Adipositas-Netzwerk hilft übergewichtigen Kindern

Nina Reese

Seit 2006 Adipositas-Netzwerk in Mecklenburg-Vorpommern

16.05.2013

Immer mehr Kinder und Jugendliche haben Probleme mit Übergewicht, dabei sind junge Menschen in Mecklenburg-Vorpommern besonders stark betroffen. Um hier zu helfen, gibt es seit 2006 das „Adipositas-Netzwerk“, in dem sich Ärzte, Therapeuten, Verbände, Ämter und Krankenkassen mit verschiedenen Adipositas-Projekten zusammengefunden haben und nun Betroffenen Unterstützung beim Abnehmen bieten.

Besonders viele übergewichtige Kinder aus einkommensschwachen Familien
Im bundesweiten Vergleich liegt Mecklenburg-Vorpommern ganz vorne: 13 bis 17 Prozent der übergewichtigen bis fettleibigen (adipösen) Kinder und Jugendlichen in Deutschland leben in dem nordöstlichen Bundesland, so der Netzwerk-Sprecher Ralf Schiel, Kinderarzt und Chef der Inselklinik Heringsdorf auf Usedom, gegenüber der Nachrichtenagentur dpa. Grund hierfür sei dem Mediziner nach insbesondere die soziale Komponente, denn viele der übergewichtigen Kinder kämen aus einkommensschwachen Familien. Hinzu käme das Problem der mangelhaften Infrastruktur in Mecklenburg-Vorpommern, denn in Dörfern, in denen es außer dem Schulbus keinerlei öffentliche Verkehrsmittel gäbe, hätten Heranwachsende häufig kaum die Möglichkeit, zum Beispiel regelmäßig in Sportvereinen zu trainieren.

Mehr als jeder zehnte Schulanfänger in Mecklenburg-Vorpommern übergewichtig Übergewicht unter Kindern ist nach wie vor ein großes Problem – denn auch wenn es derzeit laut dem Robert Koch-Institut Berlin bundesweit zwar keinen weiteren Anstieg der Zahl der Betroffenen gibt, sticht Mecklenburg-Vorpommern weiterhin deutlich hervor: So hätten hier beispielsweise die Schuleingangsuntersuchungen von 2009/10 in Mecklenburg-Vorpommern ergeben, dass 12,4 Prozent der Schulanfänger als übergewichtig sowie weitere 5,5 Prozent als adipös einzustufen waren, so die Mitteilung des Netzwerks.

Esskultur in Familien stimmt häufig nicht
Laut Heike Haase, Ärztin im Kinderzentrum Schwerin und Leiterin des Adipositas-Projekts "Gummibärenbande", läge ein großes Problem darin, dass die Esskultur in vielen Familien nicht stimme. Um hier aktive Unterstützung zu leisten, treffen sich die derzeit sechs Kinder der „Gummibärenbande" im Alter von 8 bis 14 Jahren alle 14 Tage, um dann gemeinsam zu kochen, Sport zu treiben, Gespräche zu führen oder Entspannungstechniken zu trainieren – denn die Idee hinter dem Projekt ist, dass die Kinder neben „Erfahrungsaustausch und der spielerischen Vermittlung von Informationen zu Ernährung und Bewegung […] hier positive Bewegungs- und Körpererfahrungen machen“, so die Information des Adipositas-Netzwerks. Hinzu kommt die regelmäßige Überprüfung des Gewichts, denn „die Kinder werden zum Führen eines Ernährungs- und Bewegungsprotokolls motiviert“, wobei Abnahme und Längenwachstum regelmäßig dokumentiert werden würden – doch dies geschehe laut Haase auf sehr sensiblem Wege: „Es geht nicht ums öffentliche Wiegen, sondern um eine neue Lebenseinstellung und -gestaltung der Kids", so die Medizinerin.

Zentrale Aufgabe: Selbstwertgefühl der Kinder stärken
Auch Steffi Dunkelmann, Kinderärztin in der Kurklinik Boltenhagen in Nordwestmecklenburg geht es in erster Linie darum, dass Selbstwertgefühl der Kinder und Jugendlichen zu stärken und dadurch die Basis für eine langfristige Ernährungsumstellung zu schaffen. Daher bietet die Medizinerin zum einen Hilfestellungen in Form von Ernährungsberatung oder Einkaufstraining an, zum anderen sind Sport, Spiel und Bewegung ein fester Bestandteil ihrer Therapie. Für eine erfolgreiche Ernährungsumstellung müssten allerdings auch die Eltern aktiv mitarbeiten – daher ist für Netzwerk-Sprecher Ralf Schiel gerade die Beratung und Schulung von Eltern ein wichtiger Aspekt im Zusammenhang mit der Behandlung übergewichtiger Kinder. So könnten laut Schiel stationäre Kuren längst nicht alle Gewichts-Probleme lösen, stattdessen könnten Betroffene nur mit einem veränderten Lebensstil etwas gegen Adipositas ausrichten. Um hier auch langfristig Unterstützung zu bieten, versucht Schiel im Rahmen seines Projekts "TeleAdi" (Telemedizinische Langzeitbetreuung von Kindern und Jugendlichen mit Übergewicht und Adipositas) auch nach der Kur über Monate hinweg per E-Mail und SMS zu beraten, wobei die Idee offenbar erfolgversprechend ist, denn das Programm werde laut dem Adipositas-Netzwerk „von übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen in hohem Maße akzeptiert“. (nr)

Bild: Helene Souza / pixelio.de