Ärzte: Wespenstiche können bei Allergie sogar zum Tode führen

Fabian Peters
Für Allergiker können Wespenstiche schnell lebensbedrohlich werden
Aufgrund des relativ milden Winters sind dieses Jahr besonders viele Wespen unterwegs. Ein Stich ist für die meisten Betroffenen zwar schmerzhaft, aber keineswegs geährlich. Anders stellt sich die Situation laut Mitteilung des Frankfurter Universitätsklinikums bei Allergikern dar. Sie zeigen schlimmstenfalls eine lebensbedrohliche systemische Reaktion, berichtet das Universitätsklinikum.

Ob ein Wespenstich gefährlich ist, hängt einerseits von der Lokalisation und anderseits von der Reaktion des Organismus auf das Insektengift ab. Erfolgt beispielsweise ein Stich in den Hals oder in den Rachenraum, können die Atemwege zuschwellen und es droht ein Tod durch Erstickung. Weit häufig wird ein Wespenstich allerdings aufgrund einer systemischen Reaktion auf das Gift problematisch und nicht wegen seiner Lokalisation. Das statistischen Bundesamt verzeichne jährlich rund 20 Todesfälle nach Stichereignissen, so die Mitteilung des Frankfurter Universitätsklinikums. „Allerdings ist die Dunkelziffer wahrscheinlich deutlich höher, weil nicht in allen Fällen der Stich als Todesursache erkannt wird“, so die Oberärztin der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie am Frankfurter Universitätsklinikum, Dr. Eva Valesky.

Wasp. (Paravespula germanica)
Wespenstiche sind meist harmlos, können jedoch bei Allergikern lebensbedrohlich werden

Stiche der Honigbienen und Faltenwespen besonders gefährlich
„Zahlreiche Insekten können durch ihren Stich örtliche oder systemische Reaktionen verursachen“, berichten die Experten des Frankfurter Universitätsklinikums. Am häufigsten würden klinisch relevante Reaktionen allerdings durch die Stiche der Honigbiene und der Faltenwespe ausgelöst. Sehr viel seltener seien bei anderen Insekten wie Hummeln, Hornissen, Mücken, Ameisen oder auch Bremsen klinisch relevante Stichreaktionen zu beobachten. Aufgrund des milden Winters und anfangs trockenen Sommers seien in diesem Jahr sehr viele Wespen unterwegs, so dass vermehrt Stiche auftreten, berichtet das Universitätsklinikum weiter. Ein Stich könne für Allergiker tödlich enden.

Systemische Reaktionen machen Wespenstiche gefährlich
Derzeit müssen laut Angaben des Universitätsklinikums viele Menschen ins Krankenhaus eingeliefert werden, weil sie allergisch auf einen Wespenstiche reagieren. In einigen Fällen bestehe Lebensgefahr. „Damit der Gestochene und andere Personen im Umfeld korrekt reagieren, muss die Wirkung des Stiches richtig eingeordnet werden“, so das Klinikum weiter. „Ob ein Stich für Menschen wirklich gefährlich ist, hängt ganz zentral von der Art der körperlichen Reaktion ab“, betont Dr. Valesky. Hier sei es „sehr wichtig, örtliche Reaktionen – auch wenn sie stärker sind als normal – von einer sogenannten systemischen Reaktion zu unterscheiden.“ Bei örtlichen Reaktionen ist das Risiko laut Dr. Gösta Lotz, Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie in Frankfurt, gering und diese müssen nicht ärztlich versorgt werden. „Kommt es zu einer Anaphylaxie, also einer Reaktion des Immunsystems auf das Insektengift, die den gesamten Organismus betrifft“, muss jedoch laut Aussage des Experten umgehend ein Notarzt eingeschaltet werden.

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Sofortmaßnahmen nach einem Wespenstich
Betroffen von einer Insektenstichallergie, die zu systemischer Reaktion auf Insektenstiche führt, sind in der Allgemeinbevölkerung rund 1,2 bis 3,5 Prozent“, berichtet das Universitätsklinikum. Demnach kann ein Wespenstich für bis zu drei Millionen Deutsche äußerst gefährlich werden. Zudem seien bei mehr als einem Viertel der Bevölkerung „gesteigerte örtliche Reaktionen“ nach einem Wespenstich festzustellen. Bei einer örtlichen Reaktion treten laut Aussage der Experten Schwellungen und Rötungen auf. Hier reiche in der Regel ein feuchter Umschlag als Hausmittel aus. Gegebenenfalls könne auch eine Cortison-Creme eingesetzt werden. Zudem seien Thermostifte eine mögliche Behandlungsalternative. Ihre Wärmeeinwirkung neutralisiere das Insektengift und vermindere dadurch das Anschwellen sowie den damit verbundenen Juckreiz.

Bei allergischen Reaktionen umgehend den Notarzt kontaktieren
Zeigen die Gestochenen Anzeichen einer Anaphylaxie, muss laut Aussage der Experten umgehend der Rettungsdienst alarmiert werden. „Besitzt der Patient ein Notfallset für Allergien, muss dies eingesetzt werden“, erläutert Dr. Lotz. Zudem seien „bis zum Eintreffen des Notarztes Erste-Hilfe-Maßnahmen durchzuführen, im Extremfall bis hin zur Wiederbelebung.“ Sobald der Notarzt eintrifft, wird dieser das Stufenschema der Anaphylaxie-Therapie anwenden, berichtet der Mediziner weiter. Hierzu gehöre zunächst das Schaffen venöser oder intraossärer Zugänge, also in die Knochenmarkshöhle. Durch diese Eintrittswege können anschließend Adrenalin, Sauerstoff, Antihistaminika und andere Mittel verabreicht werden. „Nach der Akutbehandlung muss der Patient in ein geeignetes Krankenhaus gebracht werden, in dem alle notwendigen Methoden der Intensivmedizin und des erweiterten Atemwegsmanagements zur Verfügung stehen“, erläutert Dr. Lotz. „Im Anschluss an einen solchen Vorfall darf es aber nicht bei der Akutversorgung bleiben, sondern später soll eine weitergehende Diagnostik erfolgen“, so das Fazit des Experten.

Prävention und langfristige Behandlung
Die Insektengiftsensibilisierung beziehungsweise Allergie wird laut Mitteilung des Universitätsklinikums über Haut- und Bluttests nachgewiesen, um das individuelle Anaphylaxie-Risiko zu ermitteln. Auf Basis der gewonnenen Erkenntnisse könnten Betroffene gemeinsam mit den Ärzten über Prävention und längerfristige Therapien entscheiden. Für den Fall, dass es wieder zu einem Stich kommt, gebe es zum Beispiel Notfallsets als Selbsthilfemaßnahmen. Langfristig könne eine spezifische Immuntherapie durch den Allergologen über einen Zeitraum von fünf Jahren helfen. Den Erfolg dieser Therapie überprüfen die Mediziner am Universitätsklinikum im abgesichertem Rahmen – „durch eine gezielte Lebendstichprovokation in der Klinik für Dermatologie, Venerologie und Allergologie unter notfallmedizinischen Bedingungen in Kooperation mit der Klinik für Anästhesiologie, Intensivmedizin und Schmerztherapie“, berichtet Dr. Valesky. (fp)

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