Zitronenmelisse – Anwendung, Rezepte und Heilpflanze

Dr. Utz Anhalt
Die Zitronenmelisse, auch schlicht Melisse genannt, gehört zu den Lippenblütlern. Sie kommt ursprünglich vom östlichen Mittelmeer, ist aber längst in Mitteleuropa weit verbreitet. Ihr Name verweist auf den säuerlichen Geschmack. Gibt es wohl schmeckende Medizin? Ja, Melisse hat ein sanften zitronigen Geschmack und eignet sich deshalb für alle Rezepte, für die Sie sonst Zitronensaft verwenden. Die wichtigsten Fakten vorab:

  • Melisse schmeckt zitronig und ist ebenso wertvoll als Heil- wie als Küchenpflanze.
  • Blätter und Öl der Pflanze beruhigen, helfen beim Einschlafen, lindern die Symptome von Herzerkrankungen, helfen gegen Entzündungen, Viren, Hautbeschwerden und Magenprobleme.
  • Melisse entspannt die Muskeln, wirkt antiviral und adstringierend.
  • Melisse lässt sich leicht pflanzen und trocknen und steht so das ganze Jahr zur Verfügung.

Inhaltsstoffe

Melisse enthält Phenolcarbonsäuren, Gerb- und Bitterstoffe (darunter Rosmarinsäure), Chlorogensäure und Kaffeesäure. Dadurch wirken die Blätter gegen Viren. Das ätherische Öl besteht aus Citral, Geranial, Neral und Citronellal. Hinzu kommen Caryophyllenoxid, Germacren D, und 6-Methyl-5-hepten-2-on. Des Weiteren sind Harze, Schleimstoffe, Glykoside, Saponine und Thymol sowie ein hoher Gehalt an Vitamin C enthalten.

Melisse ist sowohl in der Küche als auch zu medizinischen Zwecken vielseitig einsetzbar. (Bild: eyewave/fotolia.com)

Wirkung und Anwendung

Die krampflösenden Eigenschaften der Melisse lassen sich für vielfältige Beschwerden nutzen: Melisse ist ein altes Mittel gegen Migräne, Neuralgien und Schmerzen während der Periode. Melisse fördert die Rückbildung von Narben durch zusammen ziehende Wirkung. Rheumatische und neuralgische Schmerzen lassen sich durch äußerliches Anwenden von Melisse behandeln. Melisse fördert die Sekretbildung der Leberzellen, wirkt betäubend und fördert Blutungen.

Traditionell gilt Melisse als Mittel gegen Magenbeschwerden und Stress. Sie soll beruhigen und die Verdauung fördern, Blähungen lindern und Völlegefühle schwächen. Zudem löst Melisse Krämpfe und entspannt die Muskeln. Salben aus Zitronenmelisse helfen gegen Herpes simplex. Jedoch brauchen Sie dazu Cremes mit Melissenöl, ein Melissentee wirkt nur wenig. Als Hausmittel dient Zitronenmelisse gegen Erkältungen, Entzündungen der Atemwege und Kreislaufprobleme.

Melisse steigert die Produktion des „Glückshormons“ Serotonin, eines Neurotransmitters. Deshalb wirkt vor allem Melissenöl gegen Stress, innere Unruhe, Ängste und leichte Depressionen. Es beruhigt bei Nervosität. Melisse gleicht auch den Histaminhaushalt aus, und Histamin hängt ursächlich mit Stress zusammen. Melissenöl zeigte darüber hinaus bei Studien mit Demenzpatienten eine verbesserte Produktion von Acetylcholin, verbessert also vermutlich das Gedächtnis.

Die beruhigende Wirkung macht Melisse auch zu einem gutem Mittel, um Einschlafstörungen in den Griff zu kriegen. Wenn Sie unter Stress leiden und nicht einschlafen können, empfiehlt sich eine Kombination von Melisse mit Baldrian, Hopfen, Lavendel und Passionsblume. Alle ergänzen sich gegenseitig.

Volksnamen

Melisse heißt auch Gartenmelisse, Bienenkraut (wegen der Bedeutung als Bienenweide), Honigblatt (wegen des Geschmacks), Herztrost (wegen der aufmunternden Wirkung), Frauenwohl (wegen der Verwendung gegen Menstruationskrämpfe), Wanzenkraut (gegen Wanzen) und Mutterkraut (weil sie mit Vorwehen und Wehen verbundene Schmerzen lindert). Diese Beinamen verweisen darauf, dass Melisse in der Volksmedizin eine große Bedeutung hatte.

