Ärzte verschreiben oft unnötig Antibiotika

Fabian Peters

Ärzte verschreiben oft unnötig Antibiotika.

(12.09.2010) Antibiotika verlieren mehr und mehr ihre Wirkung, da viele Ärzte zu leichtfertig mit ihrem Einsatz umgehen und etliche Erreger daher bereits Resistenzen gegen die gängigsten Antibiotika entwickelt haben. So werden immer häufiger Reserveantibiotika verschrieben, die nur eingesetzt werden sollen, wenn keine anderen Antibiotika mehr wirken. Mit der Konsequenz, dass auch gegen die Reserveantibiotika manche Multiresistente-Erreger heute bereits immun sind.

Das ARD Magazin „Plusminus“ hat den Einsatz von Antibiotika bei deutschen Ärzten genauer unter die Lupe genommen, indem testweise gesunde Frauen zum Arzt geschickt wurden und die Symptome einer Blasenentzündung angaben. Dabei verschrieben 60 Prozent der Ärzte unnötigerweise Antibiotika, sogar wenn Urinproben genommen wurden, die ein negatives Ergebnis aufwiesen. Manche Ärzte verordneten auch direkt Reserveantibiotika, wobei dies vor dem Hintergrund der wachsenden Zahl Multiresistenter-Erreger besonders kritisch zu bewerten ist.

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So kommt der Infektionsspezialist Dr. Alexander Friedrich von der Universitätsklinik Münster zu dem Schluss, dass "die Wunderwaffe Antibiotika stumpf“ wird und bereits einfache Infektionen in Zukunft nicht mehr behandelt werden können. Wenn sich nicht grundlegend etwas ändert, werden wir nach Ansicht des Experten fortan auf die Wunderwaffe Antibiotika gänzlich verzichten müssen. Und auch die Krankenkassen sehen die Entwicklung mit wachsender Sorge. Zum Beispiel warnt WIdO, das wissenschaftliche Institut der AOK, aktuell davor, zu Beginn des Herbstes massenhaft Antibiotika zu verschreiben. Denn bei 80 Prozent der Erkältungskrankheiten werden, nach Angaben des Instituts, von deutschen Ärzten Antibiotika verordnet, obwohl Erkältungen meist Virusinfektionen sind, bei denen Antibiotika ohnehin nicht helfen.

Die Entwicklung Multiresistenter-Erreger wird durch ein solches Vorgehen extrem begünstigt, so dass die Fachleute dringenden Handlungsbedarf auf Ebene der Gesundheitspolitik sehen. Es sind umgehend Regelungen in Form von Gesetzen zu entwerfen, um Ärzten den richtigen Umgang mit Antibiotika vorzuschreiben, so auch die Aussage von Dr. Alexander Friedrich. Die entsprechende Reportage des „plusminus“-Magazins wird am 14 September 2010 um 21.50 Uhr bei der ARD ausgestrahlt. (fp)