Abnehmen: Low Fat oder Low Carb – Welche Diät funktioniert in der Realität?

Alfred Domke

Wissenschaftlicher Vergleich: Low Fat und Low Carb schneiden gleich gut ab

Wer sich zu dick fühlt, versucht es oft mit den verschiedensten Methoden, überflüssige Pfunde los zu werden. Manche setzen auf besonders viel Sport, andere auf eine genau einzuhaltende Diät. Besonders verbreitet ist, möglichst auf Fett oder auf Kohlenhydrate zu verzichten. Doch was funktioniert besser: Low Carb oder Low Fat? Mit dieser Frage haben sich nun Forscher aus den USA beschäftigt.


Wie kann man erfolgreich abnehmen?

Um schneller schlank zu werden, setzen viele Menschen oft auf Ernährungsprogramme, die beispielsweise auf wenig Fett oder wenig Kohlenhydrate setzen. Doch welche Abnehm-Methoden sind wirklich sinnvoll? In wissenschaftlichen Untersuchungen hat sich immer wieder gezeigt, dass Low-Carb besser abschneidet als Low-Fat. Eine aktuelle Studie aus den USA bestätigt dies jedoch nicht. Laut den Forscher sind beide Diätformen gleich gut. Ausschlaggebend für die Gewichtsreduktion ist aber vor allem ein anderer Faktor: eine gesunde Ernährung.

In einer US-amerikanischen Studie wurde untersucht, ob eher die Low-Carb- oder die Low-Fat-Diät geeignet ist, um sein Gewicht zu reduzieren. Die Forscher stellten fest, das beide Methoden gleich gut funktionieren, wenn bestimmte andere Faktoren berücksichtigt werden. (Bild: adrian_ilie825/fotolia.com)

Jeder Mensch braucht Kohlenhydrate und Fette

Aus gesundheitlichen Gründen sind Low-Carb-Diäten meistens keine gute Idee, meinen manche Fachleute. Schließlich sind Kohlenhydrate ein wichtiger Bestandteil einer ausgewogenen Ernährung.

So schreibt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) auf ihrer Webseite: „Für die Deckung des Energiebedarfs spielen Fette und Kohlenhydrate die wichtigste Rolle. Eine vollwertige Mischkost sollte begrenzte Fettmengen und mehr als 50% der Energiezufuhr in Form von Kohlenhydraten enthalten.“

Dennoch setzen manche Menschen auf eine reduzierte Kohlenhydrate-Aufnahme, weil sie abnehmen wollen. Andere schwören eher darauf, ihr Gewicht zu reduzieren, indem sie weniger Fett zu sich nehmen. Doch längst nicht alle nehmen dadurch ab.

„Wir haben alle schon Geschichten von einem Freund gehört, der eine Diät gemacht hat, die super geklappt hat und dann hat ein anderer Freund die gleiche Diät versucht, und es hat überhaupt nicht funktioniert“, so Christopher Gardner von der Stanford University Medical School (USA) in einer Mitteilung.

„Das liegt daran, dass wir alle sehr unterschiedlich sind und wir gerade erst beginnen, die Gründe für diese Vielfalt zu verstehen. Vielleicht sollten wir nicht fragen, welche die beste Diät ist, sondern welche die beste Diät für wen ist.“

Zusammen mit seinen Kollegen hat der Medizin-Professor untersucht, ob die Low-Carb- oder die Low-Fat-Diät besser geeignet ist, um abzunehmen. Die Ergebnisse wurden nun im Fachmagazin „JAMA“ veröffentlicht.

Einfluss genetischer Faktoren untersucht

Für ihre Studie setzten die Forscher 609 übergewichtige Frauen und Männer im Alter zwischen 18 und 50 Jahren ein Jahr lang auf Diät, aufgeteilt in zwei Gruppen: Die Hälfte der Probanden aß fettarm, die andere kohlenhydratarm.

Laut Gardner waren am Ende dieses Jahres etwa 20 Prozent der Teilnehmer aufgrund von äußeren Umständen aus der Studie ausgeschieden.

Da frühere Untersuchungen gezeigt hatten, dass Menschen dann sehr erfolgreich abnahmen, wenn sich in ihren Erbanlagen Gene befanden, die auf die jeweilige Ernährungsweise besonders ansprachen, bestimmten die Wissenschaftler vor Studienstart, welche Variante bestimmter Erbanlagen die Teilnehmer besaßen.

Zudem wurde ermittelt, wie gut ihr Körper den Blutzuckerwert regulieren konnte und ob dies die Wirkung von Kohlenhydrat- oder Fettverzicht beeinflusste.

