4000 Kinder krank: Norovirus im Schulessen?

Sebastian

Kam der Virus mit dem gelieferten Schulenessen? Rund 4000 Kinder leiden in vier Bundesländern an Magen-Darm-Erkrankungen

28.09.2012

Nachdem tausende Kinder in vier ostdeutschen Bundesländern vermutlich an dem Norovirus erkrankt sind, bleiben zahlreiche Schulen und Kindertagesstätten geschlossen. Die Kindergarten- und Schulkinder leiden unter Bauchschmerzen, Übelkeit und Durchfall, wie die Gesundheitsbehörden mitteilten. Noch ist die Ursache ungeklärt, die Ämter vermuten, dass das gelieferte Schulessen viral kontaminiert gewesen sein könnte.

Mehr zum Thema:

War das gelieferte Schulessen Schuld? Dieser Frage gehen nunmehr die Gesundheitsämter der Länder nach, nachdem einige tausend Schüler an Magen-Darm-Erkrankungen leiden. Weil alle betroffenen Schulen und Kindergärten von ein und dem selben Lieferanten das Mittagessen geliefert bekommen haben, könnte hier die Ursache liegen.

Drei Kinder in ein Krankenhaus eingeliefert
Noch ist ungeklärt, wie viele Kinder erkrankt sind, es dürften nach Behördenangaben einige Tausend sein. Drei Schüler zeigten derart heftige Magenprobleme, so dass stationär in eine Klinik aufgenommen werden mussten, wie die Berliner Senatsverwaltung für Gesundheit und Soziales am Donnerstag mit Verweis auf das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte. Alle anderen Kinder werden ambulant durch Kinderärzte betreut.

Auslöser könnte eine Noroviren-Infektion sein
Als Auslöser wird der aggressive Noro-Virus vermutet. Patienten leiden in Folge an heftigem Brech-Durchfall und Übelkeit. Bei einem stabilen Immunsystem ist die Infektionskrankheit nach etwa drei Tagen folgenlos ausgeheilt. Gefährlich kann die Erkrankung allerdings bei geschwächten Personen werden, weil der Körper in Folge des Abwehrkampfes sehr viel Flüssigkeit verliert. Daher sollte auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr geachtet werden, um eine innere Austrocknung zu vermeiden.

Einige Schulen bereits geschlossen
Nach derzeitigem Kenntnisstand wurden alle betroffenen Schulen und Kindertagesstätten von dem gleichen Essens-Hersteller beliefert. „Dieser hat seinen Hauptsitz in Rüsselsheim und betreibt regionale Standorte in vielen Bündeländern“, wie ein Ulrich Widders des Brandenburgischen Referats Gesundheit und Verbraucherschutz im Gesundheitsministerium gegenüber der Fernsehsendung „Abendschau“ des Rundfunk Berlin-Brandburg (RBB) sagte. In Folge der Heftigkeit des Auftretens wurden einige Schulen in Brandenburg und Berlin mindestens bis zum Wochenende geschlossen, um eine weitere Ausbreitung zu vermeiden.

Eine Schließung des Betriebs komme aber zum momentanen Zeitpunkt nicht in Frage. „Wir sehen keinen Anlass den Betrieb zu schließen“, so eine Sprecherin der Thüringischen Aufsichtsbehörden. In der Vergangenheit habe es nie bei dem Essensproduzenten hygienische Probleme gegeben. Das Kreisveterinäramt hat zur Vorsorge zusätzliche Reinigungsmaßnahmen und Desinfektionen des vermutlich betroffenen Herstellerbetriebes angeordnet. Von Seiten des Betriebes liegt derzeit keine Stellungnahme vor.

Erste Patientenfälle bereits am Dienstag
„Die ersten Beschwerdefälle traten bereits am Dienstagabend auf“, wie das Sozialministerium Sachsen vermeldet. Auch hier gehen die Behördenmitarbeiter davon aus, dass es Noroviren der Auslöser sind. Bislang wurden Patientenfälle in Thüringen, Berlin, Brandenburg und Sachsen gemeldet.

Das Robert-Koch-Institut in Berlin geht von einer Patientenzahl von rund 4000 Kindern, Erziehern und Lehrern aus. Andere Medienberichte gehen eher von einer Zahl von rund 2500 Infizierten aus. Allein in Brandenburg seien über 1100 Erkrankte dem Gesundheitsministerium gemeldet worden. In dem Bundesland Sachsen seien seit Anfang der Woche rund 600 Kinder mit Beschwerdebildern wie Durchfall und Erbrechen registriert worden. Die Senatsverwaltung in Berlin gab an, „in fünf Stadtbezirken sind 400 Fälle aufgetreten“. Das Landratsamt Saalfeld-Rudolstadt spricht in diesem Zusammenhang von 340 Patienten in Thüringen.

Erste Laborergebnisse am Nachmittag erwartet
Noch ist nicht erwiesen, wie es zu dem Ausbruch kommen konnte. Auch ist unklar, ob tatsächlich der Noro-Virus ursächlich war. Das RKI wollte Angaben, nachdem es sich um das Noro-Virus handelt, nicht bestätigen. Derzeit suchen die Gesundheits- und Lebensmittelbehörden fieberhaft nach den Erreger und Auslöser. Dabei arbeiten die zuständigen Gesundheitsämter, Ministerien der Länder und Behörden zusammen. Weil der Umfang der Infektionswelle sehr stark ausgeprägt ist, hat sich dem neben dem RKI auch das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit eingeschaltet. Die vier involvierten Bundesländer wollen sich mit den Bundesinstituten und Behörden heute über konkrete Maßnahmen absprechen, wie die Sprecherin der Berliner Gesundheitsverwaltung, Regina Kneiding, auf Anfrage mitteilte. Die ersten Analyseergebnisse der Laboruntersuchungen werden im Verlauf des heutigen Nachmittags erwartet.

Der Brandenburgische Leiter des Referats für Gesundheit sagte: "Wir haben die Regionalküchen des Caterers angeschaut, bestimmte Lebensmittel dürfen nicht mehr ausgegeben werden". Und die die Staatssekretärin Emine Demirbüken-Wegner (CDU) erklärte gegenüber der Berliner Abendschau: „Mit Hilfe eines Koordinierungszentrums in der Gesundheits-Senatsverwaltung Berlin werden weitere Schritte erörtert“. Alle Krankenhäuser wurden vorsorglich informiert. (sb)

Bild: Public Address Presseagentur / pixelio.de