Magen-Darm-Erkrankungen

Melisse beruhigt die Muskeln um Magen und Darm. Deswegen hilft sie gegen Magenkrämpfe, Darmprobleme und viele Bauchschmerzen. Bei einer Entzündung der Magenschleimhaut wirkt Melissenöl der Entzündung entgegen. Sie können es ohne Probleme schlucken. Melissenöl dämmt die Produktion der Stoffe, die im Magen die Entzündung auslösen und lindert so auch eine bereits entstandene Gastritis.

Das Öl der Zitronenmelisse kann gegen Entzündungen im Magen eingesetzt werden und lindert auch eine bereits entstandene Gastritis. (Bild: Madeleine Steinbach/fotolia.com)

Melissenöl auf der Haut

Melissenöl fördert die Durchblutung der Haut. Diese kann sich dadurch besser regenerieren, besser Nährstoffe aufnehmen und wirkt insgesamt jünger.

Melisse für die Verdauung

Melisse fördert die Verdauung in zweifacher Hinsicht. Der Magen produziert zum einen mehr Magensäfte und zersetzt so zähe Nahrung besser, zweitens regt Melisse die Speichelproduktion an. Damit wird schwer verdauliche Kost bereits im Mund besser vorverdaut.

Melisse bei der Menstruation

Melisse löst Krämpfe und eignet sich deshalb ausgezeichnet, um die Krämpfe im Unterleib während der Periode zu lindern. Zugleich treibt Melisse die Menstruation an.

Melissenöl

Die schlechte Nachricht zuerst. Melissenöl ist teuer. Die gute Nachricht: Sie können es vielseitig verwenden, in einer Duftlampe ebenso wie auf der Haut, als Aroma zum Backen, für Likör ebenso wie als Badezusatz. Melissenöl riecht und schmeckt sehr intensiv. Es sind kaum Nebenwirkungen bekannt, lediglich bei einer geschwächten Schilddrüse sollten Sie es nicht verwenden.

Eine alte Heilpflanze

Bereits bei Plinius, dem Älteren im 1. Jahrhundert unserer Zeitrechnung ist die Melisse als Heilmittel gegen Herzerkrankungen, Magenbeschwerden und übersteigerte Emotionen bekannt, tatsächlich also gegen Erkrankungen, gegen die wir sie auch heute einsetzen. Vor allem diente sie jedoch als Futterpflanze für Bienen. Keine Pflanze steuerten die Insekten angeblich lieber an, und der Melissenhonig galt als Delikatesse. „Melissa“ heißt auf griechisch „süß wie Honig“, und die Griechen kamen in Vorderasien mit dem „Honigkraut“ im natürlichen Verbreitungsgebiet in Kontakt. Im heutigen Deutschland ließ sie belegt Karl der Große anbauen.

Hidlegard von Bingen schrieb: „Die Melisse ist warm und ein Mensch der sie isst, lacht gern, weil ihre Wärme die Milz berührt und daher das Herz erfreut wird.“ Sie glaubte auch, die Pflanze helfe gegen weiße Flecken auf der Hornhaut.

Paracelsus (1493 -1541) sah in der Zitronenmelisse das beste Mittel gegen Herzerkrankungen. Als „Herba melissa“ zog die Pflanze ins offizielle Marktregister der Stadt Braunschweig ein. Die Karmeliterinnen stellten ab 1611 einen Alkoholextrakt mit Melisse her, und so entstand der „Klosterfrau Melissengeist“.

Melisse selbst anbauen

Melisse zu pflanzen ist denkbar einfach: Sie mag Sonne und lehmhaltigen Boden, dann stellt sie kaum Ansprüche. Sie können die Pflanze auf der Fensterbank ebenso ziehen wie auf dem Hof oder im Garten. Aussäen können Sie ab Mai, wenn es keinen Bodenfrost mehr gibt. Die Blätter ernten Sie dann im August und September. Ab dem zweiten Jahr wird die Ernte üppig.

Der Anbau von Zitronenmelisse ist relativ einfach und Sie können die Pflanze auch auf der Fensterbank ziehen. (Bild: Cilfa/fotolia.com)

Zitronenmelisse trocknen

Sie können die Melisse trocknen, um auch im Winter einen Tee daraus zu kochen oder die Blätter als Badezusatz zu verwenden. Dafür pflücken Sie die Pflanzen am besten kurz vor der Blüte, wenn die ätherischen Öle am reichsten sind und so für das stärkste Aroma sorgen. Sie spülen die Zweige mit kaltem Wasser ab und entfernen beschädigte Blätter.

