Ärzte: Zecken vorsichtig mit Pinzette entfernen

Fabian Peters

Zecken entfernen

Ärzte warnen: Zecken vorsichtig mit Pinzette entfernen

10.05.2011

Zecken zählen aufgrund des Übertragungsrisiko von Borreliose und Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) zu den gefährlichsten Tieren Deutschlands. Um das Infektionsrisiko nach einen Zeckenbiss zu minimieren, sollten die anhaftenden Tiere möglichst umgehend mit einer schmalen Pinzette oder einer sogenannten Zeckenzange entfernt werden, warnte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte (BVKJ).

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Aufgrund des erhöhten Zeckenbiss-Risikos sollte nach einem Aufenthalt im Freien dringend der ganze Körper nach anhaftenden Zecken abgesucht werden, mahnen Gesundheitsbehörden und Mediziner seit das Wetter ein wenig wärmer geworden ist. Dabei sind vor allem die weichen Hautfalten der Kniekehlen, Achseln und Leistengegend, in denen sich die kleinen Blutsauger vorzugsweise festbeißen, besonders gründlich zu kontrollieren. Anhaftende Tiere sollte bei einem Zeckenbiss laut BVKJ am besten mit einer schmalen Pinzette umgehend entfernt werden. Denn in den ersten Stunden nach dem Zeckenbiss ist das Übertragungsrisiko möglicher Krankheiten noch relativ gering.

Zecken mit schmaler Pinzette vorsichtig entfernen
Der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte empfiehlt Eltern, die einen Zecke bei ihrem Kind entdecken, diese mit einer schmalen Pinzette möglichst zeitnah zu entfernen. Dabei sollten die Eltern laut Ulrich Fegeler vom BVKJ in Köln die Haut im Bereich der Zecke vorsichtig dehnen, anschließend am besten mit einer speziellen Kunststoffpinzette die Zecke im Kopfbereich fassen (so dicht wie möglich über der Haut) und sie dann senkrecht, ohne Drehungen, vorsichtig herausziehen. Die Einstichstelle ist nach dem Entfernen der Zecke gründlich zu desinfizieren, erklärte Fegeler. Sollte es nicht gelingen die Zecke vollständig zu entfernen und es bleiben Reste in der Wunde stecken, ist aufgrund des Risikos einer Entzündung in jedem Fall ein Arzt aufzusuchen, erklärte der Fachmann. Bei dem Entfernen der Tiere ist Fegeler zufolge außerdem darauf zu achten, dass der Körper der Zecke nicht gequetscht oder gedrückt wird, da ansonsten die Zecken ihren Mageninhalt mitsamt der enthaltenen Krankheitserreger in die Wunde abgeben und so das Infektionsrisiko erheblich erhöht wird. Gleiches gilt für die Behandlung mit Alkohol, Feuer, Klebstoff oder Öl, warnte der Experte.

Zecken übertragen Borreliose und FSME
Zecken können sowohl Borreliose als auch die Frühsommer-Meningoenzephalitis übertragen, wobei die FSME-Viren bereits unmittelbar nach dem Stich in die Wunde abgegeben werden können, während die Borreliose auslösenden Bakterien erst nach 12 bis 24 Stunden übertragen werden, erklärte der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte. Generell sollte nach einem Zeckenbiss die Einstichstelle in den anschließenden Tagen genau beobachtet werden, da eine mögliche Entzündung oder Borreliose-Erkrankung häufig bereits an der Wunde erkennbar wird. So ist ein roter, sich ausbreitender Fleck um die Bisswunde herum ein typisches Anzeichen für Borreliose und es sollte dringend ein Arzt hinzugezogen werden, erklärten die Experten des BVKJ. Gleiches gilt,wenn in den Tagen nach dem Zeckenbiss grippeähnliche Symptome auftreten, denn sowohl eine Borreliose-Infektion als auch auf eine Frühsommer- Meningoenzephalitis sind im Anfangsstadium durch entsprechende Symptome gekennzeichnet.

Gesundheitliche Risiken durch die Übertragung von FSME und Borreliose
Das gesundheitliche Risiko der durch Zecken übertragenen Krankheiten sollte keinesfalls unterschätzt werden, da bei Borreliose und FSME erhebliche Langzeitfolgen drohen, warnten die Experten. So erklärte Dr. Reinhard Kaiser, Chefarzt der Neurologie an der Städtischen Klinik Pforzheim auf einer Presskonferenz der Universität Hohenheim Ende März, dass bei FSME auf die anfänglich eher harmlosen grippeähnliche Symptome wie Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen häufig erhebliche gesundheitliche Beschwerden, wie Lähmungen, Atemprobleme, Bewusstseinsstörungen oder Sprach- und Gleichgewichtsstörungen folgen. Dr. Kaiser zufolge leidet „die Hälfte der Patienten (…) auch zehn Jahre nach der Infektion an Lähmungen, Atemschwäche, Gleichgewichtsstörungen oder Schluck- und Sprechstörungen“. Der Fachmann zitierte außerdem aus einer Studie bei der 30 Prozent der Studienteilnehmer binnen zehn Jahren an den Folgen der Frühsommer-Meningoenzephalitis verstarben. Um das Risiko einer FSME-Infektion nach einem Zeckenbiss grob abzuschätzen, hilft den Betroffenen meist schon ein Blick auf die sogenannten Zeckenkarten, in der sämtliche Risikogebiete relativ detailliert erfasst sind. Denn das Risiko einer FSME-Übertragung ist längst nicht überall gleich groß und in einigen Regionen kann dieses nahezu ausgeschlossen werden. Wer das Risiko einer FSME-Infektion von vornherein vermeiden möchte, kann sich außerdem durch eine entsprechende Impfung schützen, wobei mögliche Nebenwirkungen jedoch nicht auszuschließen sind.

Chronische Borreliose als erhebliche Belastung für die Gesundheit
Borreliose lässt sich anders als FSME relativ effektiv mit Antibiotika behandeln, allerdings nur im Anfangsstadium der Erkrankung. Nimmt die Borreliose einen chronischen Verlauf, können mit Antibiotika kaum noch Behandlungserfolge erreicht werden. Da die Erkrankung häufig zu spät erkannt wird und die Erreger bei Diagnosestellung meist schon begonnen haben, im Körper zu streuen, sind die chronischen Formen der Borreliose jedoch relativ weit verbreitet. Für die Betroffenen bringt die chronische Borreliose neben den typischen Borreliose-Symptomen oft erhebliche Müdigkeits- und Erschöpfungsgefühle, Gelenk- und Gliederschmerzen sowie gelegentlich Sehstörungen und Herzproblemen mit sich. Dabei können die Borreliose-Erreger im chronischen Krankheitsstadium nicht nur weitere Organe, Gelenke und Muskeln sondern auch das zentralen und peripheren Nervensystem befallen. (fp)