Acetylsalicylsäure: Hoffnung bei Krebsbehandlung?

Heilpraxisnet

Acetylsalicylsäure als Hoffnung im Kampf gegen Krebs

25.11.2013

Auf dem bisher größten in Europa stattgefunden Krebskongress (European Cancer Congress) in Amsterdam, der von mehreren Krebsgesellschaften organisiert wurde, standen dieses Mal Medikamente mit „ Acetylsalicsäure“ (ASS) im Mittelpunkt. Sie werden derzeit als neue Hoffnungsträger bei der Krebsprävention gefeiert, wie unter anderem die Ernährungswissenschaftlerin Cornelia Ulrich, Leiterin der Abteilung Präventive Onkologie und Mitglied im Direktorium des Nationalen Centrums für Tumorerkrankungen (NCT) in Heidelberg, berichtete.

Den meisten Menschen in Deutschland ist dieser Wirkstoff einfach nur unter dem Namen “ Aspirin“ bekannt und er wird hauptsächlich als Schmerzmittel oder als Hemmstoff bei der Blutgerinnung eingesetzt. Menschen, die schon mal einen Herzinfarkt erlitten haben, müssen den Wirkstoff danach regelmäßig einnehmen.

Untersuchungen haben gezeigt, dass sich bei einer Einnahme über einen Zeitraum von etwa fünf bis zehn Jahren, eine krebshemmende Wirkung entfaltet und sich beispielsweise das Auftreten von Darmkrebs um etwa 40 Prozent verringert. Offenbar bilden sich, unter der Einnahme von ASS, bei Tumorpatienten weniger Fernmetastasen. Lange waren sich die Experten darüber uneinig, ob sich schon bei einer geringeren Dosis dieses Wirkstoffs und einer selteneren Einnahme, ein Darmkrebsschutz einstellt. Nun haben die Ergebnisse einer Studie („Annals of Internal Medicine“ Bd.159(2), S.77) diese Vermutungen bestätigt und es zeigte sich, dass auch bei der Einnahme geringere Dosen ein Schutzmechanismus aufgebaut wird.

Für viele Experten war jedoch eine sorgfältigere Untersuchung dieser Patienten der Grund für eine bessere Vorsorgebehandlung. Denn oft zeigte sich unter der Einnahme von ASS-Medikamenten Blut im Stuhl, was mit einer stärkeren Blutungsneigung, hervorgerufen durch Acetylsalicsäure, begründet wird. Gerade bei solchen Befunden wird genauer hingeschaut. Kurz gesagt: Polypen oder Adenome werden bei ASS-Patienten zwar früher entdeckt, dies bedeutet aber nicht zwangsläufig, dass auch eine antikanzerogene Wirkung bestehe.

Diese Annahme konnte aber durch Untersuchungen mit anderen Blutgerinnungswirkstoffen, wie etwa Vitamin K, widerlegt werden. Bei Ihnen zeigte sich keine Verringerung der Darmkrebsrate, so die Studie.

Doch warum ASS zu einer Verringerung führt, konnten die Wissenschaftler noch nicht eindeutig klären. So könnte eine Wirkung auf die zirkulierenden Blutplättchen eine Verbreitung der Krebszellen verhindern und es wird angenommen, dass ASS eventuell Einfluss auf die Mutationsrate der Zellen nimmt. Vielleicht beeinflusst ASS aber auch die Wirkung anderer Krebsmedikamente positiv und verstärke diese, so Ullrich.

Entscheidend sind die Genvarianten
Weitere Studienergebnisse, darunter auch noch nicht veröffentlichte aus den Heidelberger Forschungslaboren, zeigten, dass bestimme Genvarianten bei einzelnen Patienten Einfluss auf die Blutgerinnung und auch auf die Tumorhemmung nehmen, so die Ernährungswissenschaftlerin. Für die Zukunft könne diese bedeuten, dass bestimmte Gruppen von Patienten von den krebshemmenden Eigenschaften des ASS profitieren könnten, ohne dass die nicht gewünschte Nebenwirkung des erhöhten Blutungsrisiko, eine günstige Behandlung in irgendeiner Weise negativ beeinflusst. Die Universitätsklinik in Leisen präsentierte außerdem Ergebnisse einer Arbeitsgruppe, in der die Gewebetypisierung von 999 Darmkrebspatienten im Mittelpunkt stand. Anhand dieser lasse sich erkennen, ob sich durch ASS eine Krebserkrankung verhindern ließe.

Alle Patienten bekamen eine niedrige Dosis ASS verabreicht, aber nicht alle von Ihnen konnten von der Krebshemmenden Wirkung profitieren, so die Leiterin der Untersuchung, Marlies Reimers. Dieses Ergebnis hat zu einer Vielzahl von Untersuchungen zu der anti-kanzerogenen Eigenschaft von ASS geführt.

Hohe Erwartungen an das „Wundermedikament“
Doch gerade die genetisch bedingten Wirkunterschiede und auch manche widersprüchlichen Befunde bei anderen Krebsarten, lassen nur eine gedämpfte Euphorie zu, so Cristina Bosetti, Mathematikerin und Epidemiologien am Mario Negri Institut in Mailand. So gibt es leider keineswegs einheitliche Befunde, die einen eindeutigen Verhinderungsmechanismus aufzeigen. Bei Lungenkrebs beispielsweise zeige sich ein günstiger Verlauf bei der Gabe von ASS, doch dies erkennt man erst, nachdem die Patienten 20 Jahre lang medizinisch beobachtet wurden. Auch beim Prostatakrebs und Brustkrebs muss lange gewartet werden, bis sich Ergebnisse zeigen. Wer aber nun aufgrund des günstigen Preises und der freien Verfügbarkeit dieses Medikamentes vorhat sich prophylaktisch zu behandeln, sollte bedenken, dass es auch nachteilige Beobachtungen im Zusammenhang mit Krebserkrankungen gemacht wurden. Bei Nierenzellkrebs, der offenbar unter der Gabe von ASS häufiger vorkommt, wurden gegenteilige Erfahrungen berichtet. Dieser Befund wurde aber von einigen Experten aufgrund des Studiendesigns angezweifelt.

Letztendlich offenbart der Kongress in Amsterdam, dass ohne eine genaue Charakterisierung der Patienten, die Wirksamkeit von ASS nicht eindeutig zu belegen ist. Es gibt noch zu viele Ungereimtheiten bei der Klärung warum ASS bei manchen Patienten bei der Krebstherapie hilft und bei manchen nicht. Eine Empfehlung, ASS gezielt zur Krebsbehandlung einzusetzen, wollte daher niemand aussprechen. (fr)

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Bild: GG-Berlin / pixelio.de