ADHS: Physiotherapie statt Psychostimulanzen?

Astrid Goldmayer

ADHS: Universität untersucht Möglichkeiten der Physiotherapie statt Medikamente

06.01.2012

Das Dresdner Universitätsklinikum will in einer Studie herausfinden, wie sich Physiotherapie auf hyperaktive Kinder auswirkt. Dafür werden etwa 60 Kinder im Alter von sieben bis siebzehn Jahren gesucht, die an der Aufmerksamkeitsdefizit-/Hyperaktivitätsstörung (ADHS) leiden. Kinder sollten neben den typischen Symptomen, zu denen unter anderem Konzentrationsschwäche und Hyperaktivität gehören, auch motorische Defizite haben.

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ADHS-Patienten leiden häufig auch unter motorischen Problemen
Diplom-Psychologin Sina Wanderer berichtet: „Viele unserer Patienten fallen nicht nur durch ihre Zappeligkeit und ihre Konzentrationsschwächen auf, sondern haben auch große Probleme beim Schreiben oder anderen feinmotorischen Bewegungen wie dem Binden einer Schleife. Zusätzlich sind diese Kinder oft von Koordinationsproblemen betroffen, so dass sie sich beim Lernen komplexerer Bewegungsabläufe wie Ballwerfen und Fahrradfahren schwer tun. Sie bewegen sich verkrampft und sind verspannt. Dadurch werden sie noch mehr zu Außenseitern.“

Da es bisher noch keine hinreichenden Untersuchungen zur Wirksamkeit von Physiotherapie bei ADHS-Patienten gibt, wird dies nun in einer Studie des Universitätsklinikum Dresden nachgeholt. Laut Klinikum würden zwar Medikamente wie zum Beispiel Ritalin mit dem Wirkstoff Methylphenidat helfen, jedoch stünden viele Eltern und Mediziner dem Einsatz von Psychostimulanzen skeptisch gegenüber.

In der Studie des Klinikums wird nun zum ersten Mal die Wirksamkeit des Medikaments mit der von Physiotherapie verglichen. Dazu sollen die Kinder in einem Zeitraum von zwei Monaten zweimal pro Woche ein Physiotherapieprogramm absolvieren. Mit dem Programm sollen Verkrampfungen beseitigt und motorische Fähigkeiten trainiert werden. In der Auswertungsphase sollen dann die Ergebnisse mit den Fortschritten der Kinder verglichen werden, die Methylphenidat erhalten sowie mit den Verbesserungen der Kinder, deren Eltern speziell für den Umgang mit ADHS-Kindern geschult werden.

ADHS – alternative Behandlungsmöglichkeiten gesucht
Wie die Techniker Krankenkasse (TK) mitteilte, nehmen immer mehr Kinder und Jugendliche Medikamente zur Behandlung von ADHS. Vom Jahr 2006 bis 2011 entspricht dies einer Steigerung von 32 Prozent, berichtet die TK. Eine erfolgreiche „sanfte“ Alternative zu Ritalin und Co. ist bisher leider nicht bekannt. Kritiker der Psychostimulanzen drängen auf eine angemessene Behandlung der ADHS-Patienten anstatt sie nur mit Medikamenten ruhig zu stellen.

Zu den möglichen Nebenwirkungen des Wirkstoffs Methylphenidat gehören unter anderen Symptome wie Kopf- und Bauchschmerzen, innere Erregung, leichte Puls- und Blutdruckerhöhung oder Gewichtsverlust. Es werden auch Übelkeit, kognitive Beeinträchtigungen, depressiver Verstimmung sowie die Auslösung und Verstärkung bestehender Tic´s (nicht steuerbare, wiederkehrende motorische Kontraktion einzelner Muskeln oder Muskelgruppen) als mögliche Folgen der Einnahme des Wirkstoffs von Experten diskutiert. (ag)