Heilpflanze der Naturheilkunde. Bild: Heike Rau – fotolia

Die wilde Malve wächst bis zu 125 cm hoch, gehalten von einer Pfahlwurzel in Form einer Spindel, die viele Wurzelfasern aufweist. Der Stängel ist von rauen Haaren bedeckt, verholzt am Boden an der Aussenwand, innen jedoch hat er ein weiches Mark. Die Malve bildet am Fuß des Stängels Blattknospen, die im folgenden Jahr austreiben.

Die Blätter sitzen wechselseitig, ihr Stiel ist ebenfalls mit rauen Haaren besetzt. Die Blattspreite erinnert an Efeu in der Form eines Herzens, andere Blätter, die unten am Stängel sitzen, sind hingegen rund. Der Blattrand ist gekerbt. Die Nebenblätter haben die Form von Lanzetten.

Die Malve blüht vom späten Frühling bis in den frühen Herbst, bis zu zehn Blüten wachsen dann in den Achseln der Blätter, die Stiele der Blüten sind dabei kürzer als die Blattstiele.

Fünf kleine Blüten, bis zu 5 cm groß, befinden sind in einem Kelch, und der besteht aus zwei bis drei getrennten Blättern.

Die wilde Malve ist eine Scheinblume, auf eine männlich folgt eine weibliche Phase: Anfangs sind die Staubbeutel in der Staubblattröhre eingeschlossen, wenn sich die Pollen entleeren, beginnt die weibliche Phase, in der sich die reifen roten Griffeläste ausbreiten.

Die Narbenpapillen öffnen sich jetzt für Insekten. Die Hauptbestäuber sind Hummeln, aber auch Bienen und Schwebfliegen nehmen den Nektar auf.

Eine frühe Heilpflanze

Hesiod schrieb bereits 700 v über die Pflanze, und der Römer Dioskurides nutzte sie 800 Jahre später gegen Brandwunden, Plinius ungefähr zur gleichen Zeit gegen Unwohlsein, vielleicht gegen einen grippalen Infekt. Der blinde Simeon sollte in der Bibel mit Hilfe der Malve das Augenlicht wieder erlangt haben.

Im Mittelalter blieb die Malve weiterhin ein begehrtes Heilmittel. Hildegard von Bingen empfahl sie gegen Melancholie, heute als klinische Depression bekannt, gegen Fieber und die Auswirkungen von zu viel „schwarzer Galle“. Sie verrührte den Malvensaft mit Essig und rieb die Patienten damit ein.

Die Namen der Malve, die auf Pappel enden, kommen aus dieser Zeit. Kränkliche Kinder bekamen einen Brei aus den Samen, um Kraft zu gewinnen.

Das war bestimmt sinnvoll, denn die Malve wirkt tatsächlich gegen Erkältungen und leichte Infektionen, die Kinder heimsuchen; doch die Pflanze stand auch im Zentrum wenig sinnvoller Bräuche. So sollte sie verdorren, wenn Urin einer Schwangeren auf sie tropfte. Im Mittelalter begossen unsere Vorfahren deshalb die Malve damit, und wenn sie nach drei Tagen gesund blieb, war die Frau fruchtbar.

Die Wirkung gegen Reizhusten, Gastritits, Bronchitis und Erkältung sind klinisch belegt. In Tierversuchen linderte die Malve die Ansammlung von Leukozyten am Ort der Entzündung und dämmte die Prostaglandine ein, die die Entzündung verstärken.

Nicht hinreichend belegt sind hingegen die Wirkungen folgender Anwendungen der Malve in der Vergangenheit und heute:

Aphten, Blasen- und Nierenerkrankungen, Asthma, Ekzeme, Nesselsucht, Heiserkeit, Kehlkopfinfektionen, Geschwüre, Akne, Sodbrennen, Menstruationsschmerzen, Verdauungsprobleme, Darmträgheit, Zahnfleischentzündung, Wunden und Verbrennungen.

Für die Hautpflege hat die Malve eine wichtige Bedeutung. Malvenextrakt festigt das Elastin in der Haut, unter anderem auch die Schleimhaut der Vagina. Malvencreme dient als Mittel gegen zu trockene Haut, sie hellt die Haut auf und lindert Pigmentverfärbungen. Bisher fehlen dazu allerdings systematische klinische Studien.

