Ärzte gegen Tierversuche: Darum sind Tierversuche in der Medizin völlig unnötig

Dr. Utz Anhalt
Tierversuche stehen seit langem in der Kritik – insbesondere, weil unzählige Tiere darin Leid in hohem Ausmaß ausgesetzt sind. Weniger bekannt ist hingegen, dass auch viele Wissenschaftler/innen und Ärzt/innen Experimente an lebenden Tieren ablehnen – nicht nur aus ethischen, sondern ebenso auf medizinischen wie wissenschaftlichen Gründen. Sie halten diese Methode für einen falschen Weg, weil es gefährliche Folgen hätte, Ergebnisse aus Tierversuchen auf Menschen zu übertragen.

Dr. Utz Anhalt interviewte führende Mitglieder der „Ärzte gegen Tierversuche“, die eine Ende der Tierversuche fordern, weil diese Tieren unnötiges Leid zufügten und zugleich keinerlei Wert für wissenschaftliche Erkenntnisse über und medizinische Praktiken am Menschen hätten.

Bild: Henrik Dolle - fotolia
Bild: Henrik Dolle – fotolia

Können Sie uns etwas über „Die Ärzte gegen Tierversuche“ erzählen. Wann und warum wurde diese Organisation gegründet. Was sind die Ziele? Was haben Sie bisher erreicht?“

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche wurde 1979 von den Neurologen Margot und Herbert Stiller, dem Augenarzt Reinhold Braun und gleichgesinnten Kollegen in Hamburg gegründet, da sie erkannt hatten, dass Tierversuche zutiefst unethisch sind und die Ergebnisse aus Tierversuchen wegen erheblicher Unterschiede zwischen Mensch und Tier keinerlei Wert besitzen.

Unter dem Motto „Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!“ setzt sich der Verein seither für eine generelle Abschaffung von Tierversuchen ein, da diese aus ethischen, medizinischen und wissenschaftlichen Gründen abzulehnen sind.

Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche spielt innerhalb der Tierversuchsgegner- und Tierrechtsbewegung eine wichtige Rolle bei der Erarbeitung und Zurverfügungstellung wissenschaftlich fundierter Argumente gegen Tierversuche, bei der Recherche von Hintergrundinformationen aus der tierversuchsbasierten Forschung, sowie bei Informationen über den Stand der Entwicklung von tierversuchsfreien Methoden.

Ziel des Vereins Ärzte gegen Tierversuche e.V. ist die Abschaffung aller Tierversuche.

Ein besonders wichtiger Erfolg unserer seit 36 Jahren anhaltenden Aufklärungsarbeit mit u.a. Infoständen, Kampagnen, Unterschriftenaktionen, Presseerklärungen, ist, dass Tierversuche zu einem öffentlichen Thema mit zunehmender Präsenz in den Medien wurden, dass politischer Druck erzeugt wurde und dass die tierversuchsfreie Forschung vorangetrieben wird.

Der Verein unterhält seit Mitte der 1990er Jahre eine Internet-Datenbank, in der mehrere tausend tierexperimentelle Studien erfasst und für Laien verständlich beschrieben sind, um einen Eindruck über die Grausamkeit und Absurdität von Tierversuchen zu vermitteln.

Mit unserem Osteuropa-Projekt stellen wir bereits 55 Instituten in 5 Ländern der ehemaligen Sowjetunion tierversuchsfreie Lehrmittel zur Verfügung. Dadurch verzichten diese auf die bislang zahlreichen Tierversuche in der studentischen Ausbildung. 38.000 Wirbeltiere (Hunde, Katzen, Kaninchen, Ratten und Frösche) sowie 15.000 Wirbellose konnten dadurch pro Jahr vor einem Leiden und Sterben bei Tierversuchen bewahrt werden.

Dank der von uns initiierten Kampagne „Stoppt Botox-Tierversuche“ gelang es zusammen mit unseren Partnern der „Europäischen Koalition zur Beendigung von Tierversuchen“ (ECEAE) so viel Druck aufzubauen, dass zwei Hersteller des Nervengifts Botulinumtoxin (kurz Botox) mittlerweile an einer anerkannten Zellkultur-Methode testen. Wir werden diese Kampagne fortsetzen, bis auch die weiteren Firmen umstellen.

