Ärzte: Verfärbte und bröckelnde Kinderzähne müssen kein Karies sein

Meist sind Verfärbungen der Zähne bei Kindern durch Karies bedingt, doch kann sich auch eine Molare-Inzisive-Hypomineralisation verfärbte und poröse Zähne bedingen. (Bild: Trezvuy/fotolia.com)
Fabian Peters

Molare-Inzisive-Hypomineralisation bedingt poröse und verfärbte Backenzähne
Wenn die Backenzähne von Kindern sich gelb und braun verfärben, muss dies nicht zwangsweise Folge schlechter Zahnhygiene sein. Poröse Backenzähne mit gelben oder braunen Verfärbungen können laut Mitteilung des Universitätsklinikums Freiburg auch durch eine sogenannte Molare-Inzisive-Hypomineralisation (MIH) bedingt werden. Diese Schmelzbildungsstörung an bleibenden Zähnen betreffe circa zehn Prozent der Kinder.

Den Angaben des Freiburger Uniklinikums zufolge haben einige Kinder trotz täglichem Zähneputzen und wenig Süßigkeiten mit kaputten Backenzähnen im Seitenzahnbereich zu kämpfen. Mitunter treten die neuen Zähne schon geschädigt aus dem Kiefer. Eltern denken hier oftmals zunächst an klassischen Karies, doch die Ursache kann auch eine Molare-Inzisive-Hypomineralisation sein. Welche Möglichkeiten zur Abhilfe bestehen, erläutert die Zahnärztin Dr. Priska Fischer in der aktuellen Pressemitteilung des Universitätsklinikums Freiburg.

Meist sind Verfärbungen der Zähne bei Kindern durch Karies bedingt, doch kann sich auch eine Molare-Inzisive-Hypomineralisation verfärbte und poröse Zähne bedingen. (Bild: Trezvuy/fotolia.com)
Meist sind Verfärbungen der Zähne bei Kindern durch Karies bedingt, doch kann sich auch eine Molare-Inzisive-Hypomineralisation verfärbte und poröse Zähne bedingen. (Bild: Trezvuy/fotolia.com)

Ursachen der MIH unklar
Die Auslöser der MIH sind laut Aussage der Expertin bislang unklar. Ob die Zahnkrankheit vererbbar oder genetisch bedingt ist oder durch Umweltfaktoren beeinflusst wird, konnte wissenschaftlich noch nicht herausgefunden werden, so die Mitteilung des Universitätsklinikums. Laut Dr. Fischer, Zahnärztin an der Klinik für Zahnerhaltungskunde und Parodontologie am Freiburger Uniklinikum, wurde die MIH erst Anfang der 2000-er Jahre richtig bekannt, obwohl es bereits in den 1980er- und 1990-er Jahren erste Aufzeichnungen dazu gab.

Erste bleibende Backen- und Schneidezähne betroffen
MIH betrifft meist die ersten bleibenden Backenzähne und die ersten bleibenden Schneidezähne, erläutert die Zahnärztin. Der Zahnschmelz werde infolge der geringen Mineralisierung so stark geschädigt, dass der Zahn dadurch nicht genug geschützt ist und somit bröckeln kann. Eine Vorbeugung gegen die Krankheit sei nicht möglich. Dies ist für die Eltern betroffener Kinder durchaus wichtig zu wissen, denn viele von ihnen „sind besorgt und fühlen sich schuldig, dass die Zähne ihrer Kinder so schlecht sind“, berichtet Dr. Fischer. „Es ist wichtig, dass man den Eltern die Schuldgefühle nimmt, sie gut aufklärt und berät“, so die Expertin weiter.

Bei Anzeichen auf MIH einen Zahnarzt aufsuchen
Wenn Eltern bräunliche und beige Verfärbungen an den Zähnen ihrer Kinder bemerken und die Zähne zudem porös sind, sollte mit dem Kind umgehend ein Zahnarzt aufgesucht werden. Denn es bestehen durchaus Möglichkeiten, die Folgen der MIH zu minimieren. Zunächst gelte es, die Zahnhygiene noch größer zu schreiben und den Zahnschmelz zu fluoridieren, berichtet das Universitätsklinikum Freiburg. Durch Fluoridlacke werden die Zähne geschützt und „eine Versiegelung um den Zahn herum sowie auf den Kauflächen ist eine weitere Methode, um die Zähne zu schützen“, erläutert Dr. Priska Fischer. Des Weiteren komme der regelmäßigen Kontrolle eine hohe Bedeutung zu, um Karies zu verhindern.

Möglichkeiten der Behandlung
Den Angaben des Universitätsklinikums zufolge sind die Zähne bei vielen Kindern, die unter MIH leiden, extrem kälteempfindlich. Hier bestehe die Möglichkeit bei einem höheren Schweregrad der Schmelzbildstörung, die betroffene Zähne mittels Füllungstherapie oder Versorgung mit speziellen Kinderkronen zu behandeln. „Dies führt meist zu einer Linderung der Kälteempfindlichkeit“, berichtet Dr. Fischer. In Einzelfällen könne die Überempfindlichkeit allerdings so stark sein, dass eine örtliche Betäubung nicht wirkt und eine ambulante Behandlung daher nicht möglich ist. Hier bleibe die Therapie der Zähne unter Vollnarkose die letzte Option. (fp)

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