Ultraschall kann schädliches Röntgen bei Knochenbruch-Diagnosen häufig ersetzen

Alfred Domke

Knochenbrüche ohne Strahlen diagnostizieren: Ultraschall kann das Röntgen häufig ersetzen

Besteht der Verdacht auf einen Knochenbruch sind Röntgenverfahren bislang oft das erste Mittel der Wahl. Doch die Gesundheitsgefahren dieser Untersuchungen sind nicht zu unterschätzen. Vor allem Kinder reagieren auf Strahlenbelastungen sehr empfindlich, da ihr Körper noch im Wachstum ist. Eine neue Studie zeigt nun, dass die strahlenfreie Ultraschalldiagnostik das Röntgen oft ersetzen kann.

Schonende Ultraschalldiagnostik bietet oft gleichwertige Ergebnisse

Bei einem Verdacht auf einen Knochenbruch sind Röntgenverfahren bislang häufig das erste Mittel der Wahl. Doch wie eine aktuelle Metaanalyse, in der Daten aus den vergangenen zehn Jahren ausgewertet wurden, bestätigt, bietet die strahlenfreie, schonende Ultraschalldiagnostik in vielen Fällen gleichwertige Ergebnisse. Experten der Deutschen Gesellschaft für Ultraschall in der Medizin e.V. (DEGUM) empfehlen deshalb, Brüche – wann immer es möglich und erfolgversprechend ist – per Ultraschall zu diagnostizieren.

Zwar sind Röntgenaufnahmen beim Verdacht auf einen Knochenbruch bislang meist das erste Mittel der Wahl, doch laut einer neuen Studie bietet die strahlenfreie, schonende Ultraschalldiagnostik in vielen Fällen gleichwertige Ergebnisse. (Bild: Africa Studio/fotolia.com)

Kinder reagieren auf Röntgenbelastung deutlich empfindlicher

Vor allem für Kinder wurde in den letzten Jahren immer wieder empfohlen, besser auf Ultraschall und MRT statt Röntgen und CT zu setzen.

Gerade bei kindlichen Brüchen sei die Sonografie empfehlenswert, denn diese Altersgruppe reagiere etwa zehnmal empfindlicher auf Röntgenbelastung als Erwachsene.

„Bei kindlichen Handgelenksbrüchen ist es sinnvoll, den Ultraschall routinemäßig anzuwenden. So lässt sich – bei gleicher Treffsicherheit – 80 Prozent der Röntgenbelastung einsparen“, erläutert Privatdozent Dr. med. Ole Ackermann, Oberarzt der Abteilung Unfallchirurgie und Orthopädie am Evangelischen Krankenhaus Mettmann, in einer Mitteilung der DEGUM.

Sonografie sollte das Mittel der ersten Wahl sein

Auch wenn bei den kleinen Patienten ein Verdacht auf einen Ellenbogen- oder auf einen Oberarmbruch besteht, sollte die Sonografie das Mittel der ersten Wahl sein.

Rippen- und Brustbeinbrüche sowie Brüche der Beinextremitäten, wie des Oberschenkelknochens und des Schienen- sowie des Wadenbeins, sollten sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen ebenfalls großzügig sonografisch diagnostiziert werden.

Die aktuelle im „Deutschen Ärzteblatt“ veröffentlichte Metaanalyse „Diagnostik bei Frakturverdacht – Ultraschall im Vergleich zu konventioneller Bildgebung“ zeigt, dass die erwähnten Brüche mittels Ultraschall ebenso sicher erkannt werden können wie mit dem Röntgenverfahren.

Sichere Alternative zum Röntgen bei Kindern

Die Ultraschalldiagnostik hat gegenüber dem Röntgenverfahren viele Vorteile: „Die Diagnose per Ultraschall ist strahlenfrei und somit viel schonender für den Patienten“, sagt Ackermann, der Mitglied im DEGUM-Arbeitskreis Bewegungsorgane ist.

Dr. Bernd Schweiger vom Universitätsklinikum Essen sieht das ähnlich. In einer Mitteilung der Deutschen Röntgengesellschaft (DRG) zum Thema „Ultraschall bei Knochenbruch – eine sichere Alternative zum Röntgen bei Kindern“ erklärt der Mediziner:

„Durch den sinnvollen Einsatz des Ultraschalls lässt sich neben einer deutlichen Beschleunigung der diagnostischen Untersuchung auch eine signifikante Senkung der medizinisch verursachten Strahlenbelastung bei Kindern erreichen.“

Kostensparendes Verfahren

Darüber hinaus könne das Verfahren laut DEGUM kostensparend durchgeführt werden. Ein weiterer Vorteil gegenüber der Röntgendiagnostik ist, dass Ultraschallgeräte häufig besser verfügbar sind – nicht nur in Notaufnahmen, sondern auch in vielen Praxen.

Dies setzt jedoch das entsprechende Know-how sowohl beim „Schallen“ selbst als auch bei der Interpretation der Befunde voraus.

Obwohl Ärzte sich die erforderlichen Fähigkeiten gut aneignen können, werden Patienten mit Verdacht auf Knochenbruch immer noch viel zu häufig Röntgenstrahlen ausgesetzt.

Der Grund: „Die Krankenkassen vergüten Ultraschalluntersuchungen bei Knochenbrüchen bisher nicht kostendeckend“, bemängelt Ackermann. „Das muss sich im Interesse der Patienten dringend ändern.“ (ad)