Ebenfalls in Zusammenarbeit mit dem ECEAE konnten wir mit unserem REACH Projekt verhindern, dass es zu einer Wiederholung von bereits durchgeführten Toxizitäts-Studien kommt. Mindestens 18.000 Ratten, Mäuse, Kaninchen und Fische entgingen dadurch einem qualvollen Tod.

Auf unserer äußerst informativen und ständig aktualisierten Homepage finden interessierte Laien und Wissenschaftler Zugang zu fundierten und sachkundigen Informationen zum Thema Tierversuche.

„Ärzte gegen Tierversuche“ sagt schon im Namen, dass es um eine wissenschaftlich fundierte Kritik geht. In der Öffentlichkeit kursiert oft die Vorstellung, dass Gegner_innen von Tierversuchen emotional motiviert sind, während Wissenschaftler_innen und Ärzt_innen Tierversuche für notwendig erachten. Während Tierversuche für Militär und Kosmetik auf breite Ablehnung stoßen, sehen viele Tierversuche für die Wissenschaft als notwendig an. Sie haben aber auch ernsthafte medizinische und wissenschaftliche Kritik an dieser Praxis. Welche?

Unser Verein “Ärzte gegen Tierversuche“ lehnt ausdrücklich Tierversuche sowohl aus ethischen als auch aus medizinischen und wissenschaftlichen Gründen ab. Die medizinische und wissenschaftliche Kritik an Tierversuchen basiert auf einer Vielzahl von Argumenten.

Krankheiten des Menschen können nicht durch Experimente an Lebewesen einer anderen Spezies erforscht werden, da selbst bei Arten, die dem Menschen nahe verwandt sind, gravierende Unterschiede in Anatomie und Physiologie bestehen. Wir wissen inzwischen, dass nicht das einzelne Gen wichtig ist, sondern dessen Regulation bestimmt, was es in einem Organismus bewirkt. Um ein Beispiel zu nennen: Affen, die als unsere nächsten Verwandten im Tierreich ein hohes Maß an genetischer Übereinstimmung mit dem Menschen haben, weisen deutliche Unterschiede u.a. hinsichtlich immunologischer Reaktionen auf und es kam in der Vergangenheit wiederholt zu fatalen bis hin zu tödlichen Zwischenfällen bei der klinischen Prüfung von Arzneimitteln, die im Versuch an Affen für sicher und wirksam erachtet wurden.

Menschliche Erkrankungen können im Tier nicht modellhaft abgebildet werden. Die primär gesunden jungen Tiere werden mit Erkrankungen künstlich geschädigt, meist mit Erkrankungen, die artfremd sind und deren komplexe Entstehungsmechanismen und Verläufe im menschlichen Organismus in einem“ Tiermodell“ nicht reproduziert werden können.

Bereits die (niemals artgerechten) Haltungsbedingungen im Labor bedeuten für die Tiere einen ungeheuren Stress. Hinzu kommen Belastungsreaktionen durch versuchsbedingte Manipulationen wie allein schon das Anfassen sowie durch schmerzhafte Prozeduren, was die Forschungsergebnisse zusätzlich verfälscht.

Die Ergebnisse aus der tierexperimentellen Forschung sprechen eine deutliche Sprache. 95% der im Tierversuch erprobten Arzneimittel scheitern in der klinischen Prüfung, d.h., wenn sie erstmals am Menschen erprobt werden, wegen schwerer Nebenwirkungen oder Unwirksamkeit. Von den 5% der zugelassenen Medikamente wird nach Jahren der Anwendung ein Fünftel wegen gravierender Komplikationen vom Markt genommen (z.B. Vioxx, Lipobay, Acomplia u.v.a.m.). Auf Grund von Arzneimittelnebenwirkungen sterben in Deutschland jährlich 58.000 Menschen und 210.000 müssen stationär behandelt werden. Arzneimittelnebenwirkungen sind mittlerweile die dritthäufigste Todesursache.

Der tierversuchsexperimentellen Forschung ist es bisher weder gelungen, die Ursachen von “Volkskrankheiten” wie Krebs, Morbus Parkinson, rheumatischen Erkrankungen, Depression, Demenz, Osteoporose, Bluthochdruck, Migräne etc. herauszufinden, noch diese zuverlässig zu heilen.

