Stiftung Warentest: Billige Olivenöle vom Discounter schneiden sehr gut ab

Alfred Domke
Mineralölrückstände und ranziger Geschmack: Viele Olivenöle sind mangelhaft
Vor einem Jahr wurde in einer Untersuchung der Stiftung Warentest jedes zweite Olivenöl als mangelhaft eingestuft. Ein neuer Test fiel nicht wesentlich besser aus. Noch immer ist es schwierig, gute Produkte zu finden. Am besten schnitten günstige Olivenöle vom Discounter ab.

Kein einziges Olivenöl als „gut“ bewertet
Nachdem vor einem Jahr bei einem Test von 26 oft hochpreisigen Olivenölen der Güteklasse „nativ extra“ jedes zweite Produkt durchfiel, hatte sich die Stiftung Warentest nun Olivenölmischungen aus dem Supermarkt und vom Discounter vorgenommen. „Von 24 Olivenölen – darunter bekannte Anbieter wie Bertolli und Carapelli sowie Eigenmarken von Aldi, Lidl & Co – schneidet keins gut ab, 10 sind mangelhaft“, schreiben die Tester auf ihrer Webseite.

Es ist schwierig, im Supermarkt gute Olivenöle zu finden. Viele Produkte sind mit Schadstoffen belastet und schmecken nur mittlelmäßig. Die Stiftung Warentest vergab in einer aktuellen Untersuchung oft nur ein „mangelhaft“. (Bild: Syda Productions/fotolia.com)

Mittelmäßiger oder gar ranziger Geschmack
Im Supermarkt ist fast ausschließlich Olivenöl der höchsten Güteklasse zu finden. Sie heißt „nativ extra“ – oder „extra vergine“, wie die Italiener sagen. Im aktuellen Test waren nur native Olivenöle extra vertreten. Die EU-Olivenölverordnung stellt an Öle dieser Kategorie viele Ansprüche. Unter anderem müssen sie sensorisch fehlerfrei sein.

Doch die „viel verkauften Olivenöle von Discountern und Supermärkten riechen und schmecken meist nur mittelmäßig oder sogar fehlerhaft. Zehn Öle schmecken sogar ranzig, stichig oder alt, das ist mangelhaft. Die Öle dürften nicht als „nativ extra“ verkauft werden“, berichten die Experten in einer Pressemitteilung.

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Discounter-Produkte schneiden am besten ab
Neben den zehn als „mangelhaft“ bewerteten Produkten wurden neun als „befriedigend“ und fünf als „ausreichend“ beurteilt. „gut“ war keines der Öle. Die getesteten Mischöle, die aus Olivenölen aus verschiedenen Herkunftsländern zusammengemischt werden, kosteten von 5,05 bis 14,70 Euro pro Liter.

„Eine Delikatesse ist keines der Öle. Für den täglichen Gebrauch eignen sich einige aber durchaus. Am besten schneiden drei Discounter-Produkte ab: „Gut Bio“ von Aldi (Nord), „Primadonna“ von Lidl und „Vegola“ von Netto MarkenDiscount. Sie schmecken insgesamt ausgewogen und kosten gerade einmal fünf bis sechs Euro pro Liter“, erklärte test-Chefredakteurin Anita Stocker.

Für kleines Geld darf aber niemand sensorische Spitzenqualität erwarten. Unter den mangelhaften Produkten waren auch etliche Discounter-Produkte.

Schadstoffgehalte in den Ölen sind ein Problem
Dr. Holger Brackemann (Bereichsleiter Untersuchungen) sagte: „Die gute Nachricht ist, dass viele der Öle, die wir in der sensorischen Qualität mit Befriedigend bewertet haben, den Erwartungen vieler Verbraucher durchaus entsprechen dürften. Sie schmecken ausgewogen, mittelfruchtig und nur leicht bitter und scharf.“

Die Schadstoffgehalte in den Ölen sind laut dem Experten aber immer noch ein Problem. Fast jedes zweite Öl ist deutlich mit gesättigten Mineralöl-Kohlenwasserstoffen, Mosh genannt, belastet. Diese können sich im Körper anreichern.

Auch aromatische Mineralöl-Kohlenwasserstoffe, Moah, wurden festgestellt. Diese gelten als potenziell krebserregend. Ein Olivenöl war mit DEHP belastet, einem Weichmacher, der die Fortpflanzungsfähigkeit beeinträchtigen kann und der seit 2007 für Materialien verboten ist, die mit Speiseöl in Kontakt kommen.

Auf Rapsöl umsteigen
Zwar geht von keinem der geprüften Olivenöle eine akute gesundheitliche Gefahr aus, doch die Belastungen sind vermeidbar.

Wer trotzdem auf andere Sorten ausweichen will, für den kann unter anderem gesundes Rapsöl eine Alternative sein. Dieses kann die Cholesterin- und Leberwerte stärker verbessern als Olivenöl, wie sich in einer Untersuchung zeigte. (ad)

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