Quecksilber-Verwendung eindämmen: Kein Amalgam für Schwangere und Kinder

Alfred Domke

Amalgam bei Kindern und Schwangeren nur noch in absoluten Ausnahmefällen

In den vergangenen Jahrzehnten wurden bei Millionen Menschen in Europa Löcher in den Zähnen mit dem quecksilberhaltigen Stoff Amalgam gefüllt. Eine neue EU-Regelung sieht nun jedoch vor, dass Zahnärzte dieses Material bei Kindern und Schwangeren nur noch in absoluten Ausnahmefällen einsetzen sollen.


Zahnfüllungen mit Amalgam

Jahrzehntelang wurden Löcher in den Zähnen mit Amalgam gefüllt. Doch dann gab es Hinweise darauf, dass dieses Material der Gesundheit schaden kann. Seitdem fragen sich Patienten, was sie mit ihren Zahnfüllungen aus Amalgam tun sollen. Manchmal wird angeraten – vor allem bei einer bekannten Amalgam-Allergie – die Füllung ersetzen zu lassen. Allerdings gibt es auch Fachleute, die meinen sie können im Mund bleiben, da es wissenschaftlich nicht eindeutig belegt ist, ob, beziehungsweise wie stark dieses Material die Gesundheit belastet. Der Einsatz von Amalgam wird aber künftig reduziert werden.

Zahnfüllungen mit Amalgam sollen wegen des giftigen Quecksilbers deutlich zurückgedrängt werden. Künftig sollen Zahnärzte das Material bei Kindern und Schwangeren nur noch in Ausnahmefällen einsetzen. (Bild: sivivolk/fotolia.com)

Nur noch in absoluten Ausnahmefällen

Laut einer Meldung der Nachrichtenagentur dpa sieht eine EU-Regelung vor, dass Zahnärzte den quecksilberhaltigen Füllstoff Amalgam bei Kindern und Schwangeren vom 1. Juli an nur noch in absoluten Ausnahmen einsetzen sollen.

Wie die Kassenzahnärztliche Bundesvereinigung (KZBV) im Vorfeld erklärte, sei die Folge, dass bei gesetzlich Versicherten unter 15 Jahren sowie bei schwangeren und stillenden Frauen regelmäßig ein alternatives Füllmaterial gewählt werden müsse.

„Der Versicherte muss sich dabei immer auch für eine zuzahlungsfreie Versorgung entscheiden können“, heißt es in der Agenturmeldung.

Den Angaben zufolge könne statt Amalgam im Bereich der Seitenzähne beispielsweise eine Kunststofffüllung zum Einsatz kommen, wie sie bislang etwa bei Amalgam-Allergikern verwendet wurde.

Es sei eine bestehende Sonderregelung für Amalgam-Allergiker erweitert und eine neue Abrechnungsziffer geschaffen worden. Künftig müsse der Zahnarzt von Fall zu Fall prüfen, welches Material er verwenden kann.

Experten zufolge ist der Einsatz von Amalgam in Deutschland ohnehin seit Jahren rückläufig, vor allem weil Patienten zahnfarbene Füllungen statt metallischen Amalgam-Füllungen bevorzugen.

Quecksilber-Nutzung eindämmen

Die Bundeszahnärztekammer schrieb in einem Positionspapier von 2017, dass die neuen EU-Regelungen in weiten Teilen der in Deutschland gültigen Rechtslage entsprächen.

Allerdings gibt es keine Daten dazu, wie oft Amalgam tatsächlich noch verwendet wird. Schätzungen der KZBV zufolge haben Amalgamfüllungen einen Anteil von etwa 30 Prozent am Gesamtbestand aller vorhandenen Füllungen.

Laut dpa verfolgt die EU das Ziel, die Quecksilber-Nutzung einzudämmen. Amalgam-Füllungen für Patienten würden zwar für ungefährlich gehalten, doch Kritiker verweisen insbesondere auf Gesundheitsrisiken bei der Verarbeitung, der Entsorgung und bei der Verbrennung von Verstorbenen in Krematorien.

Quecksilber kann über die Atmosphäre in die Nahrungskette kommen und sich letztlich im Körper anreichern.

Gesundheitsgefahren durch Quecksilber

Bei Erwachsenen können Vergiftungen mit Quecksilber unter anderem zu Nieren-, Leber- und Nervenschäden führen.

Doch es drohen noch mehr mögliche Gesundheitsgefahren durch das Schwermetall.

Es steht im Verdacht, die Risiken für Herzinfarkt und Alzheimer zu erhöhen. Auch ein erhöhtes Krebsrisiko durch Quecksilber wird angenommen.

Quecksilber gehört zu den zehn gefährlichsten Umweltgiften, die im Giftreport der Schweizer Umweltorganisation Green Cross und der Organisation Pure Earth aus New York aufgelistet werden.

„Zur Eindämmung der Emissionen des Schwermetalls Quecksilber unterzeichneten 140 Staaten im Oktober 2013 das Minamata-Übereinkommen (Quecksilber-Konvention)“, heißt es in einer Mitteilung. (ad)