Adenoviren von Affen auf Menschen übertragen

Fabian Peters

Adenovirus vom Affen zum Mensch übergesprungen

15.07.2011

Forscher haben ein Adenovirus entdeckt, das ohne Mutation vom Affen auf den Menschen überspringen kann. Die US-Mediziner der University of California in San Francisco berichten in dem Online-Journal „PLoS Pathogens“, von einer Infektionswelle in einem US-Primatenzentrum, bei der erstmals Adenoviren nachweislich von einem Tier auf einem Menschen übergesprungen sind.

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Vor zwei Jahren war den Angaben der Forscher zufolge in dem US-Primatenzentrum „California National Primate Research Centereine“ eine Gruppe von Springaffen (Callicebus cupreus) aufgrund einer Adenovirus-Infektion an Atemwegs- und Leberentzündungen erkrankt. Ein Mitarbeiter des Primatenzentrums, der die Tiere pflegte und daher besonders engen Kontakt mit ihnen hatte, steckte sich ebenfalls mit den Viren an und übertrug diese laut Aussage der US-Wissenschaftler zu Hause auf ein Mitglied seiner Familie. Die anschließend eingeleitet Untersuchung ergab, dass die neuen Adenoviren offenbar auch unter Menschen bereits verbreitet sind. Die Wissenschaftler entdeckten in zwei der 81 untersuchten Blutspenden von US-Bürgern Antikörper gegen die bisher unbekannten Andenoviren.

Adenoviren wechseln erstmals ohne Mutation die Spezies
Adenoviren sind als sogenannte Humane Adenoviren generell auch bei Menschen relativ weit verbreitet. Sie verursachen oft schwere Erkrankungen der Atemwege und können eine Vielzahl weiterer gesundheitlicher Beschwerden, wie zum Beispiel Entzündungen der Harnblase (Zystitis), Schnupfen (Rhinitis) oder Rachenentzündungen (Pharyngitis) auslösen. Auch Brechdurchfall (Gastroenteritis) mit Bauchschmerzen, Durchfall, Übelkeit und Erbrechen kann eine mögliche Folge der Adenovirus-Infektion sein. Allerdings waren sämtlichen bisher bekannten Adenoviren stets auf eine Gattung beschränkt, noch nie waren Adenoviren nachweislich von einer Spezies auf eine andere übergesprungen. Doch in dem US-Primatenzentrum infizierte sich im Jahr 2009 eine Gruppe von Roten Springaffen mit einem neuartigen Adenovirus. 23 der insgesamt 65 Tiere erkrankten und litten unter schweren Leber- und Atemwegsentzündungen. Nur vier der infizierten Affen überlebten, berichten die US-Forscher. Bei der Pflege der Tiere habe sich zudem ein Mitarbeiter des Primatenzentrums mit dem bis dato unbekannten Adenovirus TMAdV (titi monkey adenovirus) infiziert und zu Hause ein Mitglied seiner Familie ebenfalls angesteckt, so die Darstellung der Experten. Die Mediziner konnten entsprechende Antikörper im Blut der Betroffenen nachweisen. Darüber hinaus wurden in zwei von 81 untersuchten Blutspenden ebenfalls entsprechende Antikörper entdeckt.

Neuartiges Adenovirus bereits bei Menschen verbreitet?
Der Nachweise entsprechender Antikörper gegen das bislang unbekannte Adenovirus in den Blutproben der US-Bürger, legt nach Ansicht der Forscher den Schluss nahe, dass TMAdV möglicherweise bereits unter Menschen kursiert, doch wegen der eher unspezifischen Symptome nicht aufgefallen ist. Allerdings konnten die US-Mediziner bislang nicht erklären, wo der Ursprung des neuen Adenovirus liegt. Die Experten der University of California in San Francisco vermuten, dass die Adenoviren des Stammes TMAdV ihr Hauptreservoir bei einer anderen Tierart als den Roten Springaffen haben, da diese zu empfindlich auf die Viren reagierten hätten. Da mehr als 80 Prozent der infizierten Tiere verstarben, würde sich das Virus seine eigene Existenzgrundlage entziehen und daher mit den Roten Springaffen als Wirt nicht lange überdauern, erklärten die Experten. Einen Ursprung beim Menschen halten die Wissenschaftler jedoch ebenfalls für eher unwahrscheinlich. (fp)