10 Prozent der Kliniken von Schließung bedroht

Fabian Peters

Zehn Prozent der Krankenhäuser von Schließung bedroht

06.05.2011

Zahlreiche Deutsche Krankenhäuser sind in ihrer Existenz bedroht, so das Ergebnis des aktuellen „Krankenhaus Rating Reports“ des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung (RWI). Rund zehn Prozent der Kliniken werden laut Aussage des RWI-Präsidenten Christoph Schmidt gegenüber dem „ZDF“ in den kommenden Jahren unter erheblichen finanziellen Druck geraten.

Mehr zum Thema:

Von den rund 2.000 Kliniken in Deutschland sind dem RWI-Präsidenten zufolge etwa 200 gefährdet. Vor allem Kliniken, die ihre benötigten Investitionskosten nicht erwirtschaften können, sind von einer Schließung bedroht, erklärte Christoph Schmidt. Das RWI kommt in dem aktuellen „Krankenhaus Rating Report“ zu dem Ergebnis, dass jedem zehnte Krankenhaus in Deutschland erhebliche finanzielle Schwierigkeiten drohen.

Kostendruck und demografischer Wandel bedingen Krankenhausschließungen
Der Präsident des RWI machte für die drohende Schließung von zehn Prozent der deutschen Kliniken in erster Linie den steigenden Kostendruck durch den Fortschritt in der Medizin-Technik sowie den demografischen Wandel verantwortlich. Aber auch die Kürzung der staatlichen Gelder habe einen merklichen Anteil an der finanziellen Schieflage der Kliniken. Allerdings rät der Präsident des RWI nicht zur Rettung der bedrohten Krankenhäuser, sondern fordert die Politik auf, dem prognostizierten Trend nachzugeben. Schmid betonte, dass „die kommunale Politik (…) noch zu oft schützend die Hand über defizitäre Krankenhäuser“ halte, was nicht im Interesse der Patienten sei und der medizinischen Versorgung schade. Der Ökonom sprach sich daher dafür aus, „lieber Geld in die Hand (zu) nehmen, um eine bessere Struktur zu schaffen – auch durch Zusammenlegung, auch durch Schließung – als etwas aufrechtzuerhalten, was nicht mehr funktionieren kann“. Laut Schmid sind vor allem kommunale Krankenhäuser in Westdeutschland bedroht, von denen die meisten ihre benötigten Investitionskosten schon heute nicht erwirtschaften können.

Kliniken geraten durch die Gesundheitsreform unter Druck
Dass rund jedes zehnte Krankenhaus in Deutschland den Berechnungen des RWI zufolge unter Druck geraten wird, ist nach Ansicht der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) jedoch nicht nur durch unwirtschaftliche Strukturen oder Standortursachen bedingt. Der Hauptgeschäftsführer der DKG, Georg Baum, betonte, dass die mit der Gesundheitsreform beschlossenen Kürzungen zur Sanierung der gesetzlichen Krankenversicherungen einen wesentlichen Anteil an den finanziellen Problemen der meisten Kliniken haben. So hätten die Kliniken dieses Jahr lediglich 0,3 Prozent Spielraum für Preiserhöhungen, berichtete der DKG-Geschäftsführer. Bei Kosten die im „Hochkonjunkturtempo“ explodieren, seien finanzielle Schwierigkeiten daher vorprogrammiert. Baum mahnte, dass „die Politik die Warnzeichen aus den Häusern ernst nehmen“ müsse, um die medizinische Versorgung nicht zu gefährden. So sollte die Bundesregierung ihre „für 2012 bereits im Gesetz stehende nächste Kürzungsrunde überdenken“, da den Kliniken ansonsten weitere 600 Millionen Euro entzogen würden, erklärte der DKG-Geschäftsführer.

Krankenkassen lehnen Zugeständnisse zur Unterstützung der Kliniken ab
Durch die Anregungen des DKG-Geschäftsführers fühlten sich hingegen die gesetzlichen Krankenkassen provoziert und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherungen wies die Vorschläge umgehend zurück. Dem Vizechef des Spitzenverbandes der gesetzlichen Krankenversicherungen, Johann-Magnus von Stackelberg, zufolge besteht im stationären Bereich kein Spielraum, um den Kliniken bei den drohenden finanziellen Schwierigkeiten entgegen zu kommen. Die stark steigenden Ausgaben im Kliniksektor seien für die gesetzlichen Krankenversicherungen ohnehin schon eine erhebliche Belastungsprobe. So werden die gesetzlichen Krankenkassen laut Johann-Magnus von Stackelberg in diesem Jahr voraussichtlich knapp 18 Millionen Euro mehr für die Krankenhausversorgung aufbringen, als noch im Jahr 2008 (über 60 Milliarden gegenüber 52,6 Milliarden Euro 2008). (fp)