34 Prozent der Ärzte sind unzufrieden

Sebastian

Umfrage unter Medizinern: 34 Prozent der Ärzte sind mit ihrer eigenen beruflichen Situation unzufrieden

16.02.2011

Mehr als ein Drittel (34 Prozent) der Haus- und Fachärzte sind mit ihrer eigenen beruflichen Situation unzufrieden. Selbstständige Praxisärzte sind noch unzufriedener. 44 Prozent der niedergelassenen Ärzte gaben an, mit ihrer derzeitigen Situation nicht zufrieden zu sein. Am häufigsten wurde als Hauptgrund der bürokratische Verwaltungsaufwand genannt. Die repräsentative Umfrage wurde im Auftrag der Commerzbank vom Forschungs- und Meinungsinstitut TNS-Infratest unter deutschen Medizinern durchgeführt.

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Praxisärzte fast zur Hälfte unzufrieden
Im Allgemeinen gehen die meisten Menschen in Deutschland davon aus, dass Ärzte über eine hohe berufliche Zufriedenheit verfügen. Der Berufsstand ist gesellschaftlich hoch anerkannt und der Verdienst zumeist im oberen Bereich angesiedelt. Doch viele Ärzte sind mit der eigenen Situation recht unzufrieden. Besonders niedergelassene Mediziner beklagen den immer höher werdenden Bürokratismus im Abrechnungswesen. Insgesamt 34 Prozent der Befragten gaben hier an, nicht zufrieden zu sein. Die Unzufriedenheit bei Praxisärzten lag bei satten 44 Prozent. Als besonders belastend sei der bürokratische Aufwand, der täglich betrieben werden muss. 54 Prozent der niedergelassenen Ärzte sehen die Bürokratie als Hauptgrund für ihre Unzufriedenheit an. Angestellte Mediziner in Kliniken gaben mit einem Anteil von 64 Prozent an, dass vor allem das hohe Arbeitspensum die Zufriedenheit hauptsächlich einschränkt.

26 Prozent der Umfrageteilnehmer wollen sich noch in diesem Jahr beruflich verändern. Die Gründung einer eigenen Praxis stand dabei mit 37 Prozent an erster Stelle. 35 Prozent der Praxisärzte gaben an, über eine neue Gemeinschaftspraxis nachzudenken. 32 Prozent denken darüber nach ins Ausland überzusiedeln und nur fünf Prozent der Mediziner könne sich vorstellen auch im ländlichen Bereich tätig zu sein. Aus dem zuletzt genannten Punkt ergibt sich mittlerweile ein regelrechter Ärztemangel auf dem Land.

Ärzteverband fordert Abbau von Bürokratie und höhere Vergütungen
Die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) sieht sich in den Umfrageergebnissen bestätigt. Bereits vorangegangene Umfragen wären zu einem ähnlichen Ergebnis gelangt. So sagte der Bundesvorsitzende der Ärztevereinigung, Dr. Carl-Heinz Müller: „Das deckt sich mit den Ergebnissen einer bundesweiten Befragung von Medizinstudenten, die die Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) und die Universität Trier im vergangenen Sommer durchgeführt haben.“ Beide Umfragen zeigen, dass gegen die mangelnde Ärztedichte auf dem Land etwas getan werden muss. Die KBV erneute die Forderung, den Bürokratismus abzubauen, Ärzte von Regress-Risiken zu befreien und Ärzten auf dem Land eine höhere Vergütung zu gewähren. Zudem sollte die Infrastruktur in ländlichen Regionen weiter ausgebaut werden, damit Mediziner und Familienangehörige mehr Anreize verspüren, aufs Land zu ziehen. Ansonsten kennt man den Landarzt bald nur noch aus dem Fernsehen, mahnte Müller.

Krankenkassen sehen eher eine Überversorgung
Die Krankenkassen sehen indes keinen Ärztemangel sondern eher eine Überversorgung. Das Problem sei nicht ein Mangel an Medizinern, sondern eine ungleiche Verteilung. Während in den Städten eine sehr hohe Arztdichte besteht, kommt es in einigen ländlichen Gebieten zu einem regelrechten Ärztemangel. Der AOK Bundesvorsitzende Herbert Reichelt forderte unlängst eine gesetzlich vorgeschriebene Minimierung von Praxiszulassungen in den Städten. Hierdurch sollen Ärzte animiert werden, sich auch auf dem Land niederzulassen. (sb)