Ärzte: Wie kommt es zu einer Lungenembolie?

Fabian Peters
Die Lungenembolie entsteht durch verstopfte Blutgefäße in der Lunge
Eine Lungenembolie ist ein akutes Beschwerdebild, das durch die Verstopfung der Lungenarterien verursacht wird. Dies geschieht meist durch Blutgerinnsel, die sich in den Bein-oder Beckenvenen gebildet haben und anschließend mit dem Blutstrom Richtung Lunge transportiert werden. Hier verschließen die Blutgerinnsel ein oder mehrere Lungenblutgefäße, was schlimmstenfalls innerhalb kurzer Zeit lebensbedrohlich werden kann. Jährlich sterben laut Angaben der Deutschen Gesellschaft für Angiologie – Gesellschaft für Gefäßmedizin e. V. (DGA) in Deutschland mehr als 100.000 Menschen an den Folgen eine Lungenembolie.

Der Verschluss in den Lungenblutgefäß wird meist durch ein Blutgerinnsel bedingt, kann jedoch auch durch Luft, Fett, Tumore oder Fremdkörper verursacht werden. Dies ist allerdings nur bei sehr wenigen Betroffenen der Fall. Abhängig von der Größe des Gefäßverschlusses sind unterschiedlich große Bereich von der Durchblutung abgeschnitten und entsprechend variiert das Gesundheitsrisiko. Während kleinere Verstopfungen auch symptomlos bleiben können, führen größere Blutgerinnsel nicht selten zum Herzstillstand. Hinweise auf eine Lungenembolie können plötzlich einsetzende Atemnot, Schmerzen im Brustkorb, ein Engegefühl in der Brust, Herzrasen sowie Husten und blutiger Auswurf sein. Auch Fieber ist mitunter feststellbar.

(Bild: bilderzwerg/fotolia.com)
Die Lungenembolie wird durch eine Verstopfung der Lungenblutgefäße hervorgerufen, welche ihrerseits meist auf die Ablagerung eines Blutgerinnsels zurückgeht. (Bild: bilderzwerg/fotolia.com)

Risikofaktoren für eine Lungenembolie
Ein erhöhtes Risiko der Lungenembolie ist in erster Linie bei sämtlichen Erkrankungen festzustellen, die Blutgerinnsel in den Venen begünstigen. Aber auch während der Schwangerschaft und bei Einnahme der Antibabypille steigt das Erkrankungsrisiko. Zudem sind Patienten mit chronischen Herz-Kreislaufkrankheiten besonders gefährdet, ebenso wie Patienten mit chronischen Erkrankungen der Lunge. Nicht zuletzt ist Bettlägerigkeit und langes Sitzen (beispielsweise bei weiten Flugreisen) ein Risikofaktor. Präventiv können zum Beispiel Stützstrümpfe helfen, aber auch einen medikamentöse Vorbeugung mittels blutverdünnender und gerinnungshemmender Arzneien ist hier unter Umständen geboten. Zur Behandlung der Lungenembolie werden meist sogenannte Thrombolytika eingesetzt, mit denen das Blutgerinnsel (Thrombus) aufgelöst werden soll. Anschließend erfolgt über den Zeitraum von mindestens zwei Monaten eine medikamentöse Folgebehandlung mit Gerinnungshemmern, um die erneute Bildung eines Blutgerinnsels zu vermeiden.

Bei Hinweisen auf eine Lungenembolie sofort reagieren
Den Angaben der Deutschen Gesellschaft für Angiologie zufolge ist die Anzahl der Thrombosen und der damit einhergehenden Komplikation in Form der Lungenembolie in den letzten Jahren gestiegen. Dieses auch als venöse Thromboembolie (VTE) bezeichnete Krankheitsbild betreffe jährlich rund 1,5 pro 1.000 Einwohnern. Allein in Deutschland sei nach Hochrechnungen von bis zu 100.000 Todesopfer pro Jahr auszugehen, europaweit würden jährlich über 500.000 Menschen an den Folgen der venöse Thromboembolie versterben. Dies seien „mehr als durch Verkehrsunfälle, AIDS, Brust- und Prostatakrebs zusammen.“ Das Risiko ist demnach keinesfalls zu unterschätzen. „Herzrasen, Atemnot und Brustschmerz deuten auf eine mögliche Lungenembolie hin. Bei derartigen Beschwerden sollte sofort ein Arzt aufgesucht oder ein Rettungswagen gerufen werden“, betont Professor Dr. Rupert Bauersachs, Direktor der Klinik für Gefäßmedizin – Angiologie am Klinikum Darmstadt und wissenschaftlicher Leiter des Aktionsbündnis Thrombose, in der aktuellen Pressemitteilung der DGA. (fp)