Natürlicherweise den Harnsäurespiegel absenken: Täglich Orangensaft kann Gicht-Risiko reduzieren

Fabian Peters

Harnsäurespiegel wird durch ein Glas Orangensaft zu den Mahlzeiten gesenkt

Fruchtsäfte sind in den letzten Jahren ein wenig in Verruf geraten, da der hohe Anteil an natürlichem Fruchtzucker zum Beispiel in Zusammenhang mit der Entwicklung von Übergewicht und Gicht gebracht wurde. Eine aktuelle Humanstudien der Universitäten Hohenheim und Kiel hat dies nun in Bezug auf Orangensaft untersucht und dabei stattgesundheitlichen Nachteilen vor allem einen Vorteil nachgewiesen: Ein Glas Orangensaft zu den Mahlzeiten senkt das Gicht-Risiko signifikant.


Zuckerhaltige Getränke gelten allgemein als Mitverursacher von Gicht und Übergewicht. Nicht nur Softdrinks und Limonaden, sondern auch Fruchtsäfte wurden hier in den letzten Jahren zunehmend als Risikofaktor bewertet. Die Wissenschaftler der Universitäten Kiel und Hohenheim konnten in den beiden aktuellen Studien allerdings keine erhöhte Gewichtszunahme bei dem Konsum von einem Glas Orangensaft zu den Mahlzeiten feststellen. Das Gicht-Risiko ist zudem gesunken, anstatt zu steigen. Ein Glas Fruchtsaft pro Tag sei zu empfehlen, da dieser von Natur aus nicht nur Zucker, sondern auch Vitamine, Polyphenole, Mineral- und Ballaststoffe enthalte und somit eine wertvolle Ergänzung der Ernährung darstelle, betonen die Wissenschaftler.

Ein Glas Orangensaft zu den Mahlzeiten senkt signifikant das Gicht Risiko. (Bild: cut/fotolia.com)

Fruchtsäfte mit zunehmend schlechtem Ruf

Lange galten Fruchtsäfte als besonders gesund, doch in den letzten Jahren wurden sie zunehmend kritisch bewertet. Beispielsweise bieten viele Eltern ihren Kindern Fruchtsäfte aufgrund des hohen Zuckergehaltes nur noch mit Wasser verdünnt an. Aus manchen Kindergärten und Grundschulen wurden die Säfte sogar gänzlich verbannt. „Bei einigen Ernährungswissenschaftlern gelten sie als ebenso ungesund wie Cola-Getränke“, berichtet die Christian-Albrechts-Universität zu Kiel in einer Pressemitteilung zu den aktuellen Studien.

Orangensaft- und Softdrink-Konsum untersucht

Professor Reinhold Carle von der Universität Hohenheim und Professorin Anja Bosy-Westphal von der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel haben in zwei Humanstudien die Wirkung von Organsaft an 26 jungen, gesunden Probandinnen und Probanden untersucht. Zum Vergleich mussten die Teilnehmenden 20 Prozent ihres täglichen Energiebedarfs über zwei Wochen entweder mit koffeinfreier Cola oder mit Orangensaft decken. „Bei dem Saft waren das bei den meisten Probanden rund 1,2 Liter, bei Cola etwa ein Liter täglich“, so Prof. Carle. Im Sinne einer sogenannten Cross-over-Studie folgte für die Teilnehmenden nach den ersten 14 Tagen eine Auswaschungsphase von einer Woche und anschließend stiegen die Orangensaft-Trinker auf Cola um bzw. die Cola-Trinker auf Orangensaft um.

Harnsäurespiegel signifikant gesenkt

Zunächst widmeten sich die Forscher in der ersten Studie der Frage, wie Cola bzw. Orangensaft die Harnsäure beeinflusst. Ein hoher Harnsäurespiegel werde für das zunehmende Auftreten von Gichterkrankungen in den Industrienationen verantwortlich gemacht, so die Mitteilung der Universität Kiel. „Auch bei diesem sehr hohen Konsum führte Orangensaft im Unterschied zu Cola zu keiner Beeinträchtigung des Glukosestoffwechsels, und der Harnsäurespiegel wurde sogar signifikant gesenkt“, betont Prof. Bosy-Westphal. Die Reduktion des Harnsäurespiegels sei bei höheren Ausgangsspiegeln am deutlichsten ausgefallen.

