Adipositas: Etwa 7 Millionen hierzulande wegen Fettleibigkeit in Therapie

Immer mehr Deutsche begeben sich wegen Fettleibigkeit in ärztliche Behandlung. Viele von ihnen lassen sich den Magen verkleinern. (Bild: Kurhan/fotolia.com)
Alfred Domke
Krankenhaus-Report: Immer mehr Behandlungen wegen Adipositas
Immer mehr Bundesbürger sind fettleibig: Rund sieben Millionen Menschen in Deutschland mussten sich im Jahr 2014 wegen Adipositas behandeln lassen. Gegenüber 2006 war dies ein Anstieg um 14 Prozent. Viele Patienten lassen sich den Magen verkleinern. Das geht aus dem aktuellen Krankenhaus-Report der Barmer GEK hervor.

Starkes Übergewicht gefährdet die Gesundheit
Starkes Übergewicht (Adipositas) macht krank. Fettleibigkeit ist ein Risikofaktor für zahlreiche Zivilisationskrankheiten. Zu nennen sind hier vor allem Erkrankungen der Gefäße und des Herz-Kreislauf-Systems wie Bluthochdruck, Koronare Herzkrankheit oder Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Außerdem erhöht sich durch Adipositas das Risiko für Gelenkverschleiß (Arthrose), Diabetes, und Krebserkrankungen.

Immer mehr Deutsche begeben sich wegen Fettleibigkeit in ärztliche Behandlung. Viele von ihnen lassen sich den Magen verkleinern. (Bild: Kurhan/fotolia.com)
Immer mehr Deutsche begeben sich wegen Fettleibigkeit in ärztliche Behandlung. Viele von ihnen lassen sich den Magen verkleinern. (Bild: Kurhan/fotolia.com)

Immer mehr Deutsche lassen sich wegen Adipositas behandeln
Gesundheitsexperten zufolge hätte bereits eine minimale Gewichtsreduktion deutliche positive Auswirkungen. Neben einer gesunden, kalorien- und fettarmen Ernährung wäre hier Sport sehr hilfreich. Dieser verbrennt nicht nur Kalorien, sondern vertreibt den ständigen Hunger, wie Wissenschaftler vor kurzem im Fachmagazin „Medicine and Science In Sports and Exercise“ berichteten. Doch obwohl den meisten Betroffenen klar ist, dass sich ihr Körpergewicht negativ auf die Gesundheit auswirkt, fällt es vielen schwer, abzunehmen. Die Zahl der Bundesbürger, die sich wegen Fettleibigkeit ärztlich behandeln lassen, steigt. Das zeigt der aktuelle Krankenhaus-Report der Barmer GEK.

Zahl der Operationen hat sich vervielfacht
Laut einer Meldung der Krankenkasse mussten sich allein im Jahr 2014 gut sieben Millionen Menschen wegen Adipositas in Praxen behandeln lassen und damit 14 Prozent mehr als noch im Jahr 2006. Von diesen haben immer mehr einen Eingriff zur Gewichtsreduktion vornehmen lassen. Den Angaben zufolge hat sich die Zahl der sogenannten bariatrischen Operationen (chirurgische Behandlungen von Adipositas) im selben Zeitraum bei den Versicherten der Barmer GEK mehr als versechsfacht und bei allen Krankenkassen mehr als verfünffacht.

Magen-Operation sollte Ultima Ratio sein
Eine Magen-OP wird oft als letztes Mittel bei Fettleibigkeit angewandt. Auch der Vorstandsvorsitzende der Barmer, Dr. Christoph Straub, meinte: „Ein bariatrischer Eingriff sollte als Ultima Ratio zum Einsatz kommen. Wenn eine bariatrische Operation unvermeidbar ist, sollte sie nur noch in einem zertifizierten Zentrum erfolgen, da sie dort einen besonders hohen Qualitätsstandard hat und sicherer ist.“ Der Report legt eine Operation in einem Zentrum nahe, das von der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie (DGAV) zertifiziert ist.

Eingriffe in zertifizierten Zentren günstiger
„In einer zertifizierten Klinik sind die Komplikationen bei einem bariatrischen Eingriff geringer als in einem herkömmlichen Krankenhaus, auch das Sterberisiko ist um 15 Prozent reduziert“, erklärte der Autor des Reports, Professor Boris Augurzky. Zudem seien die Eingriffe in den zertifizierten Zentren günstiger. Doch mit einer bariatrischen Operation allein ist es bei weitem nicht getan. Straub forderte die Kliniken auf, mit niedergelassenen Medizinern wohnortnahe Nachsorgekonzepte zu entwickeln: „Nach einer Adipositas-Operation sollte immer eine engmaschige und interdisziplinäre Nachsorge erfolgen. Denn ein bariatrischer Eingriff kann schwerwiegende Folgen nach sich ziehen wie zum Beispiel einen lebensbedrohlichen Nährstoffmangel.“

Erhöhte Sterblichkeitsrate
Da so ein Eingriff sowohl Chancen als auch Risiken berge, sollten infrage kommende Patienten sehr sorgfältig ausgewählt werden. „Einerseits müssen Patienten nach einem Eingriff deutlich seltener aufgrund von Diabetes mellitus Typ 2, Schlafstörungen und Bluthochdruck stationär behandelt werden als vergleichbare Personen ohne eine Operation. Andererseits müssen Patienten nach einem bariatrischen Eingriff häufiger wegen Gallensteinen, Krankheiten des Verdauungssystems und Eingeweidebrüchen ins Krankenhaus“, erläuterte Augurzky. Außerdem steigt die Sterberate bei operierten gegenüber nicht operierten Patienten in den ersten vier Jahren nach dem Eingriff um 7,7 Prozent.

Mehrkosten für die Beitragszahler
Abschließend heißt es in der Mitteilung der Krankenkasse, dass eine Operation auch aus finanziellen Erwägungen gut überlegt sein soll. Wenn bundesweit alle Adipösen mit einem Body-Mass-Index (BMI) von 40 und mehr operiert würden, kämen auf die gesetzliche Krankenversicherung demnach kurzfristig rund 14,4 Milliarden Euro an Extraausgaben zu. Augurzky warnte: „In der Adipositas-Chirurgie drohen massive Mehrkosten, die die Beitragszahler am Ende schultern müssten. Dies ist umso bedenklicher, weil eine bariatrische Operation für Kliniken lukrativ ist und daher die Tendenz zu immer mehr Eingriffen besteht.“ (ad)

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