Aktuelle Studie: Alzheimer in Zukunft anhand neuer Urintests feststellbar?

Alexander Stindt
Ein simpler Urintest könnte zu einer Verbesserung der Diagnose von Alzheimer führen
Viele Menschen in Deutschland leiden unter einer Alzheimer-Erkrankung, welche aber bisher sehr schwer nachzuweisen ist. Zudem ist eine Diagnose relativ aufwendig und belastet den Körper der Betroffenen stark. Forschern ist es jetzt gelungen, durch die Analyse einer Probe von Urin eine Diagnose für Alzheimer zu stellen. Durch solch eine Untersuchung könnten Betroffene in Zukunft bereits im frühen Stadium der Erkrankung identifiziert werden. So wird eine effektivere Behandlung von Alzheimer ermöglicht.

Forscher der Medizinischen Universität Tianjin in China haben jetzt festgestellt, dass Alzheimer im Urin nachgewiesen werden kann. Bisherige Methoden zur Diagnose belasten den Körper der Betroffenen stark, außerdem ist ein solches Verfahren noch sehr teuer. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer aktuellen Untersuchung im Journal of Alzheimer’s Disease.

Die Analyse von Urin könnte in Zukunft zu einer schnelleren und kostengünstigeren Diagnose von Alzheimer führen. (Bild: Gerhard Seybert/fotolia.com)

Menschen über 65 Jahre erkranken besonders häufig an Alzheimer
Die Alzheimer-Erkrankung (Morbus Alzheimer) ist eine sogenannte neurodegenerative Erkrankung, welche häufig erst im gehobenen Alter eintritt. Menschen im Alter über 65 Jahren stellen wahrscheinlich die Mehrheit der Betroffenen dar.

Welches Verfahren wurde bisher zur Diagnose von Alzheimer eingesetzt?
Für eine Diagnose von Morbus Alzheimer wird normalerweise ein sogenanntes bildgebendes Verfahren verwendet, welches die für Alzheimer typischen Ablagerungen identifizieren kann. Diese Ablagerungen werden auch als Plaques bezeichnet, sagen die Experten. Solche Tests haben aber einige Nachteile, sie sind nicht überall verfügbar und sind zudem sehr teuer. Außerdem belastet das Verfahren stark den Körper der Erkrankten, weil es mit radioaktiver Strahlung arbeitet, fügen die Wissenschaftler hinzu.

Forscher suchten nach einer nicht invasiven Form der Diagnose
Es ist auch möglich, die Teile der Ablagerungen und Abbauprodukte, welche typisch für den Prozess der Erkrankung sind, in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit der Erkrankten zu identifiziere, erläutern die Mediziner. Leider ist die Entnahme der Flüssigkeit ein ziemlich starker Eingriff für den Körper und bringt verschiedene gesundheitliche Risiken mit sich. Forscher suchen schon seit einer längeren Zeit nach Alternativen, welche eine günstigere und nicht invasive Form der Diagnose zur Verfügung stellen.

Das Protein AD7c-NTP kann im Urin auf Alzheimer hinweisen
Das Forscherteam aus China analysierte für eine neue Diagnosemethode eine weitere Möglichkeit, um Hinweise für eine drohende Erkrankung durch Alzheimer frühzeitig zu identifizieren. Dabei handelte es sich um den Urin der Betroffenen. Die Mediziner hatten festgestellt, dass sich im Urin das Protein AD7c-NTP nachweisen lässt, welches ein Auslöser für das Absterben von Nervenzellen und Fehlfunktionen der Mitochondrien ist. Dieses Protein ist außerdem im Gehirngewebe oder in der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit nachweisbar.

Mediziner untersuchen Urin von 30 Probanden
Bei ihrer Studie untersuchten die Wissenschaftler insgesamt 22 Teilnehmer, welche bereits unter einer leichten oder mäßigen Alzheimer-Erkrankung litten. So wollten die Experten herausfinden, wie zuverlässig eine Diagnose auf der Grundlage einer Urinprobe wirklich ist. Die dabei festgestellten Ergebnisse wurden dann mit den Daten von acht Probanden mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (LKB) verglichen. Die Mediziner untersuchten den Zusammenhang zwischen dem Protein AD7c-NTP im Urin und auftretenden Ablagerungen im Gehirn, klinischen Symptomen für Alzheimer oder einer leichten kognitiven Beeinträchtigung.

Laboranalyse errechnet Konzentration von AD7c-NTP
Besonderer Fokus lag auf der Feststellung der sogenannten Alzheimer-Plaques, sagen die Experten. Das bildgebende Verfahren dafür maß dabei die Menge der für eine Alzheimer-Erkrankung typischen Ablagerungen bei allen Teilnehmern. Später wurde im Labor bei einer Analyse des Urins die Konzentration des Proteins AD7c-NTP festgestellt. Die Mediziner untersuchten die Probanden außerdem auf erste Hinweise für eine Demenzerkrankung, wie beispielsweise Einschränkungen in der Denkleistung und auftretende Verhaltensauffälligkeiten. Dafür wurden zwei unterschiedliche Tests verwendet.

Forscher finden Ablagerungen bei knapp 64 Prozent der Probanden mit Alzheimer
Bei insgesamt 14 von 22 der Probanden mit Alzheimer-Erkrankung (63,6 Prozent) und zwei von acht Teilnehmern mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (25 Prozent) wurden die für Alzheimer typischen Ablagerungen festgestellt. Die Experten konnten außerdem beobachten, dass die Menge des Proteins AD7c-NTP im Urin höher war, wenn bei den Probanden die typischen Ablagerungen vorhanden waren, verglichen mit Patienten ohne solche Ablagerungen. Durch eine solche Analyse des Urins ließ sich feststellen, welche Menschen wahrscheinlich bereits an Alzheimer erkrankt waren und bei welchen Probanden eine solche Erkrankung keineswegs vorlag. Bei verschiedenen Tests der Denkleistung und psychiatrischen Untersuchungen gab es bis auf einen Wert allerdings keine Übereinzustimmung mit dem im Urin festgestellten Wert. Es konnte aber beobachtet werden, dass die bei Demenzpatienten häufig auftretende Unruhe auch bei einer hohen Konzentration von AD7c-NTP verstärkt nachweisbar ist.

Konzentration von AD7c-NTP im Urin ist eine gute Möglichkeit zur Vorhersage einer Alzheimer-Erkrankung
Die Konzentration des zu Nervenschäden führenden Proteins AD7c-NTP im Urin bildet eine gute Möglichkeit zur Vorhersage von den für Alzheimer typischen Ablagerungen im Gehirn. Diese Art von Untersuchung des Urins führt in Zukunft hoffentlich zu einer günstigen, schnellen und patientenfreundlichen Diagnosealternative, sagen die Forscher. Eine Verwendung der neuen Diagnose-Methode in Kliniken und Krankenhäusern könnte in Zukunft vielleicht auch Menschen in einem frühen Stadium der Erkrankung dabei helfen, die Krankheit effektiv zu erkennen und ihnen so schneller eine optimierte Behandlung zu ermöglichen.(as)