70 Millionen Versicherte bekommen Organspendeausweis per Post zugeschickt

Sebastian
Krankenkassen verschicken 70 Millionen Organspendeausweise
In den kommenden Monaten werden rund 70 Millionen Versicherte in Deutschland einen Organspendeausweis zugeschickt bekommen. Die Krankenkassen sind dazu verpflichtet, ihren Mitgliedern alle zwei Jahre einen solchen Vordruck zukommen zu lassen.

70 Millionen Versicherte werden angeschrieben
Zwar wurde erst vor wenigen Monaten berichtet, dass die Bereitschaft zur Organspende leicht gestiegen ist, doch noch immer warten Tausende Schwerkranke auf ein lebensrettendes Organ. In den kommenden Monaten werden die deutschen Krankenkassen nun knapp 70 Millionen Organspendeausweise an ihre Versicherten verschicken, berichtet die Nachrichtenagentur dpa. Die Kassen sind nach der Reform des Transplantationsgesetzes von 2012 verpflichtet, alle zwei Jahre einen solchen Vordruck allen Bürgern ab 16 Jahren zukommen zu lassen.

So sieht ein Organspendeausweis aus. Bild: Alexander Raths - fotolia
So sieht ein Organspendeausweis aus. Bild: Alexander Raths – fotolia

Angehörige von Verstorbenen entscheiden
So bringt allein die Techniker Krankenkasse (TK) bis Ende Oktober über acht Millionen Briefe auf den Postweg, wie die Kasse am Montag in Hamburg mitteilte. Von der TK wurde darauf hingewiesen, dass nach dem Gesetz die Angehörigen eines Verstorbenen über die Organentnahme entscheiden, wenn man nicht selbst eine Entscheidung dafür oder dagegen trifft. Der Vorstandsvorsitzende der TK, Dr. Jens Baas, erklärte in einer Pressemitteilung: „Umfragen, die das Meinungsforschungsinstitut Forsa in unserem Auftrag gemacht hat, zeigen, dass wir bereits mit der ersten Versandaktion den Anteil der Versicherten, die einen ausgefüllten Organspendeausweis besitzen, deutlich erhöhen konnten.“ Die Deutsche Stiftung Patientenschutz kritisierte die teure Aktion.

Mehr Aufklärung über Organspende gefordert
Erst vor kurzem hatte die katholische Deutsche Bischofskonferenz mehr Aufklärung der Menschen über die Organspende gefordert. In einer Orientierungshilfe der Glaubenskommission der Bischöfe hieß es, dass es nicht ausreiche, „wenn die Bürger regelmäßig von ihrer Krankenversicherung angeschrieben und dazu aufgefordert werden, eine persönliche Entscheidung zur Spendenbereitschaft zu fällen“. Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) informierte vor wenigen Monaten darüber, dass die Bereitschaft zur Organspende jederzeit widerrufen werden kann. Im ersten Halbjahr 2015 wurde von der Deutschen Stiftung Organtransplantation wieder eine leichte Zunahme der Organspenden verzeichnet. Insgesamt 464 Menschen hätten von Januar bis Juni 2015 Organe gespendet, im Vergleichszeitraum des Vorjahres waren es 435. (ad)