Vivisektion, das Aufschneiden von Tieren bei lebendigem Leib, hat in Europa insbesondere eine Tradition im cartesianischen Denken. Rene Descartes prägte in der Moderne den Dualismus von materiellem Körper und immaterieller Seele; der Körper sollte dabei funktionieren wie eine Maschine. Schmerzensschreie der Tiere waren für ihn nichts anderes als Reaktionen eines seelenlosen Automaten. Dieser Dualismus ist grundfalsch, das belegt die biologische Forschung. Gefühle wie Gedanken entstehen im Gehirn, Botenstoffe tragen diese Informationen, Endorphin sorgt für Glücksgefühle etc. Trotzdem prägte dieses im Kern katholische Denken die abendländische Wissenschaft. Gilt das auch für die heutigen Vertreter/innen „notwendiger“ Tierversuche?

Die Forscher, die Experimente an Tieren durchführen, postulieren in den meisten Fällen deren angebliche Notwendigkeit und begründen sie mit dem – eindeutig widerlegbaren – Nutzen für den Menschen.

Inwieweit diese Forscher sich überhaupt zu einer philosophisch begründeten Rechtfertigung bemüßigt fühlen oder Gedanken an eine Ethik ihres Handelns verschwenden, ist schwer zu sagen.

Wie sie mit der Wahrnehmung umgehen, dass die Tiere offensichtlich leidensfähig sind und dass sie ihnen absichtlich Leid zufügen, kann ich nicht beantworten.

Sicher ist aber, dass die tierversuchsbasierte Forschung ein enormer Wirtschaftsfaktor ist und dass sie Wissenschaftler-Karrieren befördert, zumal die Deutsche Forschungsgemeinschaft ganz überwiegend Gelder für tierexperimentelle Forschung bewilligt.

4) Was genau ist unter Tierversuchen zu verstehen? Wenn ich einem Kaninchen Säure in die Augen tropfe, um zu prüfen, wie riskant ein Kosmetikprodukt ist, ist das offen sichtlich Quälerei. Ist es auch verwerflich, Ratten in einem Labyrinth den Ausgang suchen zu lassen?

Tierversuche sind nach § 7 des Tierschutzgesetzes definiert als Eingriffe oder Behandlungen zu Versuchs- oder Ausbildungszwecken an Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für diese Tiere verbunden sein können sowie am Erbgut von Tieren, wenn sie mit Schmerzen, Leiden oder Schäden für die erbgutveränderten Tiere oder deren Trägertiere verbunden sein können.

Der Begriff der Verwerflichkeit ist eine etwas kokette Annäherung an den Tatbestand. Selbst wenn die angesprochenen, übrigens völlig sinnfreien und ergebnislosen Labyrinth-Versuche an Ratten relativ „harmlos“ scheinen, sind die Tiere doch erheblichem haltungs- und versuchsbedingten Stress ausgesetzt und auch sie werden im Anschluss an die Versuche getötet so wie nahezu alle „Versuchs“tiere.

Es gibt allerdings sehr wohl eine Graduierung innerhalb der Tierversuche, den sogenannten Schweregrad. Die EU-Richtlinie sieht vor, dass das Ausmaß von Leid, das einem Tier im Rahmen eines Tierversuches zugefügt wird, einem von vier Schweregraden zugeordnet wird. Dieser wird im Genehmigungsantrag für einen geplanten Tierversuch vom durchführenden Experimentator eingeschätzt – und meist bagatellisiert.

Das in der EU Richtlinie vorgesehene Verbot von Versuchen des Schweregrades „schwer“ wird in Deutschland nicht umgesetzt. Das heißt Versuche des Schweregrades „schwer“ wie – um nur einige wenige Beispiele zu nennen –

– Verabreichen von Elektroschocks

– Tod durch Vergiftung

– Bestrahlung mit Todesfolge

– Tod durch Abstoßungsreaktion von Transplantaten

– Knochentumore und metastasierende Tumore

– Instabile Knochenbrüche

– Septisches Multiorganversagen

dürfen in Deutschland weiter durchgeführt werden.

Unser Verein führt seit Februar 2016 zusammen mit zwei weiteren Tierrechtsorganisationen eine Kampagne mit dem Ziel, dass Deutschland das von der EU ermöglichte Verbot von Tierversuchen des Schweregrads „schwer“ umsetzt.

