5 Euro Praxisgebühr pro Arztbesuch

Astrid Goldmayer

Ökonomen fordern Praxisgebühr bei jedem Arztbesuch

12.04.2012

Die Deutsche Gesellschaft für Gesundheitsökonomie (DGGÖ) spricht sich für die Ausweitung der Praxisgebühr aus, während Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr und Hessens Sozialminister Stefan Grüttner eine völlige Abschaffung durchsetzen wollen. Nach Ansicht der DGGÖ solle die Praxisgebühr von zehn auf fünf Euro reduziert werden, aber dafür bei jedem Arztbesuch fällig werden.

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Zudem schlägt die DGGÖ vor, die Zuzahlung für die ersten 28 Tage im Krankenhaus in Höhe von jeweils 10 Euro abzuschaffen. Diese sei nach Ansicht der Gesellschaft überflüssig. Durch die vorgeschlagenen Maßnahmen erhoffen sich die Gesundheitsökonomen, zu denen unter anderem der Vorsitzender der DGGÖ Friedrich Breyer und Jürgen Wasem von der Universität Duisburg gehören, eine Reduzierung der Arztbesuche, denn diese fallen im internationalen Vergleich in Deutschland mit durchschnittlich 17 Arztbesuchen pro Jahr sehr häufig an.

Breyer ist der Meinung, dass das Zuzahlungssystem in der gesetzlichen Krankenversicherung dringend überarbeitet werden müsse. „Zuzahlungen sollten nicht einfach die Krankenkassen entlasten, sondern das Verhalten der Versicherten in Richtung Sparsamkeit steuern“, erklärte er gegenüber dem Ärzteblatt. Der Gesundheitsökonom spricht sich dafür aus, nur dort zusätzliche Gebühren zu verlangen, wo der Patient maßgeblich selbst entscheidet, ob er einen Arzt konsultieren möchte. Die Experten erwarten durch die Einführung der fünf Euro bei jedem Arztbesuch, die Abschaffung der 10 Euro pro Quartal und der Krankenhauszuzahlung Einnahmen in Höhe von insgesamt 2,4 Milliarden Euro. Bisher waren es 2,2 Milliarden Euro. Zudem rechnen die Ökonomen mit einer Abnahme der Arztbesuche von zehn Prozent.

Bundesgesundheitsminister fordert Abschaffung der Praxisgebühr
Aus den Reihen der Gesundheitspolitiker werden die Vorschläge jedoch zum Teil stark kritisiert. So fordert Hessens Sozialminister Stefan Grüttner die völlige Abschaffung der Praxisgebühr, da sie keine Steuerungswirkung habe und sich der bürokratische Aufwand der Ärzte enorm erhöhe. Auch Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr (FDP) spricht sich öffentlich für die Abschaffung der Gebühr aus. Zudem fordert er die Ausschüttung des Überschusses im Gesundheitsfonds als Prämien der gesetzlichen Krankenkassen an ihre Mitglieder. So könnten die Versicherten ebenfalls von der positiven finanziellen Entwicklung profitieren. Zahlreiche Krankenkassen könnten nach Ansicht von Bahr entsprechende Prämien an ihre Mitglieder auszahlen. Derzeit würden jedoch lediglich neun Krankenkassen an Prämienauszahlungen arbeiten. (ag)