Wildkräuter – Kräuter als heilende Hausmittel

Essbar und Heilend: Gesunde Wildkräuter. Bild:: Annett Seidler - fotolia
Dr. Utz Anhalt
Wildkräuter – Vitamine vom Wegesrand
Viele leckere Wildkräuter sind gesund. Sie entwässern den Körper, helfen gegen Fieber, Kopfschmerzen oder Magen-Darm-Beschwerden – und sie sind als Küchenpflanzen heute weitgehend unbekannt. In diesem Artikel stellen wir eine Reihe von wertvollen Kräutern der Naturheilkunde vor.

In Plastik eingeschweißter Salat, Rucola aus dem Discounter oder Spinat aus der Tiefkühltruhe kommt auf den Küchentisch, „Unkraut“ in der Biotonne. Zwar meiden die meisten Hobbygärtner inzwischen die Giftspritze, um wilde Pflanzen zu vernichten, doch noch heute landet in vielen Gärten jeden Monat das auf dem Kompost, wovon sich eine ganze Familie ernähren könnte.

Essbar und Heilend: Gesunde Wildkräuter. Bild:: Annett Seidler - fotolia
Essbar und Heilend: Gesunde Wildkräuter. Bild:: Annett Seidler – fotolia

„Unkraut“ aus der Apotheke

Salbei, Rosmarin, Petersilie, Majoran oder Schnittlauch kennen wir noch, zumindest in Töpfchen von der Gemüsetheke. Auch Zitronenmelisse, Lavendel oder Minze tragen nicht das Stigma „Unkraut.“

Doch wie sieht es mit Brennessel und Giersch aus? Wer hat schon einmal einen leckeren Salat aus Vogelmiere, Wegerich und Löwenzahn versucht?

Für teures Geld kaufen wir Präparate, die Stoffe genau solcher Pflanzen enthalten, die wir mit Feuereifer als „Unkraut“ in unseren Garten entfernen. Brennesseln heraus rupfen und uns gleichzeitig Brennessel-Kapseln aus der Apotheke besorgen, wenn wir ein Problem mit der Prostata haben? Das ist so, als würden wir Bio-Äpfel kaufen, während das Fallobst in unserem Garten vergammelt.

Gesundheitsbewusste schwören auf Superfood aus Peru und Indonesien, die schwarzen Johannisbeeren und Heidelbeeren vor der Haustür lassen sie aber links liegen.

Nahrung und Medizin

Unsere Vorfahren konnten weder die moderne Medizin nutzen noch die früher sehr teuren Gewürze verwenden: Muskat, Pfeffer, Kardamon oder Ingwer kosteten ein Vermögen und waren noch in der frühen Neuzeit den Reichen vorbehalten.

Dafür griffen die Menschen auf das zurück, was vor der Haustür wuchs, als Nahrung, als Würzmittel und als Medizin – oft alles zugleich. Kräuter, Blumen und Bäume sorgten für Vielfalt in der Küche.

Worauf achten?

Wenn wir Wildkräuter im eigenen Garten sammeln, haben wir das nötige Werkzeug meist da: Wir brauchen einen luftigen Korb oder Stoffbeutel, keine Plastiktüte, da die Kräuter sonst matschig werden.

Mit einem Messer oder einer Schere können wir die Pflanzen erstens besser abtrennen und vermeiden es so zweitens, Wurzeln zu zerstören, wenn wir nur Blätter oder Blüten benötigen.

Mehr als die Hälfte aller heimischen Kräuter sind essbar, andere sind ungenießbar oder giftig. Es gilt deshalb das Gleiche wie bei Pilzen: Wir sammeln nur Pflanzen, die wir kennen. Wenn wir zweifeln, vermeiden wir vor allem solche, die giftige Doppelgänger haben. Am besten führen wir ein Bestimmungsbuch mit uns.

Wir sammeln in der Natur keine Pflanzen, die unter Naturschutz stehen, und wir sammeln nicht in Naturschutzgebieten, sondern auf öffentlichen Wiesen.

Wir sammeln nicht an viel befahrenen Straßen, Hundewiesen oder an Äckern, die gespritzt werden. Wir waschen alle Pflanzen gründlich, bevor wir sie zubereiten.

Sauerampfer

Sauerampfer wächst, wo es feucht ist: An Teichufern, Flüssen und auf feuchten Wiesen. Die blattlosen Stängel tragen rote Blüten. Die Blätter schmecken fein säuerlich und eignen sich für eine besondere Note in Gemüsesuppen. Wir nutzen die jungen dunkelgrünen Blätter, waschen sie gründlich und schneiden sie in schmale Streifen, die wir in den Sud geben.