Die heutige Medizin geht vom Patienten als Individuum aus. Wenn jemand zum Beispiel an einer psychischen Störung wie dem Borderline-Syndrom leidet, spielen genetische Dispositionen ebenso mit hinein wie seine biografischen Erfahrungen und seine soziale Umwelt. Ein idealtypisches Therapiemodell gibt es also nicht; die Therapie muss viel mehr auf genau diesen Menschen zugeschnitten sein. Widerspricht das Tierversuchen, die ja von einem Tiermodell ausgehen?

Die Absurdität von Tierversuchen zeigt sich ganz besonders in den bei der Erforschung von psychischen Erkrankungen verwendeten „Tiermodellen“. Im Bereich der Depressionsforschung beispielsweise ist allen Methoden gemeinsam, dass durch Zufügen eines körperlichen Stresses im Tier auf das Grausamste ein vom Experimentator als Depression bezeichneter Zustand erzeugt wird, der dann durch Gabe eines Antidepressivums „geheilt“ werden soll.

So müssen beim „forcierten Schwimmtest“ Mäuse und Ratten bis zu Erschöpfung in einem Wassergefäß mit glatten geraden Wänden schwimmen und gelten bei frühem Aufgeben als depressiv.

In einem anderen Versuch werden Mäuse auf ein phasenweise unter Strom stehendes Gitter platziert und wenn sie bei Stromschlägen irgendwann nicht mehr hochspringen, sondern diese wehrlos erleiden, gelten sie als depressiv.

Beim Tail-Suspension-Test werden Ratten mittels Klebestreifen am Schwanz aufgehängt und wenn sie sich nicht mehr aufbäumen, sondern hängen lassen, gelten sie als depressiv.

Um eine sogenannte Depression zu erzeugen, werden Ratten und Mäuse in kaltes Wasser getaucht, über Wochen täglich sechs Stunden in enge Plexiglaszylinder gesperrt, sie müssen hungern, dürsten, werden mit Stroboskop-Licht, lauten Geräuschen, Schlafentzug und extremen Temperaturschwankungen gefoltert.

Depressive Episoden des Menschen werden neben den angesprochenen Dispositionen aber nur selten durch körperlichen, sondern durch psychischen Stress ausgelöst. Wie will man im Tier die depressionstypischen Symptome von innerer Leere, Freudlosigkeit, Schuldgefühlen, Enttäuschung bis hin zu Suizidalität modellhaft erzeugen? Zumal zur Evaluation der Symptomatik sprachliche Kommunikation unverzichtbar ist. Es gibt definitiv kein „Tiermodell“, das psychische Erkrankungen wie eine Borderline-Störung, Angststörung, Depression, Schizophrenie etc. in ihrer Komplexität und individuellen Ausprägung darstellen kann.

6) Menschen reagieren auf Medikamente sehr unterschiedlich. Das menschliche Gehirn ist ein soziales Organ und unvorstellbar komplex. Jede Tierart ist ebenfalls ein komplexes biologisches System, aber ein anderes. Lassen sich insofern überhaupt Prognosen aus Tierversuchen ableiten?

Nein, dies ist nicht möglich. Unter anderem wegen der in Punkt 5) angesprochenen Aspekte können Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf den Menschen übertragen werden.

Die völlig unbefriedigenden Ergebnisse im Bereich der Psychopharmaka-Forschung werden selbst von Forschern, die sich bisher auf Tierversuche stützten, dem Festhalten an Tierversuchstests angelastet und es ist eine Hinwendung zu einer sog. personalisierten Medizin zu beobachten, die sich auf Charakteristika einer zu behandelnden Person und nicht nur deren Krankheitsdiagnose stützt.

Der Hirnforscher Wolf Singer hält Erkenntnisse aus der Grundlagenforschung indessen für durchaus auf den Menschen übertragbar, weil sich die biologischen Prozesse bei Tieren und Menschen außerordentlich ähnlich sind. Was würden sie dem entgegnen?

Wolf Singer bleibt ebenso wie alle Experimentatoren der definitionsgemäß sinn- und zweckfreien Grundlagenforschung den Beweis für seine Behauptungen schuldig.

Eine Nachuntersuchung der Ergebnisse aus 15 Jahren Grundlagenforschung in Bayern ergab, dass nicht ein einziges Ergebnis hieraus zu einem therapeutischen Verfahren für den Menschen geführt hat.

Hierfür werden allein in Deutschland jährlich ca. 1,2 Millionen der insgesamt 2,8 Millionen Tiere gequält und getötet.

