Angst vor dem Hund? Stabilere Psyche kann vor Hundebissen bewahren

Volker Blasek

Die eigene Persönlichkeit beeinflusst, ob ein Hund zubeißt oder nicht

Einer englischen Studie zufolge ist bei ängstlichen Menschen die Wahrscheinlichkeit größer, dass ein Hund zubeißt, als bei Personen mit stabilerer Psyche. Wissenschaftler des Instituts für Epidemiologie der University of Liverpool untersuchten in einer Beobachtungsstudie, mit welcher Häufigkeit Menschen von Hunden gebissen werden und welche Faktoren zu einem Biss führen. Jährlich müssen in Großbritannien mehr als 6.500 Patienten im Krankenhaus behandelt werden, nachdem sie von einem Hund gebissen wurden. Die Forscher vermuten allerdings eine drei mal höhere Dunkelziffer.

Die Wissenschaftler haben 694 Personen aus 385 Haushalten aus Nordengland, wo die Anzahl der Hundebisse am höchsten ist, zu diesem Thema befragt. Neben Informationen darüber, wie viele Personen tatsächlich von Hunden gebissen und wie viele der daraus resultierenden Verletzungen ärztlich behandelt wurden, suchten die Forscher auch nach möglichen Gründen für den Biss. Dabei spielten verschiedene Faktoren eine Rolle, wie beispielsweise, ob die Gebissenen den Hund kannten oder ob es sogar der eigene Hund war. Die Ergebnisse wurden kürzlich in dem Fachmagazin „Journal of Epidemiology and Community Health“ publiziert.

Offenbar kann eine stabile Psyche dazu beitragen, nicht von einem Hund gebissen zu werden. (Bild: Photo-SD/fotolia.com)

Männer werden öfter gebissen als Frauen

Die Umfragen fanden in der ländlichen Stadt Cheshire in England statt. Bei jedem Teilnehmer bestimmten die Forscher auch den Personentyp mit Hilfe eines so genannten Ten Item Personality Inventory (TIPI). Mit diesem Test können bestimmte Aspekte der Persönlichkeit, einschließlich emotionaler Stabilität und Neurotizismus, bestimmt werden. Dadurch ermittelten die Wissenschaftler mögliche Merkmale, die das Risiko, gebissen zu werden, beeinflussen könnten. Jeder vierte Befragte gab an, schon mindestens einmal gebissen worden zu sein. Männer wurden fast doppelt so häufig gebissen wie Frauen.

Hohe Dunkelziffer bei Hundebissen

Menschen, die mehrere Hunde besaßen, wurden mehr als dreimal so oft gebissen wie Personen, die keine Hunde hatten. Allerdings gaben 55 Prozent der Befragten an, von einem Hund gebissen worden zu sein, den sie nicht kannten.

Laut den Krankenhausaufzeichnungen werden von 100.000 Personen 740 von Hunden gebissen. Doch die Umfrage ergab eine Rate von 1873 pro 100.000 Menschen. Das entspricht fast der dreifachen Summe der offiziellen Zahl. Demnach wird nur jeder dritte Hundebiss ärztlich behandelt. Nur ein kleiner Teil von 0,6 Prozent der Gebissenen musste stationär aufgenommen werden.

Ängstliche oder neurotische Menschen werden eher gebissen

Die Auswertung des TIPI-Tests zeigte eine mögliche Verbindung zwischen Persönlichkeitsmerkmalen und dem Risiko, gebissen zu werden. Die Forscher vermuten aufgrund der Testergebnisse, dass das Risiko von einem Hund gebissen zu werden umso höher ist, je ängstlicher und neurotischer ein Individuum ist. Da es sich aber nur um eine Beobachtungsstudie handelt, warnen die Forscher, dass keine eindeutigen allgemeinen Schlussfolgerungen zu diesem Thema möglich sind.

Es gelten die Ergebnisse nur für Haushalte in Nordengland und sind möglicherweise nicht auf andere Gebiete übertragbar. Zusätzlich wurden potentielle Einflussfaktoren wie Geschlecht, Alter und Rasse des beißenden Hundes nicht berücksichtigt.

Trotzdem sind die Ergebnisse aufschlussreich

„Obwohl dies eine kleine Studie war, sind die Ergebnisse aufschlussreich und liefern deutlich verbesserte Indikatoren für die wahre Belastung durch Hundebisse in der öffentlichen Gesundheit“, resümiert die leitende Forscherin Dr. Carri Westgarth, Expertin für Hundeverhalten am Institut für Infektionskrankheiten der Universität von Liverpool, in einer Pressemitteilung zu den Studienergebnissen. Der entdeckte Zusammenhang zwischen der Persönlichkeit des Opfers und dem Risiko, gebissen zu werden, erfordere weitere Untersuchungen und eröffne neue Überlegungen bei der Gestaltung zukünftiger Präventionsprogramme gegen Hundebisse.

Laut Westgarth müssen zuvor angenommene Risikofaktoren neu bewertet werden. So habe bislang zum Beispiel eher die Überzeugung vorgeherrscht, dass die meisten Hundebisse von vertrauten Hunden kommen. (vb)