Sauerampfer: Ideal für Suppen. Bild: : Annett Seidler - fotolila
Sauerampfer: Ideal für Suppen. Bild: : Annett Seidler – fotolila

Vogelmiere

Vogelmiere kennen Vogelhalter als wichtiges Grünfutter. Die Mineralstoffe und Vitamine tun aber nicht nur Vögeln gut, auch im Salat ist die Miere eine hervorragende Ergänzung. Der Geschmack ähnelt frischen Erbsen. Wir können die Vogelmiere bis in den Herbst pflücken, am vitaminreichsten sind jedoch die jungen Triebe vor der Blüte. Vogelmiere wächst im Garten, am Wegrand, auf Feldern, also überall, wo es genug Sonne und freie Flächen gibt.

Vogelmiere (Stellaria media): Nicht nur für Vögel gesund. Bild: uliasudnitskaya - fotolia
Vogelmiere (Stellaria media): Nicht nur für Vögel gesund. Bild: uliasudnitskaya – fotolia

Brennnessel

Um Brennnesseln zu pflücken, sollten wir Handschuhe anziehen, damit die Häärchen nicht die Haut berühren. Wenn wir die zarten Blätter aufkochen, brennen sie aber nicht mehr.

Wunderbar heilend: Brennnessel. Bild: uliasudnitskaya - fotolia
Wunderbar heilend: Brennnessel. Bild: uliasudnitskaya – fotolia

Brennnesseln sind halb Gemüse, halb Würze, denn Suppe oder Salat verleihen sie einen leicht erdigen Geschmack, der aber nicht aufdringlich wirkt. Aus Brennnesseln können wir auch Tee kochen. Die Volksmedizin setzt Brennnesseln seit Jahrhunderten gegen Harnbeschwerden und rheumatische Erkrankungen ein.

Giersch

Giersch ist ein dominanter Bodendecker. Die drei geteilten Blätter in saftigem Grün zieren den Garten zwar wie Efeu, doch breitet sich Giersch ungehemmt aus, überwuchert er schnell alle schattigen Stellen.

Giersch: Wildkraut mit dem besonderen Geschmack. Bild: Hetizia - fotolia
Giersch: Wildkraut mit dem besonderen Geschmack. Bild: Hetizia – fotolia

Die jungen Blätter eignen sich als Salat und geben diesem eine frische Note. Giersch passt gut zu Kartoffelsalat – und gratin, er lässt sich aber wie Spinat auch als Gemüse dünsten und dient so als ungewohnte Beilage zu Fisch und Hühnchen.

Gundermann

Wenn wir den Rasen nicht zu häufig mähen, breitet sich bald Gundermann aus, eine niedrige Pflanze mit herzförmigen Blättchen und blau-violetten Blüten. Die Blätter schmecken herb-würzig und lassen sich vielfältig verwenden: Wie Rucola auf Pizza, in einer Suppe oder gedünstet als Gemüsebeilage.

Frauenmantel, Gundermann, Melisse, Gänseblümchen. Bild:  behewa - fotolia
Frauenmantel, Gundermann, Melisse, Gänseblümchen. Bild: behewa – fotolia

Die Blätter und Blüten können wir auch auf Umschläge legen, so helfen sie, äußere Wunden zu heilen.

Spitzwegerich

Spitzwegerich ist ebenso ein Allerweltskraut wie Löwenzahn und wächst überall da, wo auch Gras wächst, insbesondere, wie der Name sagt, am Wegesrand, aber auch in jedem Garten, den wir nicht tot spritzen.

Spitzwegerich. Bild: euthymia - fotolia
Spitzwegerich. Bild: euthymia – fotolia

Der Geschmack ist nicht jedermanns Sache, Liebhaber schätzen aber eine Note, die an Waldpilze erinnert. Wegerich lässt sich als Gemüse dünsten oder in Suppen wie Salaten verwenden.

Wir können auch den Saft aus den Blättern pressen und auf juckende Hautstellen verteilen.

Brunnenkresse

Brunnenkresse wächst in der Natur an Fließgewässern im Schatten oder Halbschatten.

Im Garten säen wir sie am besten an einer schattigen Wasserstelle aus. Wir können Kresse aber auch unter feuchtem Löschpapier, in der Gartenhütte oder sogar im Keller ziehen.

Brunnenkresse. Bild: hjschneider - fotolia
Brunnenkresse. Bild: hjschneider – fotolia

Kresse ist eine Nährstoffbombe, voll mit Vitamin C, Mineralien und Beta-Carotin. Wir können sie roh und gewaschen auf Frischkäse streuen, einen Quark damit würzen oder sie einem Salat beigeben. Kresse hat einen würzigen Eigengeschmack.