Tierversuche sind fester Teil des Tiermedizinstudiums, und auch Biolog_innen und Humanmediziner_innen stehen vor der Frage, dabei mitzumachen. Ist es für Wissenschaftler_innen eine Karrierebremse Tierversuche abzulehnen?

Die Gründer der Vereinigung“ Ärzte gegen Tierversuche“, Margot und Herbert Stiller, hatten unter schweren verbalen Attacken bis hin zum Rufmord zu leiden. Pauschale Verunglimpfungen von Tierversuchsgegnern durch Tierexperimentatoren sind auch heute noch an der Tagesordnung.

Schon in den ersten Semestern des Medizin-, Tiermedizin- und Biologiestudiums werden die Studenten an vielen deutschen Hochschulen immer noch „auf Linie gebracht“. Sogenannte „tierverbrauchende“ Übungen stehen an. Wer sich weigert, mitzumachen, bekommt seinen Schein nicht und kann nicht weiter studieren. Die Angst vor schlechten Noten oder gar das Studium aufgeben zu müssen, zwingt viele Studierende dazu, gegen ihr Gewissen zu handeln. Wer es trotz der gewollten Konditionierung des Wissenschaftsnachwuchses durch das Studium geschafft hat und immer noch Tierversuche ablehnt und ohne diese forschen will, muss auch in seiner weiteren beruflichen Laufbahn mit Einschränkungen rechnen.

Allerdings eröffnen sich in der aufstrebenden tierversuchsfreien Forschung zunehmend neue Karrieremöglichkeiten.

Wolf Singer rechtfertigt Tierversuche damit, dass die Alternative wäre, an Menschen zu experimentieren. Das aber wäre ethisch ausgeschlossen. Und Gewebekulturen eigneten sich nicht, um die Funktion von Organen zu erforschen. Was entgegnen Sie dieser Aussage?

Gerade wegen der fehlenden Übertragbarkeit von im Tierversuch erlangten Erkenntnissen auf den Menschen wird dieser zu einem Versuchsobjekt mit unwägbarem Risiko für Leib und Leben!

Die Vielzahl der inzwischen entwickelten Methoden einer tierversuchsfreien Forschung eignen sich sehr wohl zu der Erforschung von Organfunktionen.

Wenn man hierbei auf menschliche Zellen und Gewebe zurückgreift, die z. B. bei Operationen als „Abfall“ anfallen, hat man das Problem der Übertragbarkeit nicht.

Was nutzt es, wenn man Erkenntnisse über Organfunktionen gewinnt, wenn es Organe der falschen Spezies sind?

Die Abschaffung von Tierversuchen als einem nicht nur zutiefst unethischen, sondern auch völlig ungeeigneten Konzept der biomedizinischen Forschung ist nicht nur ein Beitrag zum Tierschutz, sondern letztlich ein Beitrag zur Verbesserung der Sicherheit und Wirksamkeit von Arzneimitteln und damit zum Schutz von Patienten.

 Was wäre die Alternative zu Tierversuchen?

Trotz nur sehr geringer finanzieller Förderung und umständlicher langjähriger Zulassungsverfahren konnte eine Vielzahl tierversuchsfreier Forschungsmethoden entwickelt werden.

Dazu gehören

  • Zellkulturen mit menschlichen Zellen
  • Forschung an induzierten pluripotenten Zellen-
  • Biochips (Microorganoide), bei denen auf kleinstem Raum wenige lebende menschliche Zellen aufgebracht sind, die in jeweils organtypischer dreidimensionaler Anordnung die Funktion von Organen abbilden und simulieren
  • Menschliche Blutzellen und Antikörper aus Bakterienphagen
  • Chromatographische Verfahren
  • Computermodelle (QSAR) mit denen auf der Grundlage der Molekularstruktur einer Substanz ihre wahrscheinliche Wirkung errechnet wird
  • Bildgebende Verfahren wie die funktionelle Magnetresonanz-Tomographie
  • Simulatoren zur Einübung chirurgischer Verfahren
  • Microdosing
  • Epidemiologische Studien
  • Klinische Studien, die auf sorgfältiger wissenschaftlich fundierter Beobachtung von unter Therapie stehenden Patienten durch ihre behandelnden Ärzte beruhen. (Dr. Utz Anhalt)