Kinder- und Frauenärzte warnen vor akutem Hebammenmangel

Fabian Peters
Fehlende Hebammen eine ernstes Problem – Politik muss handeln
In den vergangen Jahren haben die Hebammenverbände vielfach auf die Belastungen ihres Berufsstandes und die fehlenden Nachwuchskräfte hingewiesen. Bei den steigenden Geburtenraten in Deutschland finden Schwangere derzeit immer seltener eine Hebamme, warnen nun auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ) und der Berufsverband der Frauenärzte (BVF) in einer gemeinsamen Pressemitteilung.

Eine Hebamme für die Wochenbettbetreuung zu finden, kann werden Mütter derzeit vor echte Schwierigkeiten stellen. Denn die Geburtenraten steigen, während viele Hebammen die Wochenbettbetreuung eingestellt haben und Nachwuchskräfte Mangelware sind. Doch „Kinder haben ein Recht auf einen gut betreuten Start ins Leben“ und daher muss die „Politik den Hebammenmangel schnellstens bekämpfen“, so die Forderung des BVKJ und des BVF.

Die fehlenden Hebammen sind für Schwangere ein erhebliches Problem, da sie oftmals Schwierigkeiten haben, eine Wochenbettbetreung zu finden, oder sich während der Geburt eine Hebamme mit mehreren Frauen teilen müssen. (Bild: Kzenon/fotolia.com)

Hebammen bieten immer seltener Wochenbettbetreung an
Viele Geburtshelferinnen haben angesichts strapaziöser Schichtdienste mit immer mehr Arbeitsverdichtung, unattraktiver Bezahlung und gestiegener Haftpflichtprämien die Wochenbettbetreuung aufgegeben und bieten nur noch Vorsorge an, berichten die Facharztverbände. Besonders prekär sei die Lage in Großstädten wie Düsseldorf, Hamburg oder Berlin. „Geburtskliniken, die Schwangere abweisen, Frauen, die sich unter der Geburt zu mehreren eine einzige Hebamme teilen müssen: das geht gar nicht“, betont der BVF-Präsident Dr. Christian Albring.

Betreuung durch Hebammen in Kliniken und im Wochenbett erforderlich
Der BVKJ-Präsident Dr. Thomas Fischbach ergänzt, dass „vor allem Erstgebärende viele Fragen rund um die Pflege und Ernährung ihres Neugeborenen“ haben. Diese Beratung werde in Krankenhäuser nicht mehr geleistet, seitdem sie für Geburten nur noch Fallpauschalen bekommen und die Mütter daher immer früher nach Hause schicken. Hier sei die Betreuung durch die Hebamme in Klinik und Wochenbett dringend erforderlich, um den jungen Müttern Sicherheit im Umgang mit ihren Kindern zu vermitteln. Dies wiederum erleichtere Ärzten die Arbeit und erspare dem Gesundheitssystem hohe Folgekosten. „Denn gut informierte Mütter umsorgen ihre Kinder kompetent und helfen damit, dass sie gesund aufwachsen“, so BVF-Präsident Albring.

Bisherige Maßnahmen ohne nachhaltigen Erfolg
„Mutter und Kind haben das Recht auf eine umfassend und kompetent betreute Geburt“, betont Dr. Albring. Zwar habe der Bundesgesundheitsminister Hermann Gröhe bereits im April 2014 versprochen, sich um das Problem der Hebammen zu kümmern, und tatsächlich sei seitdem Einiges passiert. Doch die Maßnahmen wie der Sicherstellungszuschlag, Verbesserungen bei der Vergütung und bei der Haftpflichtabsicherung der Hebammen kontnen das Problem der in Klinik und Wochenbettbetreuung fehlenden Hebammen nicht nachhaltig beheben, so die Mitteilung des BVKJ und des BVF.

Selbst bei Geburtsvorbereitungen herrscht Mangel
Beispielsweise ermögliche es der 2014 eingeführte „Sicherstellungszuschlag“ Hebammen, bis zu Dreiviertel der Versicherungsprämie erstattet zu bekommen, allerdings habe sich dieser in der Praxis wegen des hohen bürokratischen Aufwands als nicht hilfreich erwiesen, um mehr Hebammen in der Geburtshilfe zu halten. Viele Hebammen würden diesen Aufwand scheuen und nur noch Geburtsvorbereitung und seltener Geburtsnachbetreuung anbieten. Und selbst bei der Geburtsvorbereitung herrsche Mangel. Häufig hätten Frauen Schwierigkeiten, eine solche Betreuung zu finden.

Forderungen an die Politik
Ein entscheidender Kritikpunkt der Facharztverbände ist des Weiteren, dass „bis heute keine Lösung für das Haftpflichtversicherungsproblem der geburtshilflich, belegärztlich tätigen Frauenärzte gefunden“ wurde. Die hohen Prämien stellen hier eine erhebliche Belastung dar. Die Berufsverbände der Kinder- und Jugendärzte und Frauenärzte haben daher „zum Wohl der uns anvertrauten Kinder“ folgenden Forderungen formuliert:

  • Einen staatlichen Fonds, der anstelle der Hebammen und Frauenärzte geschädigte Kinder und Mütter absichert (anstatt der Berufshaftpflichtversicherung, wie in Skandinavien)
  • Eine bessere Vergütung für die Arbeit die Hebammen
  • Eine 1:1-Betreuung unter der Geburt, statt Parallelbetreuungen von bis zu drei Frauen unter der Geburt. Denn gut betreute Gebärende brauchen weniger Schmerzmittel, es treten weniger Komplikationen auf Seiten des Kindes auf und damit werden auch seltener operative Entbindungen erforderlich

Die Politik müsse hier schnellstens Abhilfe schaffen und den Hebammenmangel energisch bekämpfen, so das Fazit des BVKJ und des BVF. (fp)