Ärzte verschreiben zu viele Antibiotika im Winter

Sebastian

Ärzte verschreiben zu viele unnötige Antibiotika im Winter

10.02.2011

Der Winter ist die Hochsaison für Antibiotika. Dabei sind die Arzneimittel bei einfachen Erkältungen oder Grippeviren wirkungslos. Trotzdem verschreiben viele Ärzte antibiotische Medikamente gegen Grippe und Schnupfen.

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Nach Angaben der Krankenkasse DAK werden im Winter die meisten Antibiotika-Arzneien verschrieben. Laut einer Auswertung der Krankenkasse werden während der Erkältungsphase die Medikamente schnell als „Altzweckwaffe“. Sehr wahrscheinlich in vielen Fällen auch unnötig, denn: „Vermutlich werden die Medikamente immer noch gegen Grippe oder Erkältungen eingesetzt“, sagt Dr. Stefanie Schellhammer, Expertin bei der DAK. „Doch gegen Grippe ist ein Antibiotikum meist machtlos.“

Antibiotika nur bei bakteriellen Infektionen
Immer wieder kritisieren Gesundheitsexperten und Naturheilkunde Therapeuten den geradezu inflationären Gebrauch von Antibiotika-Medikamenten. Denn die antibiotischen Arzneimittel sind bei Grippeviren völlig wirkungslos und schädigen zusätzlich die Darmflora im erhöhten Maße. Der Körper benötigt zur Abwehr der Viren seine ganze Kraft. „Viren lassen sich sehr schwer bekämpfen. Am besten gelingt es den eigenen Zellen, die Viren zu töten“, sagt Dr. Schellhammer. „Schnupfen und Husten alleine verlaufen meist mild. Medikamente, die die Symptome lindern, und Hausmittel sind meist ausreichend; Antibiotika helfen nur bei bakteriellen Infektionen.“

Resistenzbildung durch inflationären Gebrauch
Ein häufiger Gebrauch von Antibiotika schädigt nicht nur den Organismus sondern führt zu Bildung von Resistenzen. Denn: „Eine häufige Anwendung von Antibiotika schädigt gesunde Bakterien und hilft anderen, Resistenzen zu bilden“, erklärt die DAK-Expertin. „Je häufiger die Arzneien eingesetzt werden, desto eher passen sich die Bakterien an und werden unempfindlich gegen die Medikamente.“

Die Vergabe von Antibiotika sollte deshalb genau überdacht werden. Liegt die Gefahr einer zusätzlichen bakteriellen Infektion vor, so kann die zusätzliche Gabe von Antibiotika durchaus sinnvoll sein. Das betrifft vor allem Patienten, mit einer chronischen Vorerkrankung. „Für chronisch Kranke und immun geschwächte Patienten kann der Einsatz von Antibiotika bei starken Erkältungen angebracht sein“, sagt Dr. Schellhammer. „Schon um Komplikationen und eine zusätzliche bakterielle Erkrankung, wie eine Lungenentzündung, zu verhindern.“ Alle anderen können in Absprache mit ihrem behandelnden Arzt ruhig zu Hausmitteln der Naturheilkunde greifen. Es gibt zahlreiche Anwendungen, die die Beschwerden eines Schnupfens oder einer leichten Grippe lindern können. Lesen Sie dazu: Hausmittel gegen Schnupfen. (sb)