Wissenschaftler: Ohne Geruchssinn kann trotz fettreicher Ernährung ein Gewichtsverlust erreicht werden

Alexander Stindt
Der Geruchssinn scheint massive Auswirkungen auf das Gewicht zu haben
Viele Mahlzeiten schmecken nicht nur gut, sondern sie riechen auch hervorragend. Wären Sie bereit Ihren Geruchssinn komplett aufzugeben, wenn Sie dadurch abnehmen würden? Forscher fanden jetzt heraus, dass Mäuse, die ihren Geruchssinn verloren haben, dadurch an Gewicht abnehmen. Dieser Effekt tritt auch auf, wenn die Tiere eine fettreiche Ernährung zu sich nahmen, welche normalerweise zu einer Gewichtszunahme führt.

Die Wissenschaftler der University of California, Berkeley und des Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns in Köln stellten bei ihrer Untersuchung fest, dass Mäuse ohne Geruchssinn abnehmen, auch wenn sie eigentlich eine fettreiche Ernährung zu sich nahmen. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Cell Metabolism“.

Wird es in Zukunft möglich sein, durch eine Manipulation von Nerven in der Nase einfach und effektiv abzunehmen? Forschern gelang es jetzt diesen Effekt bei Mäusen zu erzielen. (Bild: olly- fotolia)

Mäuse ohne Geruchssinn nahmen während der Studie etwa 16 Prozent des Körperfetts ab
Bei einer Gruppe von Mäusen wurden für die Untersuchung die sogenannten olfaktorischen Neuronen genetisch verändert. So wurde den Tieren der Geruchssinn genommen, erklären die Forscher. Eine zweite Analyse untersuchte Mäuse, welche einen verbesserten Geruchssinn hatten, bericchten die Experten. Die Tiere mit dem geschärften Geruchssinn nahmen während der Studie stärker zu. Die Mäuse ohne Geruchssinn verloren dagegen etwa 16 Prozent ihres Körpergewichts, obwohl sie die gleiche fettreiche Nahrung zu sich nahmen. Es wurde vor allem Gewicht in der Form von Körperfett abgebaut, fügen die Mediziner hinzu.

Manipulation des Geruchssinnes verändert Regelung der Energiebilanz durch das Gehirn
Forscher vermuteten vor der aktuellen Studie, dass Mäuse ohne Geruchssinn einfach weniger essen. Die Tiere in dem Versuch nahmen aber weiter die gleiche Menge von Kalorien zu sich, wie die Tiere mit einem verbesserten Geruchssinn. Dies ist die erste Untersuchung, welche festgestellt hat, dass die Manipulation des Geruchssinnes tatsächlich verändert, wie das Gehirn die Energiebilanz wahrnimmt und wie das Gehirn diese Energiebilanz regelt, erläutert die Autorin Céline Riera von der University of California, Berkeley.

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Versuchstiere verbrannten mehr braunes Fett
Es gab Unterschiede bei der Verstoffwechselung der Nährstoffe, sagen die Forscher. Wenn die Mäuse keinen Geruchssinn hatten, verbrannten die Tiere vor allem braunes Fett. Zusätzlich konnte von den Medizinern festgestellt werden, dass die betroffenen Tiere das weiße Fett des Körpers in braunes Fett umwandelten. Die Erkenntnisse der Untersuchung führen jetzt zu der Frage, ob die gleichen Ergebnisse auch bei Menschen erzielt werden können.

Fehlender Geruchssinn führte bei Tieren zu erhöhten Adrenalin-Werten
Tiere ohne Geruchssinn wiesen außerdem eine erhöhte Konzentration von Adrenalin in ihrem Blut auf, erläutern die Experten. Erhöhte Adrenalin-Werte aktivieren die Verbrennung von Fett im Körper. Die manipulierten olfaktorischen Nerven seien ausschließlich in der Nase vorhanden und vielleicht könne eine nicht-invasive Methode die Nase von Patienten für mehrere Monate „verstopfen“ und so zu einer Gewichtsreduktion führen, mutmaßen die Autoren der Untersuchung.

Manipulation der Nase könnte Patienten mit Fettleibigkeit und Übergewicht helfen
Sensorische Systeme spielen eine große Rolle im Stoffwechsel. Eine Gewichtszunahme ist nicht nur ein Maß für die aufgenommen Kalorien. Der Geruchssinn beeinflusse auch, wie diese Kalorien wahrgenommen werden, erklärt Autor Andrew Dillin von der University of California, Berkeley. Die Forscher hoffen, dass die zukünftige Arbeit in diesem Bereich eines Tages Patienten helfen wird, die krankhaft fettleibig oder übergewichtig sind. Menschen mit gesundheitlichen Problemen wie Diabetes könnten ebenfalls von der Ergebnissen profitieren, erläutert der Experte.

Ergebnisse könnten in Zukunft zu neuen Behandlungsmöglichkeiten führen
Die Erkenntnisse könnten neue Behandlungsmöglichkeiten für übergewichtige Patienten eröffnen, welche beispielsweise bereits über eine Magenverkleinerung nachgedacht haben, sagen die Wissenschaftler. Bei dieser kleinen Gruppe von Menschen könnte das Auslöschen des Geruchssinnes für einen Zeitraum von sechs Monaten bewirken, dass sie einfach und effektiv abnehmen. „Wir hoffen irgendwann eine Möglichkeit zu finden, um die festgestellten Ergebnisse auch bei Menschen zu reproduzieren. So könnte der Stoffwechsel der Betroffenen von Fettablagerung auf Fettverbrennung umgestellt werden“, betont Riera hinzu. (as)