Ab 2025 keine Landärzte mehr in Deutschland?

Astrid Goldmayer

Wird es in Deutschland ab dem Jahr 2025 keine Landärzte mehr geben?

19.04.2012

Bereits in 15 Jahren soll in den ländlichen Regionen Deutschlands ein gravierender Ärztemangel herrschen. Ein Großteil der derzeit praktizierenden Landärzte wird dann im Ruhestand sein. Für neue junge Ärzte sind die ländlichen Gebiete wenig attraktiv, nicht zuletzt aufgrund der dramatischen Landflucht der Bevölkerung in vielen Regionen. Das jedenfalls behauptet das Fritz Beske Institut für Gesundheitssystem-Forschung in Kiel und beruft sich dabei auf eigene Auswertungen.

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Bedarf an ärztlicher Versorgung wird zunehmen
Den Hausarzt in Wohnortnähe wird es wohl zukünftig auf dem Land nicht mehr geben. Das ergab eine Analyse der medizinischen und pflegerischen Versorgung Schleswig-Holsteins des Fritz Beske Instituts für Gesundheits-System-Forschung in Kiel (IGSF). Der Bedarf an hausärztlicher Versorgung werde jedoch gleichzeitig zunehmen, heißt es in dem Bericht. Die dramatische Landflucht sowie die Bevölkerungsabnahme nach 2025 im nördlichsten Bundesland könne dazu führen, dass eine Niederlassung in einigen ländlichen Gebieten für Ärzte wirtschaftlich riskant sei. Es sei demnach zu erwarten, dass durch den Rückgang der Gesamtbevölkerungszahl Schleswig-Holsteins auch die Arztpraxen leerer würden. Dennoch wird erwartet, dass der Bedarf an ärztlicher Versorgung nicht geringer wird. Die Fachleute der 20 Verbände von Ärzten, Heilberufen, Kassen, Kommunen und Patienten, die an der Analyse mitgearbeitet haben, ermittelten, dass die Bevölkerung bis dahin konstant bei 2,8 Millionen bleibe.

Zukunftsfähiges Modell für ärztliche Versorgung vorgeschlagen
Laut Analyse würden 576 der insgesamt 1929 Hausärzte, die die Bevölkerung derzeit versorgen, kurz vor dem Ruhestand stehen. 67 Prozent von ihnen seien bereits über 50 Jahre alt. In Schleswig-Holstein bedeutet das für die kommenden zwölf Jahre, dass 1000 neue Ärzte für die Hausarztpraxen gesucht werden, berichten die Autoren. Das IGSF rät dringend dazu, den Kommunen größeren Handlungs- und Entscheidungsspielraum bei der Bedarfsplanung einzuräumen. Diese sollen dann in Zusammenarbeit mit den Nachbarkommunen, der Kassenärztlichen Vereinigung und Ärztenetzen geeignete Standorte für sogenannte Schwerpunktpraxen ermitteln. Die Schwerpunktpraxen werden dann ganzjährig 24 Stunden lang geöffnet sein. Haus- und fachärztliche Versorgung soll unter einem Dach anboten werden. Zudem empfiehlt das IGSF, dass auch die ambulante Pflege und Rehabilitation sowie dazugehörige Berater dort angesiedelt sein sollten.

Mit Ärzte- und Apothekerbussen dem Versorgungsmangel entgegen wirken
Der Bericht enthält darüber hinaus einen Vorschlag zur Stärkung der Kompetenzen der Gremien von Kommunen, damit diese besser in die Versorgungswirklichkeit eingreifen können. So könne ein Fallmanager die Patienten betreuen und sie durch das Gesundheitssystem leiten.

Wenn selbst die Entfernung zur Schwerpunktpraxis zu groß ist, könnten Ärzte- und Apothekerbusse auf dem Land eingesetzt werden. Ein derartiges Pilotprojekt soll möglicherweise im Landkreis Dithmarschen beginnen. Ärzte geben jedoch zu bedenken, dass dadurch die Arzt-Patienten-Beziehung gefährdet wird und der Arzt zudem viel Zeit mit dem Hin- und Herfahren vergeudet, in der Patienten behandelt werden könnten.

Ärztemangel in Thüringen
Im Bundesland Thüringen fehlen bereits jetzt mehr Ärzte, als bisher angenommen. Nach einer Auswertung der der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) im Jahr 2011 fehlen in Thüringen 234 Hausärzte und 47 Fachärzte. Zwar nehmen die Bevölkerungszahlen seit Jahren ab, dafür wächst der Anteil der Rentnerinnen und Rentner jedoch stetig. In erster Linie werden Fachmediziner aus den Bereichen Haut-, Nerven-, Augen- sowie Hals-Nasen-Ohren (HNO) gesucht. Im November 2010 errechnete die Ärztevereinigung einen zusätzlichen Bedarf von insgesamt 136 Ärzten. Die korrigierten Zahlen kommen zustande, da ein neues Verfahren zur Erhebungen des Ärztebedarfs angewendet wurde. Dieses Berechnungsverfahren berücksichtigt auch die Altersverteilung sowie den Krankenstand der Bevölkerung. Nun fließen diese Daten in die Bedarfsanalyse mit ein, erklärte ein Sprecher der KV. (ag)