90 Prozent der Deutschen fordern Cannabis für Patienten

Sebastian
90 Prozent der Deutschen möchten Patienten Zugang zu Cannabis erleichtern
Zwar wird Cannabis auch in Deutschland schon seit längerem als Arzneimittel verwendet, doch Betroffenen wird es hierzulande wahrlich nicht leicht gemacht. Einer Umfrage zufolge fordert eine große Mehrheit der Deutschen einen leichteren Zugang zu Cannabis für Patienten. 90 Prozent sprachen sich demnach dafür aus.

Marihuana hilft bei verschiedenen Krankheiten
Zwar wird Cannabis auch hierzulande schon seit längerem als Arzneimittel verwendet, doch andere Länder sind in diesem Bereich deutlich weiter. So wurde etwa vor kurzem Cannabis für Krebskranke in Chile legalisiert. In Deutschland wird seit langem heftig darüber gestritten, ob man Hanf freigeben soll. Dessen Wirksamkeit ist unter anderem bei Übelkeit und Erbrechen oder bei Kachexie, einer Erkrankung, bei der es durch starke Abmagerung zu extremen Untergewicht kommt, wissenschaftlich nachgewiesen. Einem Bericht der Nachrichtenagentur dts zufolge würden es die meisten Bundesbürger begrüßen, wenn es Patienten leichter gemacht würde, Marihuana zu bekommen.

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Die Mehrheit der Deutschen ist für die Freigabe von Cannabis, wenn es zu medizinischen Zwecken verwendet wird. (Bild: Mykola Mazuryk-fotolia)

Legaler Erwerb von Marihuana ist für Patienten fast unmöglich
So haben sich in einer repräsentativen Infratest-Umfrage für das Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ 90 Prozent der Befragten für einen leichteren Zugang zu Cannabis für alle Patienten ausgesprochen, sofern dieses hilft, deren Beschwerden zu lindern. Wie das Magazin berichtet, ist es für deutsche Patienten bislang schwierig bis unmöglich, auf legalem Weg an Marihuana heranzukommen. Demnach hat die Bundesopiumstelle bisher bundesweit lediglich 449 Kranken eine Erlaubnis zum Bezug von Medizinalhanf aus der Apotheke erteilt. Zudem hatte das Kölner Verwaltungsgericht im Sommer letzten Jahres ein Urteil gefällt, dass legalen Hanfanbau für Schmerzpatienten ermöglichte.

Deutschland hinkt hinterher und macht sich schuldig
In anderen Ländern ist die Situation deutlich besser. So hätten in Israel über 20.000 und in Kanada mehr als 50.000 Patienten eine Genehmigung, aus medizinischen Gründen Hanf zu erwerben. Den Angaben zufolge machten in den USA mittlerweile Millionen Menschen Gebrauch von „medizinischem Cannabis“, das unter anderem für Krebs– und Schmerzpatienten, für HIV-Kranke und Menschen mit Multipler Sklerose (MS) oder der Darmerkrankung Morbus Crohn hilfreich sein könne. Wie der Hanfmediziner Franjo Grotenhermen im „Spiegel“ erklärte, mache sich Deutschland mit seiner anhaltend strikten Verbotspolitik „einer massenhaften, langjährigen unterlassenen Hilfeleistung“ schuldig.

Verbot von Marihuana als Rauschdroge soll Bestand haben
Die Umfrage zeigte jedoch auch, dass die meisten Bundesbürger am geltenden Verbot von Marihuana als Rauschdroge festhalten wollen. So sprachen sich 59 Prozent der Befragten dafür aus, den Besitz von Cannabis weiterhin strafrechtlich zu verfolgen. In der Altersgruppe der 18- bis 29-Jährigen findet die Freigabe von Cannabis jedoch mit 55 Prozent eine absolute Mehrheit. Die Prohibition hat in puncto Jugendschutz ohnehin wenig gebracht: Deutsche rauchen ihren ersten Joint mit durchschnittlich 16 Jahren. Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation (WHO) berauschen sich weltweit 150 Millionen Menschen mit Haschisch und Marihuana. (ad)