70.000ste Herzoperation am Deutschen Herzzentrum

Astrid Goldmayer

70.000ste Herzoperation mit Herz-Lungen-Maschine am Deutschen Herzzentrum

18.07.2012

Das Deutsche Herzzentrum Berlin (DHZB) gilt als international renommierte Klinik für Eingriffe am offenen Herzen. Kürzlich wurde die 70.000ste Herzoperation unter Anwendung einer Herz-Lungen-Maschine durchgeführt. Die 84-jährige Patientin hat die Operation gut überstanden.

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Künstliche Pumpen von größerer Bedeutung als Transplantationen
Roland Hetzer, Ärztlicher Direktor des DHZB, hatte allen Grund zum Feiern. Neben der 70.000sten offenen Herzoperation, die im Herzzentrum durchgeführt wurde, jährte sich die erste erfolgreiche Kunstherzimplantation im DHZB, die Hetzer 1987 bei einem 53-jährigen Mann aus Süddeutschland machte, zum 25. Mal. Der Mediziner erklärte, dass künstlichen Pumpen inzwischen eine größere Bedeutung zukomme als Transplantationen, da immer weniger Spenderorgane zur Verfügung stünden. 2011 standen im DHZB 177 eingesetzte Kunstherzen nur 62 Transplantationen gegenüber. So begründe sich auch die Tatsache, dass sich die Spezialisten bei Kongressen vielmehr mit künstlichen Pumpen befassten als mit Transplantationen.

Die für Organspenden zuständige Organisation Stiftung Eurotransplant im holländischen Leiden führt eine Liste mit etwa 15.000 Menschen, die auf ein Spenderorgan warten. Im Jahr 2010 wurden jedoch nur knapp 7.000 Herzen, Lebern, Lungen, Nieren und Bauchspeicheldrüsen gespendet und transplantiert.

70.000ste Patientin mit offener Herzoperation ist 84 Jahre alt
Der 70.000ste Patient mit einer offenen Herzoperation im DHZB ist die 84-jährige Lore Buettner, die aufgrund einer Aortendissektion, eine lebensbedrohliche Aufspaltung der Wandschichten der Hauptschlagader, behandelt wurde. „Manche sagen, bei Patienten über 80 Jahren sollte man bei einer Aortendissektion gar nicht mehr operieren“, berichtete Hetzer. „Doch ich habe für dieses Haus von Anfang an die Devise ausgegeben, jeden Patienten aufzunehmen und zu behandeln, egal, wie alt er ist“, so der Ärztliche Direktor des DHZB. „Anderswo lehnen auch renommierte Einrichtungen eine solche Operation bei über 80-Jährigen ab."

Die Operation der Frau verlief erfolgreich. „Ich fühle mich äußerst wohl“, erklärte Buettner. „Und ich bin sehr dankbar, dass ich das alles trotz meiner 84 Jahre noch erlebe. Ich bin sehr dankbar, dass ich leben darf.“

Große Fortschritte im Bereich der Medizintechnik
Hetzer wies auch auf die großen Fortschritte im Bereich er Medizintechnik hin. Im Vergleich zu den anfänglich verwendeten Geräten seien besonders die Herz-unterstützenden Systeme inzwischen deutlich verkleinert worden. Früher habe es kühlschrankgroße Versorgungssysteme gegeben, die nun viel kleiner seien. Zudem würden künstliche Pumpen nicht mehr extern am Körper des Patienten angesetzt werden, so dass Patienten eine höhere Lebensqualität hätten.

Hetzer ist seit 1986 Leiter des DHZB. Bereits 1983 führte er seine erste Herztransplantation in Hannover durch. „Das DHZB aufzubauen, war eine faszinierende Herausforderung“, sagte der Mediziner. „Die Arbeit hat mir immer Spaß gemacht, und noch heute operiere ich sehr gerne.“ Es sei motivierend, „ein Zentrum zu leiten, über das man sagen kann: Wenn gar nichts mehr geht, kannst du die Patienten immer noch dorthin schicken.“ (ag)