Aids: Auch in Stuttgart mehr HIV-Neuinfektionen

Alfred Domke

Aids: Auch in Stuttgart steigen die HIV-Infektionen

11.08.2013

Das Thema Aids war für längere Zeit kein großes Thema mehr in der Öffentlichkeit. Nachdem jetzt aber die südafrikanische Schauspielerin Charlize Theron mit ihrem Kampf gegen die Immunschwächekrankheit Schlagzeilen gemacht hat und die Deutsche Aids-Stiftung ihren Jahresbericht vorlegte, ist die Thematik wieder in aller Munde. Auch in Stuttgart steigt die Zahl der Infektionen.

Stuttgart hinter Köln
Laut einer Erhebung der Deutschen Aids-Stiftung ist die Zahl der HIV-Neuinfektionen in deutschen Großstädten besonders hoch. Die meisten Neu-Infizierten gebe es in Köln. Stuttgart liegt mit 12,23 Personen pro 100.000 Einwohnern, die sich neu mit HIV infizierten, gleich dahinter. Alfons Stetter von der AIDS-Hilfe Stuttgart gab der „Stuttgarter-Zeitung“ einige Antworten zur Situation in der baden württembergischen Hauptstadt.

Zahl der Infizierten steigt
Stetter kann sich nicht eindeutig erklären, warum die Zahl der neu mit HIV-Infizierten in Stuttgart so hoch, höher noch als etwa in Berlin oder Hamburg ausfällt. Eine Erklärung, die er der „Stuttgarter Zeitung“ gegenüber äußerte: „Viele, die zum Beispiel schon zehn Jahre infiziert sind, lassen sich erst jetzt testen. Und viele, die sich in den Großstädten testen lassen, kommen aus dem Umland.“ Klar sei aber, das die Zahl der Neuinfizierten steigt.

Rund 80.000 HIV-Infizierte
Deutschlandweit lag die Zahl der Neuinfektionen jährlich noch bei 2.000 Personen, mittlerweile seien es 3.400. „Auch wir liegen bei einem Zuwachs von mehr als 50 Prozent. Aber das liegt auch daran, dass sich heute sehr viel mehr Menschen testen lassen als früher,“ so Stetter. Bundesweit gebe es rund 80.000 gemeldete Infizierte und auch die Dunkelziffer würde nicht viel höher eingeschätzt. Auf die Gesamtbevölkerung bezogen bedeute dies, dass etwa jeder Tausendste infiziert wäre. Für Stuttgart könne man von etwas mehr als 1.000 Infizierten im Stadtgebiet ausgehen, da die Dichte in einer Großstadt höher ist als auf dem Land.

Vergessen und Verdrängen
Dipl.-Theologe Stetter verwies auf die erhöhte Testbereitschaft. Musste man vor zehn Jahren noch davon ausgehen, mit der Erkrankung nicht mehr lange zu leben, so gebe es mittlerweile gute Therapiemöglichkeiten, falls HIV nach einer Infektion frühzeitig diagnostiziert werde. Allgemein sei es aber um das Thema eher still geworden und deshalb warnt der Experte: „Wenn HIV in der Öffentlichkeit unbemerkt bleibt, ist das ein evolutionärer Vorteil für das Virus. Und man weiß ja, dass man sich heute behandeln lassen kann. Das führt zu Vergessen und Verdrängen.“

Viele Betroffene bereits in Rente
Sozialarbeiter Stetter nahm auch Stellung zur Bedürftigkeit von HIV-Infizierten in Stuttgart: „Wir stellen viele Anträge auch bei der Aids-Stiftung für HIV-Positive in Not. In allen Beratungsstellen zusammen kommen da schon pro Jahr 100 Anträge zusammen. Das sind nicht wenige.“ Viele Betroffene, die zwar inzwischen gut therapiert würden, seien schon vor etlichen Jahren in Rente gegangen und leben oft von Transferleistungen.

Ein 16-jähriger Infizierter
Der Frauenanteil bei den Menschen, die sich mit HIV infizieren, liege bei etwa 20 Prozent. Allgemein seien die Betroffenen im Schnitt etwa 40 Jahre alt. Allerdings seien auch sehr junge Personen darunter, vor allem Schwule. So sei im vergangenen Jahr in Stuttgart auch ein 16-Jähriger darunter gewesen und dieses Jahr habe es schon mehrere Neuinfizierte mit Anfang 20 gegeben. „Es sind oft junge Leute, die lustig leben. Und die Lust kickt die Vernunft bekanntlich weg, wenn es um Sex geht.“

Charlize Theron im Kampf gegen Aids
Seit Anfang der 1980er Jahre, als Aids bekannt wurde, gibt es zahlreiche Mythen um die Krankheit, die teils gefährliche Ausmaße angenommen haben. Auch in Europa gibt es immer noch Menschen die die Immunschwächekrankheit als ein Problem von Homosexuellen und Drogenabhängigen abtun. Viel schwieriger ist jedoch die Situation in Afrika. So hatte der Präsident Südafrikas, Jacob Zuma einmal behauptet, er habe sich nach ungeschütztem Sex durch Duschen vor HIV geschützt. Die südafrikanische Oscar-Gewinnerin Charlize Theron relativierte jedoch in einem Interview mit der „Welt am Sonntag“ dessen Anschauungen: „Wenn jemand wie er Fehler eingesteht und nun eines der offensivsten Programme im Kampf gegen HIV anführt, ist das nicht weniger als ein Wunder. Dafür gebührt ihm Respekt.“ Die 37-Jährige betreibt mit Unterstützung des „Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria“ ihre eigen Hilfsorganisation „Charlize Theron Africa Outreach Project.“ (ad)

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