Extrakte der wilden Malve werden heute zum Beispiel mit Oliven-, Nachtkerzen- und Jojobaöl kombiniert und sollen die Elastizität der Haut nach der Schwangerschaft wiederherstellen, sowie ein „samtig-glattes“ Hautgefühl geben. Schaden kann es jedenfalls nicht, denn die Malve reizt auch empfindliche Haut nicht.

Malve wirkt auch als Konservierungsstoff, denn sie hemmt das Wachstum von Pilzen ähnlich stark wie Zimt und Lavendel, übertrifft dabei Pfefferminze und Knoblauch.

Weite Verbreitung

Ursprünglich stammt die „syrische Malve“ aus dem Nahen Osten und Südeuropa, doch Menschen verbreiteten die Heilpflanze auf allen Kontinenten außer der Antarktis. In Deutschland wächst sie an Standorten, die ihrem heißen Ursprungshabitat ähneln: Feldränder, Schuttflächen und Brachland mit viel Sonne.

Malven anzubauen ist denkbar einfach: Der Gartenbesitzer sollte lediglich darauf achten, dass die Samen in einen sonnigen Standort mit humusreichem, leicht kalkhaltigen Boden kommen. Lehmböden mag die wilde Malve besonders.

Wir säen die Malvensamen entweder direkt im Freiland aus, oder in kleinen Pflanztöpfen. Die Samen draußen sollten einen Abstand von circa 40 cm bekommen, damit die Pflanzen sich entfalten. Wir drücken sie mit einem Finger einen Zentimeter in die Erde und bedecken sie danach. In knapp zwei Wochen treten die Keime aus der Erde hervor.

Verwendung als Heilkraut

Wir sammeln die Blüten und Blätter von Juni bis September, entfernen den Stiel und trocknen beides; dabei werden die Blüten dunkelblau. Malve verträgt sich gut mit Eukalyptus und Schlüsselblumen, die die Heilwirkung verstärken.

Die Blüten enthalten Kalium, Flavonoide, Gerbstoffe und Farbstoffe wie Malvin und Malvidin-3-glucosid.

Malventee hilft besonders gegen Husten. Die Schleimstoffe wirken gegen Erkältungen, Beschwerden in den Atemwegen, Husten und entzündeten Rachen. Sie linden vor allem trockenen Reizhusten.

Die Gerbstoffe helfen gegen Infektionen im Magen-Darm-System, äußerlich aufgetragen mildern sie Hautreizungen, Schwellungen und Haut-Ausschlag.

Die getrockneten Blätter geben wir in heißes Wasser und lassen sie dort zehn Minuten ziehen.

Als Hausmittel gegen Erkältung, Hautbeschwerden und Magen-Darm-Erkrankungen ist Malve auch deswegen gut geeignet, weil keine Nebenwirkungen auftreten.

Die Schleimstoffe hüllen die entzündeten Schleimhäute ein und dämpfen so Schmerzen im Rachen und Hals, sie lindern so den Hustenreiz. Auch Chili lässt sich mit der Malve entschärfen.

Schleim und Gerbstoffe der Malve eignen sich so nicht nur als Medizin, sondern auch als Nahrung:
Die Malve lässt sich auch als Gemüse verwenden, dazu pflücken wir die jungen Blätter im Frühling, schneiden sie in Streifen und essen sie als Salat, oder wir geben sie in Suppen, wo die Schleimstoffe die Flüssigkeit andicken.Unsere Vorfahren legten die unreifen Früchte in Öl ein.

Für ein Malvenblütengelee geben wir die Malvenblüten mit Wasser und Weißwein in einen Topf, fügen Nelken dazu und kochen alles einmal kurz auf. Wer keinen Weißwein mag, kann alternativ verdünnten Holunderblütensirup nehmen.

Dann lassen wir die Flüssigkeit zehn Minuten ziehen und kippen den kalten Sud durch ein feines Sieb. Wir vermischen das Ganze mit Gelierzucker und Zitronensaft und kochen es noch einmal 5 Minuten auf – unter ständigem Rühren. Dann tragen wir den Schaum ab und füllen das heiße Gelee in Einmachgläser.Frische Malvenblüten eignen sich dafür ebenso wie getrocknete.

Malvenblüten schmecken gut in Puddings wie in Cremes, in Torten oder Eis. Milchreis oder Griesbrei mit Malven, fast alle Süßspeisen bekommen mit der Heilpflanze eine spezielle Note. (Dr. Utz Anhalt)

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