Aktuelle Studie: Adipositas beeinträchtigt das Erinnerungsvermögen

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Alexander Stindt
Zusammenhang zwischen hohem BMI und Störungen der Erinnerung festgestellt
Fettleibigkeit (Adipositas) ist ein Problem, das in der heutigen Zeit immer mehr Leute betrifft. Viele Menschen ernähren sich zu ungesund und bewegen sich viel zu wenig. Die Folgen davon sind, dass wir immer mehr zunehmen und schließlich sogar fettleibig werden können. Die Fettleibigkeit wirkt sich stark auf unsere Gesundheit aus, viele Folgeerkrankungen und schwere körperliche Probleme können durch Adipositas entstehen. Forscher fanden jetzt heraus, dass Fettleibigkeit sich sogar negativ auf unser Gedächtnis auszuwirken scheint.

Fettleibigkeit hat negative Folgen für die körperliche Gesundheit und das allgemeine Wohlbefinden. Diese Beeinträchtigungen sind schon seit Jahren bekannt. In einer neuen Studie stellten Wissenschaftler von der University of Cambridge jetzt allerdings fest, dass sich Fettleibigkeit nicht nur auf unseren Körper auswirkt. Auch unser Gehirn ist durch die Erkrankung betroffen. Fettleibigkeit kann zu einem schlechteren episodischen Gedächtnis führen. Die Experten veröffentlichten ihre Studie in der Fachzeitschrift „Journal of Experimental Psychology“.

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Adipositas stört bestimmte kognitive Aufgaben
Forscher von der University of Cambridge haben einen Zusammenhang zwischen Übergewicht und einem schlechten Gedächtnis festgestellt. Ein hoher Body-Mass-Index (BMI) könnte bei jungen Erwachsenen dazu führen, dass bestimmte kognitive Aufgaben gestört werden, sagen die Mediziner. Dadurch falle es Betroffenen schwerer, sich an vergangene Ereignisse zu erinnern. Die Wissenschaftler untersuchten in ihrer Studie fünfzig Probanden. Alle Testpersonen hatten ein Alter zwischen 18 und 35 Jahren und einen Body-Mass-Index von 18 bis 51. Ein BMI im Bereich von 18-25 wird als gesund betrachtet, bei einem BMI von 25 bis 30 sind wir übergewichtig, ein BMI über 30 gilt als fettleibig, erklären die Forscher. Die Erinnerung der Teilnehmer wurde durch eine „Schatzsuch-Aufgabe“ getestet. In dieser Aufgabe wurden die Probanden gebeten, bestimmte Gegenstände in einer Computersimulation zu verstecken. Danach wurden die Testpersonen befragt, welche Gegenstände sie versteckt hatten und wo sie diese Gegenstände versteckt hatten. Dabei konnte festgestellt werden, dass Menschen mit einem höheren Body-Mass-Index generell ein schlechteres Gedächtnis hatten, erläutern die Experten.

Menschen essen mehr, wenn sie durch Fernsehen oder Arbeit abgelenkt sind
Übergewicht und Adipositas sind ein schnell wachsendes Problem in unserer heutigen Zeit. Nach den neuesten Statistiken der Weltgesundheitsorganisation (WHO) waren mehr als 1,9 Milliarden Erwachsene im Jahr 2014 übergewichtig. Von diesen Menschen waren etwa 600 Millionen fettleibig. Insgesamt hat sich die Anzahl der Menschen mit Fettleibigkeit seit 1980 verdoppelt und wird voraussichtlich auch in den kommenden Jahrzehnten weiter stark steigen, vermuten die Mediziner. Wir müssen verstehen, was unseren Konsum beeinflusst und wie wir instinktiv unsere Ernährung regulieren können. Nur so können wir verhindern, dass sich die Fettleibigkeit weiter ausbreitet, sagt Dr. Lucy Cheke von der University of Cambridge. Wir neigen generell dazu, mehr zu essen, wenn wir durch Fernsehen oder durch unsere Arbeit abgelenkt sind. Dann gibt es auch noch Menschen, die viel essen wenn sie traurig sind, erläutert die Expertin.

Episodisches Gedächtnis kann unseren Hunger beeinflussen
Übergewicht wirkt sich insbesondere auf den Hippocampus aus. Dieser Bereich des Gehirns verknüpft Gedächtnis und Lernen. Außerdem ist der Bereich für unsere Entscheidungsfindung, Problemlösung und die Gestaltung der Emotionen zuständig, erklären die Wissenschaftler. Wenn Menschen ein schlechteres Gedächtnis haben, neigen sie dazu, öfter eine konsumierte Mahlzeit zu vergessen. Aus diesem Grund essen solche Menschen mehr und nehmen dann immer mehr an Gewicht zu, sagen die Experten. Besonders das episodische Gedächtnis ist wichtig, es ermöglicht uns, Ereignisse aus unserer Vergangenheit noch einmal zu durchleben. Es kann einen großen Unterschied machen, wie lebhaft wir uns noch an unsere letzte Mahlzeit erinnern. Wenn wir uns beispielsweise an unser heutiges Mittagsessen erinnern, wirkt sich das auf unseren späteren Hunger aus. So ist es möglich, dass unser Gedächtnis verhindert, dass wir zwischendurch zu einem Schokoriegel greifen, erläutert Dr. Cheke.

Übergewichtige Menschen können sich schlechter an vergangene Details erinnern
Wir sagen nicht, dass alle übergewichtigen Menschen vergesslicher sind. Aber wenn diese Ergebnisse über das Gedächtnis verallgemeinerbar sind, könnten übergewichtige Menschen schlechter in der Lage sein, sich lebhaft an Details vergangener Ereignisse zu erinnern, erläutern die Mediziner. Dazu können dann beispielsweise auch ihre vergangenen Mahlzeiten zählen. Unser Übergewicht könnte es also immer schwieriger machen, uns zu erinnern, was und wie viel wir gegessen haben. Dadurch wird es wahrscheinlicher, zu viel zu essen. Die Forscher vermuten, dass ein besseres Verständnis der Ursachen von Fettleibigkeit helfen kann, das Problem zu beseitigen. Dadurch würde ein großer Unterschied für unsere körperliche und geistige Gesundheit entstehen und dieser würde sich positiv auf unser gesamtes Wohlbefinden auswirken, sagen die Experten. (as)

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