Hirtentäschel

Hirtentäschel wird kniehoch, blüht weiß und liebt Sonne wie Stickstoff. In der Natur besiedelt er Lehm-, Sand- und Kiesböden. Der Geschmack erinnert an Rucola, und das Kraut eignet sich für Salate oder als Belag für Quiches, Pizzen und Baguette oder als Tee.

Hirtentäschel als Heiltee. Bild: LianeM - fotolia
Hirtentäschel als Heiltee. Bild: LianeM – fotolia

Löwenzahn

Löwenzahn kennt jeder aus dem eigenen Garten. Er eignet sich zwar gut als Gemüse, ist vielen aber zu bitter. Milder sind die jungen Blätter, wir können indessen die gesamte Pflanze essen. Vorsicht bei dem weißen Saft in den Blütenstängeln: Er hinterlässt Flecken auf der Kleidung, die sich schwer entfernen lassen.

Heilkraut Löwenzahn. Bild: Alexander Rates - fotolia
Heilkraut Löwenzahn. Bild: Alexander Rates – fotolia

Löwenzahn entwässert, er hilft deshalb bei Nieren- und Leberbeschwerden und reinigt das Blut.

Wiesen-Bärenklau

Wiesen-Bärenklau ähnelt dem ätzenden Riesen-Bärenklau, der die Haut verbrennt. Der gefährliche Verwandte wird aber bis zu drei Meter hoch, und seine Blätter sind viel spitzer als die des heimischen Krautes.

Wiesen-Brenklau - Heracleum sphondylium. Bild: M. Schuppig - fotolia
Wiesen-Brenklau – Heracleum sphondylium. Bild: M. Schuppig – fotolia

Der Wiesen-Bärenklau wächst nur bis 1,5 m Höhe, und die jungen Blätter lassen sich von Mai bis Juli ernten. Immer tragen wir beim Pflücken Handschuhe. Denn auch die hiesige Art führt dazu, dass die Haut juckt und sich leicht rötet.

Zubereitet ist das aber kein Problem mehr. Bärenklau schmeckt ein wenig wie Sellerie und eignet sich als Würzgemüse in Suppen wie Soßen, zu Nudeln, Reis und Kartoffeln. Dazu fördert er die Verdauung, senkt den Blutdruck und hilft gegen Menstruationsschmerzen.

Disteln

Wir schätzen Artischocken als Antipasti oder auf der Pizza und ärgern uns über Disteln im Garten. Dabei ist sind Artischocken Blütenköpfe einer Distelart, und die heimischen Disteln können wir genau so zubereiten. Die Wurzeln lassen sich kochen, die Fruchtknoten schmecken ein wenig wie Walnüsse, und die Blätter munden ebenfalls.

Oft verkannt: Die heimische Distel. Bild: RILL Mediendesign - fotolia
Oft verkannt: Die heimische Distel. Bild: RILL Mediendesign – fotolia

Eseldistel, Golddistel, nickende Distel und Kratzdistel sammeln wir im Garten oder am Wegesrand. Sie besitzen viel Eiweiß und Kalorien.

Wir können die Fruchtstände kochen und in Öl einlegen, und die Blätter wie Wurzeln in Eintöpfen kochen.

Zitronenmelisse

Zitronenmelisse stammt ursprünglich aus dem Nahen Osten, ist aber heute in ganz Deutschland verbreitete. Wenn sie sich einmal ansiedelt, bedeckt sie schnell größere Flächen. Wir ernten sie von Juli bis Oktober.

Wir können die Blättern trocknen, viel besser munden sie aber frisch. Zitronenmelisse duftet und schmeckt säuerlich „wie Zitrone“ und gibt Speisen wie Getränken einen frisch- säuerlichen Geschmack.

Schmeckt ähnlich wie Zitronen: Zitronenmelisse. Bild:  megakunstfoto - fotolia
Schmeckt ähnlich wie Zitronen: Zitronenmelisse. Bild: megakunstfoto – fotolia

Frische Blätter bereichern Cocktails, Sommerbowlen und Desserts, sie lassen sich gut in Marmeladen verarbeiten, und heiße wie kalte Tees mit Zitronenmelisse schmecken ausgezeichnet.

Wir können die Blätter auch in ein heißes Vollbad geben und so für einen zitronigen Duft unserer Haut sorgen und außerdem unseren Körper entspannen. (Dr. Utz Anhalt)

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Referenzen:

Violet Stevenson: Der NaturGarten. London 1985.