Afrikanisches Pfeilgift als wirksame Anti-Babypille für Männer

Alexander Stindt

Giftiges Pflanzenextrakt scheint zur Verhütung bei Männern geeignet zu sein

Bisher denken die meisten Menschen über sogenannten Antibabypille, dass diese Art der Verhütung ausschließlich für Frauen möglich ist. Aber schon seit längerer Zeit versuchen Mediziner eine Antibabypille für Männer herzustellen. Forscher nutzten jetzt für die Entwicklung einer solchen Pille für den Mann ein giftiges Pflanzenextrakt, welches traditionell von afrikanischen Kriegern zu Jagd eingesetzt wird.

Die Wissenschaftler der University of Minnesota in den USA stellten jetzt bei ihrer Untersuchung fest, dass ein von Kriegern in Afrika verwendetes traditionelles Pfeilgift zu Verhütung genutzt werden könnte. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der englischsprachigen Fachzeitschrift „Journal of Medicinal Chemistry“.

Wird es bald möglich sein eine Antibabypille für Männer herzustellen? (Bild: Wolfilser/fotolia.com)

Wird es in Zukunft eine Verhütungspille für den Mann geben?

Frauen haben viele verschiedene Optionen für orale Kontrazeptiva. Diese gelten als sicher, wirksam und reversibel. Trotz jahrzehntelanger Forschung haben Männer keine solche Option. Dies könnte sich in naher Zukunft ändern. Ein Pfeilgift aus Afrika, welches dort zur Jagd eingesetzt wird, könnte zur Entwicklung einer Verhütungspille für Männer führen.

Ouabain kommt auch im Körper von Säugetieren vor

Zwei Arten von afrikanischen Pflanzen bilden die giftige Verbindung namens Ouabain. Diese Verbindung wird auch im Körper von Säugetieren produziert, allerdings in niedrigeren Konzentrationen. Es wird von Medizinern angenommen, dass die Verbindung dem Körper hilft, den Blutdruck zu kontrollieren. Ärzte verschreiben manchmal kleine Dosen der Verbindung, um Herzinfarktpatienten zu behandeln.

Ouabain schränkt die Fruchtbarkeit bei Männern ein

Ouabain unterbricht die Passage von Natrium- und Calciumionen durch das Membranprotein. Frühere klinische Studien hatten bereits gezeigt, dass Ouabain die Fruchtbarkeit bei Männern einschränkt. Die Verbindung selbst ist jedoch aufgrund des Risikos einer Herzschädigung als Kontrazeptivum nicht geeignet, erläutern die Experten.

Wissenschaftler versuchen Ouabain-Analoga zu entwickeln

Viele Forscher und Mediziner, einschließlich jener von der University of Minnesota, haben sich zum Ziel gesetzt, sogenannte Ouabain-Analoga zu entwickeln. Diese chemischen Verbindung soll sich an das alpha4-Protein in Spermien binden, anstatt an Untereinheiten im Herzgewebe, erklären die Autoren der Studie.

Versuche an Ratten zeigten erste Erfolge

Durch die Entfernung einer Zuckergruppe aus dem Ouabain und die Ersetzung der Gruppe von Lactonen durch eine Gruppe von Triazolen haben die Forscher ein Derivat geschaffen, welches bei Ratten besonders gut sogenanntes alpha4-Protei in Spermien-Zellen einschließt. Wenn dieses Protein einmal gebunden ist, stört es die Fähigkeit der Zellen zu schwimmen, was ein wesentlicher Teil bei der Befruchtung eines Eies ist, sagen die Mediziner. Bei der Verbindung konnte in den Versuchen an Ratten keine Toxizität festgestellt werden.

Kontrazeptive Wirkung scheint reversibel sein

Die kontrazeptive Wirkung sollte reversibel sein, weil Alpha4 nur bei ausgereiften Samenzellen zu finden ist. Dies bedeutet, dass nach dem Absetzen der Behandlung mit dem Ouabain-Derivat produzierte Samenellen nicht betroffen sein sollten, erklären die Experten. (as)