4300 Todesfälle wegen Arzneimittel-Cocktails

Heilpraxisnet

4300 Todesfälle durch Arzneimittel-Cocktails

21.01.2015

Nach Angaben des Gesundheitsministeriums führen Wechsel- oder Nebenwirkungen von Medikamenten jährlich zu rund 4.300 Todesfällen in nordrhein-westfälischen Krankenhäusern. Ursache seien oft Arzneimittel-Cocktails, vor allem bei älteren Patienten. Die Gesundheitsministerin des Bundeslandes rät zu Medikationsplänen.

1,5 Millionen Menschen nehmen mehr als fünf Medikamente am Tag
Angaben des Gesundheitsministeriums zufolge führen Wechsel- oder Nebenwirkungen von Medikamenten pro Jahr zu etwa 4.300 Todesfällen in nordrhein-westfälischen Krankenhäusern. Oft sind Arzneimittel-Cocktails, die durch Verordnungen verschiedener Ärzte und selbst gekaufter Arzneien unüberschaubar werden, die Ursache, wie die Nachrichtenagentur dpa berichtet. NRW-Gesundheitsministerin Barbara Steffens (Grüne) spricht laut der „Rheinischen Post“ (RP) von einer erschreckenden Entwicklung: 1,5 Millionen Menschen in dem westdeutschen Bundesland nehmen jeden Tag mindestens fünf Medikamente ein. Bei den Senioren über 65 Jahre sei es fast jeder zweite.

Unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen
Die Politikerin warnte unter Hinweis auf unerwünschte Neben- und Wechselwirkungen der verschiedenen Präparate, dass ein solcher „Cocktail“ gefährlich sein könne. Steffens zufolge sind landesweit rund 215.000 Einlieferungen ins Krankenhaus auf ein Medikamentengemisch zurückzuführen. Dies seien immerhin fünf Prozent aller Krankenhausaufenthalte in NRW. Etwa zwei Prozent davon (4.300 Fälle) enden laut der Ministerin tödlich. Oft würden die einzelnen Arzneien von verschiedenen Ärzten verordnet und nicht aufeinander abgestimmt. Wie Steffens erklärte, könne die gleichzeitige Einnahme verschiedener Präparate die Wirkung eines bestimmten Mittels mindern.

Medikationsplan von Arzt ausarbeiten lassen
Die Gesundheitsministerin empfiehlt, sich beim Hausarzt oder in der Apotheke einen individuellen Medikationsplan ausarbeiten zu lassen, auf dem die eingenommenen Präparate mit ihren Wirkstoffen aufgelistet sind. Die Ärztekammer Nordrhein hat bereits einen solchen Plan erstellt. Mit Hilfe eines darauf enthaltenen QR-Codes kann per Computer ermittelt werden, ob die jeweilige Medikamentenkombination Risiken in sich birgt. Insgesamt laufen in NRW Steffens zufolge fünf Modellprojekte. Auch die Krankenhäuser würden in das Bemühen um mehr Sicherheit bei der Arzneimittel-Therapie einbezogen. Angaben der Kassenärztlichen Vereinigung Westfalen-Lippe zufolge bekommen Menschen, die aus dem Krankenhaus entlassen werden, oft eine lange Liste von Medikamenten mit. Mediziner sollten die Liste durchforsten: „Die ärztliche Kunst liegt darin, sich auf das Nötige zu beschränken.“

Mehr Tote durch Nebenwirkungen als durch Verkehrsunfälle
Auch die Apotheker wollen Patienten besser vor Medikationsfehlern schützen. Die Bundesvereinigung der Deutschen Apothekerverbände (ABDA) berichtete kürzlich, dass jährlich mehr Bundesbürger durch die Nebenwirkungen von Arzneimitteln sterben, als im Straßenverkehr. Der Apotheker Professor Dr. Ulrich Jaehde forderte, dass bei der Arzneimitteltherapie vergleichbare Sicherheitsstufen wie im Straßenverkehr eingeführt werden müssten. Ziel der Arzneimitteltherapiesicherheit (AMTS) sei, die Anwendung von Medikamenten in den kommenden Jahren deutlich sicherer zu machen. Apotheker können viel dazu beitragen, die AMTS und somit die Patientensicherheit zu verbessern, etwa im Rahmen eines sogenannten „Medikationsmanagements“. (ad)

Bildnachweis: Andrea Damm / pixelio.de