Afgis: Warnung vor Gesundheits-Apps

Fabian Peters

Patienten sollten beim Download von Gesundheits-Apps einige wichtige Details beachten

05.11.2013

Der Markt der Gesundheits-Apps boomt. Hunderttausende Anwendungen für Smartphones und Tablets, die sich speziellen gesundheitlichen Aspekten widmen, sind mittlerweile in den App-Stores verfügbar. „Allerdings bringt der Einsatz dieser Technologie auch unkalkulierbare Risiken mit sich, weil es für Produzenten keine verbindlichen Vorgaben bei der Herstellung gibt“, warnt das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem (afgis) e.V. in einer aktuellen Pressemitteilung.

Tatsächlich haben die Gesundheits-Apps das Potenzial „die Gesundheitskompetenz zu steigern, den Patienten in den Behandlungsverlauf einzubeziehen und Einsparpotenziale, zum Beispiel durch Telemonitoring“, zu realisieren, so die Einschätzung der Experten des Peter L. Reichertz Institut für Medizinische Informatik der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH), der ZTG Zentrum für Telematik und Telemedizin GmbH, des afgis und der Initiative Präventionspartner. Zahlreiche verschiedene Anwendungen wie beispielsweise die App für den Erste-Hilfe-Notfall bei Vergiftungen oder die Migräne-App für Smartphones bieten den Patienten schon heute umfassende Hilfestellung. Auch Apps für Hobbysportler sind im Trend. Allerdings sollten sich die Anwender vor dem Download dringend von der Nützlichkeit und Vertrauenswürdigkeit der Apps überzeugen, berichtet das Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem.

Gesundheits-Apps bergen Unsicherheiten
Problematisch bei den Gesundheits-Apps ist nach Einschätzung der Experten, dass diese keinen verbindlichen Vorgaben bei der Herstellung unterliegen, solange sie von den Herstellern nicht als Medizinprodukte eingestuft werden. Ist letzteres der Fall, weil die Apps vom Anbieter zum Beispiel in Kombination mit einem Messgerät zur Erkennung beziehungsweise Therapie von Krankheiten ausgelobt werden, sind sie meldepflichtig und einem Prüfverfahren durch so genannte „benannte Stellen“ wie dem TÜV zu unterwerfen, erläutert Aktionsforum Gesundheitsinformationssystem. Erfasst werden diese Apps beim Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) und dem Paul-Ehrlich-Institut (PEI). Hier erfolgt auch eine Bewertung der Risiken. Da die meisten Gesundheits-Apps jedoch nicht als Medizinprodukt eingestuft werden, ist kein entsprechendes Verfahren erforderlich. Dies birgt für die Anwender eine gewisse Unsicherheit, da sich auch schwarze Schafe im Markt tummeln, die zum Beispiel lediglich auf die Daten der User scharf sind.

Wichtige Details vor dem Download überprüfen
Daher sollten die Anwender laut afgis einige Details beachten beziehungsweise überprüfen, bevor sie sich eine der derzeit rund 200.000 verfügbaren Gesundheits-Apps installieren. Als Informationen müssen den Usern unbedingt die „Angaben über den Hersteller (Impressum, Autoren, Aktualität der Daten), über das Produkt (Anwendungsbereich, Version, Nutzen, Größe, Sprache, Funktionalität, durchgeführte Tests und Studien, bekannte und behobene Störungen, Systemvoraussetzungen, Kosten), zum Datenschutz, zur Finanzierung (Quellen) und der Werbung (Grundsätze) vorliegen, betonen die Experten. Werden diese Mindestanforderungen nicht erfüllt, können die Anwender im Zweifelsfall beim Anbieter nachfragen. Auch könne das Studium vorliegender Erfahrungsberichte hilfreich sein.

Gesundheits-Apps können den Arztbesuch nicht ersetzen
Obwohl die Gesundheits-Apps durchaus eine sinnvolle Hilfestellung bei verschiedenen Erkrankungen bieten können, muss jedem Anwender klar sein, dass diese den Besuch beim Arzt nicht ersetzen können, sondern lediglich als Ergänzung zu den bestehenden Therapiemöglichkeiten zu bewerten sind. Allerdings erleichtern die Apps oftmals auch den Medizinern die Arbeit, indem sie beispielsweise eine Fernüberwachung der Patienten ermöglichen und damit im Ernstfall ein schnelleres Einschreiten möglich wird. Das in Zukunft noch deutlich mehr Gesundheits-Apps zum Download angeboten werden, ist schon heute absehbar. Um die User zu schützen, sollten sich die Experten jedoch tatsächlich intensiver mit der Frage beschäftigen, wie die Hersteller an gewisse Regeln gebunden werden können. Denn eine Weitergabe hochsensibler Patientendaten gilt es in jedem Fall zu vermeiden und nicht jeder User bringt hier die notwendige Vorsicht mit. (fp)

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