Positive Wirkung von Vitamin C und Flavonoiden

Laut Aussage der Ernährungsmedizinerin kommen als Erklärung „für den Harnsäure-senkenden Effekt des Orangensaftes sowohl die Vitamin C-Aufnahme durch den Saft als auch dessen Gehalt an Flavonoiden, insbesondere Hesperidin, in Betracht.“ Das Vitamin C fördere die Ausscheidung von Harnsäure, was zur Prävention erhöhter Harnsäurespiegel (Hyperurikämie) beitragen könne. Der gleiche Effekt sei auch für Hesperidin im Tierversuch bereits nachgewiesen. „Wenn die Auskristallisation der Harnsäure in Gelenken und Geweben gehemmt ist, kann das wiederum der Entstehung von Gicht vorbeugen“, betont Bosy-Westphal. Daher könne der regelmäßige Verzehr von Orangensaft das Gicht-Risiko senken.

Auswirkungen auf das Körperfett

In der zweiten Studie untersuchten die Forschern den Effekt des Orangensafts auf die Bildung von Körperfett. Hierfür mussten die Probanden ebenfalls 20 Prozent ihres täglichen Energiebedarfs über Orangensaft decken. Allerdings war zunächst zwei Wochen lang vorgegeben, dass sie dreimal täglich 400 Milliliter Orangensaft zu den Tagesmahlzeiten zu sich sich nahmen. Anschließend konsumierten sie für den gleichen Zeitraum den Saft zwischen den Mahlzeiten. Während bei einem Konsum zwischen den Mahlzeiten ein leichter Anstieg des Körperfetts festzustellen war, konnten die Forscher keinen solchen Effekt bei Aufnahme zu den Mahlzeiten beobachten.

Entgegen vielfacher Annahmen ist selbst bei relativ hohem Orangensaft-Konsum keine Zunahme des Körperfetts festzustellen, solange der Saft zu den Mahlzeiten getrunken wird. (Bild: yahyaikiz/fotolia.com)

Konsum zu den Mahlzeiten unbedenklich

„Wir konnten zeigen, dass auch dieser sehr hohe Konsum keine negativen Auswirkungen auf das Körpergewicht hatte – wenn der Saft nicht zwischendurch, sondern zum Frühstück, Mittag- und Abendessen getrunken wurde“, so Prof. Bosy-Westphal. Zum Essen getrunken verringere der Saft die spontane Energieaufnahme mit der Mahlzeit entsprechend und passe sie an. Fruchtsaft könne daher in der üblichen Verzehrmenge nicht nur bedenkenlos konsumiert, sondern als wertvolle Ergänzung zu einer Mahlzeit betrachtet werden, betonen die Experten.

Orangensaft-Konsum in Deutschland relativ gering

„Orangensaft ist eine wertvolle Quelle für Kalium, Folsäure und Vitamin C. Er enthält bioaktive Stoffe wie Carotinoide und Polyphenole mit guter Bioverfügbarkeit“, erläutert Prof. Carle. Zwar sei der literweise Fruchtsaft-Konsum gegen den Durst nicht zu empfehlen, doch dies sei ohnehin keine gängige Praxis. Der jährliche Pro-Kopf-Konsum an Orangensaft liege in Deutschland bei rund 7,5 Litern, berichtet Carle. Auf der anderen Seite konsumieren wir pro Jahr durchschnittlich circa 75 Liter Limonade – das Zehnfache. Fruchtsäfte würden im Wesentlichen nicht als Durstlöscher zwischendurch genutzt – im Unterschied zu zuckergesüßten Erfrischungsgetränken, die Jugendliche und insbesondere junge Männer täglich in Mengen bis zu einem halben Liter zu sich nehmen.

Fruchtsaft durchaus empfehlenswert

Der Fruchtsaft könnte laut Aussage der Forscher auch einen Beitrag zu dem empfohlenen täglichen Obst-Verzehr leisten. Hier rate die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE), täglich 250 Gramm Obst zu verzehren, was rund 43 Prozent der Deutschen jedoch unterschreiten. Würde der Fruchtsaftverzehr von den DGE-Empfehlungen ausgenommen, lägen sogar 59 Prozent unter den empfohlenen Werten, erläutern die Experten. Ein Glas Fruchtsaft zum Beispiel zum Frühstück könne eine Portion Obst und Gemüse am Tag ersetzen. Zudem habe schon eine Studie aus dem Jahr 2015 an der Universität Hohenheim gezeigt, dass der menschliche Körper die wertvollen Inhaltsstoffe der Orange viel besser aus dem Orangensaft aufnimmt als aus der Frucht, so Prof. Carle. Ein Verzicht auf die Fruchtsäfte sei daher nicht sinnvoll. (fp,pm)