Probanden reduzierten ihre Fett- und Kohlenhydrate-Aufnahme

In den ersten acht Wochen der Studie wurde den Teilnehmern gesagt, dass sie ihre tägliche Kohlenhydrat- oder Fettzufuhr auf nur 20 Gramm beschränken sollten – so viel wie in etwa eineinhalb Scheiben Vollkornbrot oder in einer großzügigen Handvoll Nüssen zu finden ist.

Nach dem zweiten Monat wies das Team von Gardner die Gruppen an, bei Bedarf schrittweise kleine Anpassungen vorzunehmen und schrittweise fünf bis 15 Gramm Fett oder Kohlenhydrate hinzuzufügen, um ein Gleichgewicht zu erreichen, von dem sie glaubten, dass es für den Rest ihres Lebens erhalten bleiben könnte.

Allen Teilnehmern wurde dabei empfohlen, eine gesunde Ernährung einzuhalten.

Am Ende der zwölf Monate berichteten die Personen mit einer fettarmen Diät über eine tägliche durchschnittliche Fettaufnahme von 57 Gramm und diejenigen mit niedrigem Kohlenhydratkonsum nahmen etwa 132 Gramm Kohlenhydrate pro Tag zu sich.

Gardner wertete dies als positiv, da der durchschnittliche Fettkonsum der Teilnehmer vor Beginn der Studie bei etwa 87 Gramm pro Tag und die durchschnittliche Kohlenhydrataufnahme bei etwa 247 Gramm lag.

Keinen Fertigprodukte-Mist kaufen

Die Studienteilnehmer nahmen laut Gardner erfolgreich ab, weil es sich bei der fettarmen und kohlenhydratarmen Diät jeweils um eine gesunde Form handelte.

Es ist beispielsweise wichtig, die „guten“ von den „schlechten“ Kohlenhydraten zu unterscheiden.

„Eine Limonade ist zwar fettarm, aber sicherlich nicht gesund. Schmalz kann kohlenhydratarm sein, aber eine Avocado wäre gesünder“, heißt es in der Mitteilung.

„Wir haben darauf geachtet, jedem zu sagen, unabhängig davon, auf welcher Diät er war, auf den Markt zu gehen und keinen Fertigprodukte-Mist zu kaufen. Außerdem rieten wir ihnen, sich so zu ernähren, dass sie sich nicht hungrig oder benachteiligt fühlten – ansonsten wäre es schwierig, die Ernährung auf lange Sicht aufrechtzuerhalten“, erklärte Gardner.

„Wir wollten, dass sie einen fettreduzierten oder kohlenhydratarmen Diätplan wählen, den sie möglicherweise für immer befolgen können, anstatt eine Diät, die sie nach der Studie wieder aufgeben.“

Auch andere Experten hatten in der Vergangenheit darauf hingewiesen, dass es bei der Ernährung grundsätzlich darum geht, eine Art dauerhafte Diät mit weniger Kalorien einzuhalten, wenn man sein Körpergewicht reduzieren und dann halten will.

Mehr über das Essen nachdenken

Nach dem Ende des 12-monatigen Untersuchungszeitraums hatten die Teilnehmer beider Gruppen rund 5,5 Kilogramm abgenommen – und zwar in beiden Gruppen und völlig unabhängig von ihrem individuellen Gentyp und ihrem Insulin-Stoffwechsel.

Allerdings gab es unter den einzelnen Probanden enorme Unterschiede. Während einige Teilnehmer bis zu 30 Kilogramm verloren, nahmen andere 15 oder 20 Kilogramm zu.

„Diese Studie schließt die Tür zu einigen Fragen – aber öffnet die Tür zu anderen“, meinte Gardner.

Die Autoren hoffen, in weiteren Studien doch noch etwas zu finden, das eine personalisierte Diät ermöglicht.

„Wir haben eine Menge Daten, den wir nun in nachfolgenden Studien nutzen können.“

Das vielleicht wichtigste Ergebnis dieser Studie, so Gardner, ist, dass die grundlegende Strategie zur Gewichtsreduktion mit einem fettarmen oder einem kohlenhydratarmen Ansatz ähnlich ist.

Essen Sie weniger Zucker, weniger raffiniertes Mehl und so viel Gemüse wie möglich. Setzen Sie auf Vollwertkost.

„Wir hörten auf beiden Seiten von Menschen, die am meisten Gewicht verloren hatten, dass wir ihnen geholfen hatten, ihre Beziehung zum Essen zu ändern, und dass sie jetzt mehr darüber nachdenken, was sie essen“, sagte der Studienautor. (ad)