Infektion im Krankenhaus: Mediziner nehmen Reinigungskräfte im Visier

Sebastian
Krankenhaus-Infektionen: Ärzte fordern bessere Aufklärung von Patienten und Personal

Im Krankenhaus gibt es keine vollständig keimfreien Bereiche – auch nicht im OP. Experten zufolge ist ein Illusion zu glauben, dass man mit besseren Hygienemaßnahmen tatsächlich einen Zustand ohne Erreger erreichen könnte. Dennoch kann die Keimbelastung durch einfache Hygieneregeln deutlich verringert werden. Gefährlich wird es für die Patienten insbesondere, wenn multiresistente Keime auftreten, gegen die kaum ein Antibiotikum wirksam ist. Im Uni-Klinikum Greifswald versuchten die Ärzte über Wochen nach einer solchen Infektionsquelle. Wie sich herausstellte war es ein Putzlappen der Reinigungskolonne.

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Multiresistente Keime im Krankenhaus können schwere Infektionen verursachen
Immer wieder kommt es zu schweren Infektionen in deutschen Krankenhäusern. Meist sind multiresistente Keime die Verursacher der zum Teil tödlichen Krankheitsverläufe. Viele Menschen tragen die Erreger in sich, gefährlich werden sie aber nur bei Patienten mit geschwächtem Immunsystem wie etwa nach Operationen oder bei chronischen Krankheiten. Deshalb fordern Ärzte, Patienten und Beschäftigte besser über Hygienemaßnahmen aufzuklären und deren Einhaltung durchzusetzen. Claus-Dieter Heidecke, Direktor der Klinik für Chirurgie an der Universitätsmedizin Greifswald, verweist deshalb im Gespräch mit der Nachrichtenagentur „dpa“ auf die Grundregeln der Hygiene.

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Laut der Deutschen Gesellschaft für Chirurgie (DGCH) erkranken „jährlich rund 500.000 Menschen hierzulande an einer Infektion durch Keime, mit denen sie sich im Krankenhaus angesteckt haben.“ 15.000 Betroffene sterben jedes Jahr daran. Dabei wäre „etwa jede dritte Infektion“ der DGCH zufolge vermeidbar. Besonders besorgniserregend ist die steigende Zahl multiresistenter Erreger. „Wir haben praktisch keine Waffe gegen solche Keime in der Hand“, so Peter Vogt, Kongresspräsident der DGCH, gegenüber der Nachrichtenagentur. Heidecke zufolge müsse bereits vor der Aufnahme eines Patienten in eine Klinik mit der Vorbeugung begonnen werden. In Greifswald gebe es dafür Fragebögen. Stelle sich dabei heraus, dass ein Patient einen Risikofaktor erfülle, würden entsprechende Untersuchungen und Behandlungen veranlasst und notfalls auch Operationen verschoben.

Quelle der Erreger war ein Putzlappen
„Patienten müssen in das Problem eingenordet werden. Sie müssen wissen: Es gibt im Krankenhaus keinen keimfreien Bereich“, erläutert Heidecke, der auch Präsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemein- und Viszeralchirurgie ist. „Einfache Maßnahmen wie das Desinfizieren von WC-Sitz, Händen und Türklinken vor und nach jedem Toilettengang können die Gefahr einer Ansteckung deutlich reduzieren.“ Zudem sollten die Patienten Ärzte und Pflegepersonal ansprechen, wenn ihnen Hygienemängel auffielen.

Kommt es zu Infektionen, muss nach der Quelle der Erreger gesucht werden. In einem Fall sei ein Keim in die Klinik eingeschleppt worden, mit dem sich „nur“ zehn Patienten angesteckt hätten, so Heidecke. Der Erreger sei „sehr hartnäckig gewesen“ und war etwa in Lüftungsanlagen lange nachweisbar. „Wir haben wochenlang rumgeeiert, um herauszufinden: Es war die Putzkolonne, die immer denselben Lappen genommen hat.“

Vom 28. April bis zum 1. Mai 2015 findet der 132. Kongress der DGCH in München statt. Dann diskutieren rund 5.000 Mediziner unter anderem über das Thema multiresistente Keime. (ag)

Bild: Sebastian Karkus / pixelio.de

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