Aktuelle Studie: Schlafstörungen erhöhen das Demenz-Risiko

Alexander Stindt
Welche Rolle spielt ein gesunder Schlaf bei der Wahrscheinlichkeit Demenz zu entwickeln?
Kann unser Schlaf das Risiko beeinflussen, ob Menschen eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Demenz aufweisen? Forscher fanden jetzt heraus, dass die in der Nacht im sogenannten REM-Schlaf verbrachte Zeit beeinflusst, wie hoch das Risiko für die Entwicklung einer Demenz-Erkrankung ist.

Die Wissenschaftler der Swinburne University of Technology und der Boston University stellten bei ihrer aktuellen Untersuchung fest, dass eine verkürzte REM-Schlaf-Phase zu einem erhöhten Risiko für die Entstehung von Demenz führt. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Neurology“.

Ein gestörter Schlaf wirkt sich auf die Gesundheit, die Leistung und die Konzentration aus. Mediziner stellten jetzt fest, dass Schlafstörungen sogar Einfluss auf die Wahrscheinlichkeit für die Entwicklung von Demenz haben können. (Bild: Sven Vietense/fotolia.com)

Auswirkungen einer zu kurzen REM-Schlaf-Phase
Die Experten haben festgestellt, dass bei älteren Menschen eine Demenz-Erkrankung durch die Messung des sogenannten REM-Schlafes vorhergesagt werden kann. Wenn Menschen einen kürzeren REM-Schlaf haben, erhöht sich das Risiko für Demenz erheblich. Die neue Studie ergab, dass eine Zeitverkürzung des REM-Schlafes von nur einem Prozent dazu führt, dass Betroffene eine neunfach erhöhte Wahrscheinlichkeit für die Entstehung von Demenz aufweisen. Mit anderen Worten ist der REM-Schlaf ein Prädikator für eine Demenz-Erkrankung, erläutern die Forscher.

Was ist die REM-Schlaf-Phase?
Während der REM-Phase des Schlafes bewegen sich die Augen schneller und es liegt eine erhöhte Hirnaktivität vor. Außerdem schlägt der Puls schneller und die Atmung beschleunigt sich. Die sogenannte REM-Phase tritt gewöhnlich eine bis eineinhalb Stunden nach dem Einschlafen auf. Während der Nacht wiederholen sich die Zyklen des Schlafs, so wiederholt sich auch die REM-Phase.

Mediziner untersuchten ältere Probanden
Für ihre Studie untersuchten die Forscher insgesamt 321 Menschen mit einem Durchschnittsalter von 67 Jahren. Diese Probanden hatten an der Framingham Heart Study in den USA teilgenommen. Während der Untersuchung maßen die Mediziner die Schlafzyklen der Teilnehmer. Später wurden die Probanden dann für einen durchschnittlichen Zeitraum von zwölf Jahren medizinisch überwacht.

32 Probanden entwickeln während der Untersuchung Demenz
Während der Zeit der Nachfolgeuntersuchung wurde bei 32 Personen irgendeine Form von Demenz diagnostiziert. Bei 24 dieser Teilnehmer wurde eine Alzheimer-Erkrankung festgestellt. Die Demenz entwickelnden Probanden verbrachten durchschnittlich 17 Prozent ihrer Schlafzeit im REM-Schlaf, verglichen mit 20 Prozent bei den Menschen, die keine Demenz entwickelten, erläutern die Wissenschaftler.

Andere Schlafphasen sind nicht mit der Entwicklung von Demenz verbunden
Nach der Anpassung der Ergebnisse an Alter und Geschlecht fanden die Forscher heraus, dass ein niedrigerer Prozentsatz des REM-Schlafes und eine längere Zeit, um in das Stadium des REM-Schlafs zu gelangen, mit einem erhöhten Risiko von Demenz verbunden sind. Auch nach der Berücksichtigung von anderen Faktoren, welche Auswirkungen auf das Demenz-Risiko oder den Schlaf haben, wie beispielsweise Faktoren für Herzerkrankungen, Symptome für Depressionen oder die Verwendung von Medikamenten, waren die Ergebnisse immer noch ähnlich, erläutern die Mediziner. Es konnte außerdem festgestellt werden, dass die anderen Stadien des Schlafes nicht mit einem erhöhten Risiko für Demenz verbunden waren.

Welche Schlafphasen gibt es?
Der REM-Schlaf ist das fünfte Stadium des Schlafes und diese Phase tritt vor dem Träumen ein. Schlaf wird in die folgenden Phasen aufgeteilt:
– Phase Eins: Leichter Schlaf
– Phase Zwei: Der Körper beginnt sich auf den Tiefschlaf vorzubereiten
– Phase Drei: Tiefschlaf
– Phase Vier: Tiefschlaf
– Phase Fünf: REM-Schlaf

Viele Menschen mit Demenz leiden unter Schlafstörungen
Schlafstörungen sind weitverbreitet bei Menschen mit Demenz. Bisher war allerdings wenig bekannt über die verschiedenen Stadien des Schlafes und deren Rolle bei der Entstehung von Demenz, fügen die Experten hinzu. Die Wissenschaftler haben sich deswegen dazu entschlossen herauszufinden, welche Stufen des Schlafes mit der Entstehung von Demenz verbunden sein könnten. Sie fanden dabei keine Verbindung zwischen Demenz und einem tiefen Schlaf, allerdings wurde ein Zusammenhang zwischen dem REM-Schlaf und dem Risiko für Demenz festgestellt.

Weitere Forschung ist nötig
Im nächsten Schritt gelte es festzustellen, welche Mechanismen des REM-Schlafes zum größeren Risiko für die Entwicklung von Demenz führen, erläutern die Forscher. Durch das Verständnis darüber, welche Rolle der Schlaf bei der Entstehung von Demenz spielt, könnten neue Möglichkeiten identifiziert werden, mit denen sich die Demenz-Behandlung in Zukunft deutlich verbessern ließe und Demenz verzögert oder sogar komplett verhindern werden könnte, so die Hoffnung der Wissenschaftler. (as)