Dann legen Sie die Blätter auf ein Backblech. Achten Sie darauf, die Blätter nicht zu schichten, damit sie gleichmäßig trocknen. Den Ofen heizen Sie auf 80 Grad vor und stellen ihn aus, wenn er seine Temperatur erreicht hat. Jetzt schieben Sie das Blech mit der Melisse hinein und lassen es in der auskühlenden Hitze. Ist der Ofen wieder kalt, sind die Blätter getrocknet. Die getrockneten Pflanzenteile lagern sie in einem luftdichten Gefäß in der Dunkelheit.

Melisse in der Küche

Melisse ist in der Küche ein Allroundtalent. Die frisch gepflückten Blätter passen zu Salaten ebenso wie zu Pilzen, Fisch, Wild und Geflügel, zu Rührei, Omelett und anderen Eierspeisen, zu Kräutersaucen, Remouladen wie Mayonnaisen, zu Sauerkraut, Fruchtsuppen, Bowlen, Gelees und als Deko auf Eis, Pudding und Cremes. Ebenso können Sie Melisse für Liköre, Schnäpse, Fruchtweine und Cocktails verwenden.

Melisse harmoniert mit Schnittlauch, Dill, Borretsch, Petersilie und Kresse, auch mit Thymian und Rosmarin. Sie eignet sich für Dipps, Quarks, Joghurts und Saucen mit diesen Kräutern, beim Grillen oder als Brotaufstrich. Für Fisch garen Sie die Melisse am besten im Ofen mit, damit das Aroma erhalten bleibt. Am intensivsten schmeckt es, wenn Sie die zerkleinerten Blätter erst vor dem Servieren über den Fisch streuen.

Melissentee

Für einen Liter Tee nehmen Sie zwei Handvoll Blätter. Darauf gießen Sie heißes, aber nicht kochendes Wasser, decken das Gefäß ab und lassen es 20 Minuten ziehen. Melissentee schmeckt warm, ideal ist er aber als Eistee im Sommer. Es gibt kaum etwas erfrischenderes. Sie können auch einen Mischtee herstellen und zu der Melisse Pfefferminzblätter geben. Ein Melissentee harmoniert vorzüglich mit Apfelsaft.

Melissentee schmeckt nicht nur lecker, sie können auch einen Umschlag hinein tunken und diesen auf Insektenstiche, Hautabschürfungen oder andere Entzündungen der Haut legen. Bei einem Muskelkater oder um diesen vorzubeugen, hilft ebenfalls ein solcher Umschlag. Außerdem riecht die Haut danach frisch zitronig.

Melissentee schmeckt nicht nur lecker, sie können mit diesem auch Insektenstiche, Hautabschürfungen oder andere Entzündungen der Haut äußerlich behandeln. (Bild: Karina Baumgart/fotolia.com)

Melissenmilch

Der Geheimtipp unter den Schlafmitteln. Legen Sie drei große getrocknete Melissenblätter in eine Tasse und übergießen diese mit heißer Milch. Sie decken alles ab und lassen es zehn Minuten ziehen. Vor dem Einschlafen trinken Sie die warme Milch.

Rezepte

Die Bandbreite der Rezepte, in denen Melisse Verwendung findet, ist extrem groß und kreativen Köpfen sind hier in der Küche kaum Grenzen gesetzt. Von Getränken, Saucen, Vorspeisen, Hauptgerichten bis hin zum Dessert reicht das Spektrum der Anwendungsmöglichkeiten. Anschließend werden einige Retzept-Beispiele aufgeführt.

Melisse und Karotten

Schneiden Sie ein Pfund Möhren in Scheiben und dünsten Sie diese in Butter an. Geben Sie Salz und Zucker hinzu, löschen mit Apfelsaft ab, garen alles bei niedrigen Temperaturen, binden es mit Sahne ab und geben am Ende drei Esslöffel frische Melissenblätter hinzu.

Melissenpesto

Statt Basilikum können Sie in einem Pesto auch 100 g Melissenblätter verwenden. Diese mischen sie mit 100 ml Olivenöl, 20 g Pinienkernen und etwas Salz, pürieren alles im Mixer – fertig.

Zitronenmelissensorbet

Für ein Sorbet auf Zitronenmelisse brauchen Sie 400 ml Wasser, 2 Hände voll Melisse, 150 g Zucker und 1 Zitrone. Sie kochen das Wasser mit dem Zucker zu einem Sirup auf. Während dieser abkühlt, geben Sie die Melisse hinein. Alles zieht jetzt einen Tag. Dann gießen Sie die Flüssigkeit ab und fügen Saft der Zitrone hinzu. Diesen frieren Sie jetzt im Eisfach ein. Servieren können Sie das Sorbet mit Melissenblättern als Dekoration. (Dr. Utz Anhalt)