15.000 Todesfälle durch Krankenhausinfektionen

Fabian Peters

Hunderttausende Patienten infizieren sich jährlich im Krankenhaus

03.10.2011

Jährlich infizieren sich den Angaben der gesetzlichen Krankenkassen zufolge rund 600.000 Menschen in Deutschland während eines Krankenhausaufenthaltes mit gefährlichen Keimen – trotz umfassender Hygienevorschriften. Rund 15.000 Menschen sterben pro Jahr an den Folgen einer entsprechenden Krankenhausinfektion, so die Angaben der Techniker Krankenkasse (TK) unter Bezug auf die Zahlen des Robert-Koch-Instituts und die Daten des Verbandes der Ersatzkassen.

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Die Deutsche Gesellschaft für Krankenhaushygiene (DGKH), die Gesellschaft für Hygiene, Umweltmedizin und Präventivmedizin (GHUP) sowie der Bundesverband der Ärzte des Öffentlichen Gesundheitsdienstes (BVÖGD) schätzen die Zahl der Todesfälle aufgrund von Krankenhausinfektionen sogar auf rund 30.000 pro Jahr. Der DGKH-Experte Klaus-Dieter Zastrow erklärte bereits im Mai dieses Jahres, dass „sich von den etwa 18 Millionen Patienten in Deutschland mindestens vier Prozent, also 720.000 Menschen, im Krankenhaus mit Keimen“ infizieren.

Multiresistente Erreger verursachen Krankenhausinfektionen
Um das Infektionsrisiko im Sinne der Patienten zu minimieren, ist das Klinikpersonal generell zur Einhaltung bestimmter Hygienevorschriften verpflichtet. Doch die Anzahl der tatsächlichen Infektionen mit multiresistenten Erregern lassen vermuten, dass im hektischen Krankenhausalltag die Hygienevorschriften gelegentlich vernachlässigt werden. Immer wieder infizieren sich Patienten während eines Krankenhausaufenthaltes mit multiresistenten Erregern wie MRSA, VRE und ESBL, wobei die MRSA-Erreger, multiresistente Bakterien der Gattung Staphylococcus aureus (Staphylokokken) besonders häufig zu schwerwiegenden Komplikationen und tödlichen Infektionsverläufe führen. Dass immer mehr Erreger Resistenzen entwickeln, ist laut Aussage der DGKH im wesentlichen durch die unsachgemäße Verwendung von Antibiotika bedingt, wohingegen die Übertragung der Keime auf die Klinikpatienten in erster Linie durch die mangelnde Einhaltung der Hygienevorschriften in den Kliniken verursacht wird.

Hygiene-Aktionen zur Verbesserung der Krankenhaus
Wie die TK berichtet verursachten im Jahr 2006 allein die MRSA-Erreger rund 14.000 gefährliche Infektionen bei Krankenhauspatienten. Seither hat sich die Anzahl der MRSA-Infektionen den Angaben der Krankenkasse zufolge in einigen Bundesländern mehr als verdoppelt. Zwar werden sich die Kliniken des Problems zunehmend bewusst, doch immer noch erleiden hunderttausende Patienten pro Jahr eine Krankenhausinfektion. Daher beteiligen sich zahlreiche Kliniken seit drei Jahren an der Initiative „Aktion Saubere Hände“ oder ähnlichen Programmen, bei denen Ärzte und Pflegekräfte zur Einhaltung umfassender Hygieneregeln wie zum Beispiel dem Händewaschen vor und nach jedem Patientenkontakt verpflichtet werden. Den Angaben der Techniker Krankenkasse in Mainz zufolge haben sich in Rheinland-Pfalz annähernd sämtliche Kliniken an der Hygiene-Aktion beteiligt. Und um die Krankenhaushygiene auch in den kommenden Jahren weiter zu verbessern, hat die Techniker Krankenkasse außerdem einen Zehn-Punkte-Katalog entwickelt, mit dessen Hilfe die Übertragung von resistenten Erregern deutlich reduziert werden soll. (fp)