48 Wochenarbeitsstunden sind Gesundheitsschädlich

Sebastian

Dauerhafte Mehrarbeit kann krank machen

04.11.2012

Nicht selten müssen Arbeitnehmer länger als 48 Stunden in der Woche arbeiten, um beispielsweise ein Terminprojekt fertigzustellen. Wer regelmäßig deutlich mehr als 40 Wochenarbeitsstunden arbeiten muss, kann schnell unter gesundheitlichen Problemen leiden. Magen-Darm-Beschwerden oder Stressempfinden nehmen deutlich zu. Darauf verweist die Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin hin.
Arbeitszeiten von mehr als 40 Stunden in der Woche können nach Meinung von Arbeitsmedizinern die Gesundheit gefährden. Daher sollten Arbeitnehmer, die 48 Stunden und mehr pro Woche arbeiten, einen zeitnahen Freizeitausgleich erhalten, wie der Experte für Arbeitszeiten, Frank Brenscheidt, von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin gegenüber der Nachrichtenagentur „dpa“ sagte. Müssen Angestellte längerfristig Mehrarbeit von über 40 Wochenstunden absolvieren, zeigen Auswertung, dass Gesundheitsprobleme wie Magenprobleme, Darmbeschwerden oder Stress-Syndrome deutlich zunähmen. Eine kurze Auszeit nach der Mehrarbeit kann jedoch für Ausgleich sorgen.

Überstunden in Masse ansammeln der falsche Weg
Überstunden ansammeln sei der falsche Weg, so Brendscheidt. Wichtig sei auch, dass für die Beschäftigten, dass Überstunden vorhersehbar sind. „Bei der Verlängerung der Lebensarbeitszeit sollte man der Gestaltung noch viel mehr Aufmerksamkeit schenken“, mahnte der Experte. Eine optimale Lösung in Form von positiven Arbeitszeitmodellen gebe es jedoch nicht in der Schublade. Die Modelle müssen zwischen den Parteien immer vor Ort ausgehandelt werden.

Ein sehr flexibles Modell sei jedoch die Vertrauensarbeitszeit. Dabei können die Angestellten selbst entscheiden, wann sie kommen und gehen. Die Gesamtarbeitszeit wird auf die Projektarbeit übertragen. „De Arbeit wird über Ziele wie zum Beispiel bei Projektarbeiten definiert“, berichtet der Arbeitszeitexperte. Bei diesem Modell würden die Arbeitgeber nur in seltenen Fällen enttäuscht werden. Arbeitnehmer müssten im Gegenzug darauf aufpassen, dass sie sich in ihrer Arbeit nicht übernehmen. Oft wird die Vertrauensarbeitszeit in der IT-Branche angewendet.

Eine weitere Option seien Gleitzeitmodelle mit einer Ampel. Diese Arbeitszeiteinmodelle seien vor allem für die breite Masse tauglich. Hat ein Angestellter beispielsweise 50 Arbeitsstunden Mehrarbeit angehäuft, so gebe es einen Hinweis, da die Ampel auf Gelb schaltet. Werden mehr als 50 Stunden erreicht, so leuchtet die Ampel rot und der Arbeitnehmer muss die Mehrarbeit mittels Freizeitausgleich abbauen.

Gleitzeitmodelle sind in der Schichtarbeit oft kaum möglich. Hier könnten die Arbeitgeber mit Schichttausch oder Springerkräften gegensteuern. Das verschaffe den Kollegen eine schnelle Erleichterung. „Nie mehr als drei Nachtschichten hintereinander“, rät der Experte. Sinnvoll sind sogenannte Vorwärtsrotationen von der Früh- zur Spätschicht mit möglichst viel Freizeit nach den Nachtschichten. Sehr wichtig sei es, „Arbeitnehmer in die Arbeitszeitgestaltung einzubeziehen“. In einigen Branchen seien Überstunden überhaupt nicht sinnvoll. Dazu gehören die Stahlarbeiter, für die Mehrarbeit nach Möglichkeit nicht infrage kommen sollte. (sb)

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Bild: Benjamin Thorn / pixelio.de