Aktuelle Studie: Übelkeit und Erbrechen in der Schwangerschaft doch ein gutes Signal?

Alfred Domke
Schwangerschaftsübelkeit bei Frauen ist ein gutes Zeichen
Vielen werdenden Müttern wird der Tag schon am frühen Morgen durch heftigen Brechreiz vermiest. Etwa vier von fünf Frauen leiden unter Schwangerschaftsübelkeit. Die ist zwar unangenehm, deutet aber darauf hin, das die Schwangerschaft eher ohne Komplikationen verlaufen wird.

Bekommen Schwangere mit heftiger Morgenübelkeit immer Mädchen?
Trotz der großen Vorfreude auf den Nachwuchs wird der Tag vieler Schwangerer oft schon früh getrübt durch Übelkeit und Erbrechen. Manche Menschen nehmen an, dass die Morgenübelkeit ein Anzeichen für ein zu erwartendes Mädchen sei. Doch diese Annahme ist meist nicht richtig, obwohl es laut Experten in Studien Hinweise auf eine Häufung weiblicher Babys nach einer Schwangerschaft mit starker Morgenübelkeit gibt. Und auch wenn die Schwangerschaftsübelkeit noch so unangenehm ist, ist sie doch auch ein gutes Zeichen, wie Wissenschaftler berichten.

Für werdende Mütter wird der Tag oft schon früh am Morgen durch heftigen Brechreiz getrübt. Sorgen machen müssen sie sich deswegen nicht, im Gegenteil: Die Morgenübelkeit ist ein gutes Zeichen. Schwangere, die daran leiden, haben ein geringeres Risiko für Fehlgeburten. (Bild: highwaystarz/fotolia.com)
Für werdende Mütter wird der Tag oft schon früh am Morgen durch heftigen Brechreiz getrübt. Sorgen machen müssen sie sich deswegen nicht, im Gegenteil: Die Morgenübelkeit ist ein gutes Zeichen. Schwangere, die daran leiden, haben ein geringeres Risiko für Fehlgeburten. (Bild: highwaystarz/fotolia.com)

Werdende Mütter mit starker Übelkeit erleiden seltener Fehlgeburten
Gesundheitsexperten zufolge ist es bislang unklar, warum es bei manchen werdenden Müttern zu Übelkeit und Erbrechen kommt und bei anderen nicht. Als Grund werden unter anderem hormonelle Umstellungen im weiblichen Körper vermutet. Die Beschwerden verschwinden meist ab dem vierten Monat. Zudem könnten auch psychosoziale Faktoren wie Stress, Ängste und Streit die Dauer und Schwere des Erbrechens beeinflussen.

Sorgen machen müssen sie sich deswegen aber nicht. Denn Schwangere mit starker Übelkeit und Erbrechen erleiden seltener Fehlgeburten, wie eine aktuelle Studie zeigt, die im Fachjournal „JAMA Internal Medicine“ veröffentlicht wurde.

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Nun gibt es Belege für vermutete Annahmen
Die US-amerikanischen Forscher um den Epidemiologen Enrique Schisterman von den Nationalen Gesundheitsinstituten in Bethesda hatten im Rahmen der Untersuchung fast 800 Frauen zu Übelkeit und Erbrechen befragt. Dabei zeigte sich, dass jene Probandinnen, die an Morgenübelkeit litten, zwischen 50 und 75 Prozent weniger gefährdet waren, ihr Baby zu verlieren.

„Es ist eine verbreitete Annahme, dass Übelkeit eine gesunde Schwangerschaft anzeigt, aber es gab nicht viele qualitativ hochwertige Beweise dafür“, sagte Stefanie N. Hinkle vom „US National Institutes of Health“ in einer Meldung von „Science Alert“. Ihre Studie bestätige, dass „es einen schützenden Zusammenhang zwischen Übelkeit und Erbrechen und einem geringeren Risiko für Fehlgeburten“ gebe.

Übelkeit ist „eher ein gutes Zeichen“
Auch deutsche Experten bewerten die Ergebnisse positiv. Laut einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ (SZ) meinte Franz Kainer, Chefarzt der Abteilung für Geburtshilfe und Pränatalmedizin an der Klinik Hallerwiese in Nürnberg: „Diese Studie zeigt eindrücklich, dass Übelkeit bei werdenden Müttern eher ein gutes Zeichen ist.“

Die US-Wissenschaftler hatten – im Gegensatz zu früheren Studien – die Frauen bereits in den ersten Wochen der Schwangerschaft erfasst und schon hier den positiven Zusammenhang entdeckt. „Das bringt uns sicher weiter“, sagte Ioannis Mylonas, Leiter der Infektiologie der Klinik und Poliklinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Ursachen sind nicht genau geklärt
Den Angaben zufolge leiden etwa vier von fünf Frauen im ersten Drittel der Schwangerschaft an Übelkeit und Erbrechen. Bei manchen bleiben die lästigen Symptome aber noch deutlich länger bestehen. Auch wenn die Ursachen nicht genau geklärt sind, ist doch bekannt, dass der Magen-Darm-Trakt aufgrund des durcheinander geratenen Hormonhaushalts träge wird. „So kann sich der Nahrungsbrei aufstauen und zu Übelkeit führen“, erklärte der Frauenarzt Mylonas. Doch auch andere Faktoren, wie das Bakterium Helicobacter pylori kann bei befallenen Schwangeren zu den ungeliebten Beschwerden beitragen.

Übelkeit mit natürlichen Mitteln bekämpfen
Ist werdenden Müttern morgens oft schlecht, sollten sie Gesundheitsexperten zufolge besser nicht auf Medikamente setzen. Denn häufig sind Schwangerschaftsübelkeit-Arzneien kaum untersucht. Besser ist es, wenn Frauen die Übelkeit bei Schwangerschaft natürlich angehen. Als Hausmittel gegen Übelkeit bietet sich unter anderem die Wunderknolle Ingwer an – egal ob als Tee, im Essen oder auch in Tablettenform.

Zudem wird Schwangeren geraten, über den Tag verteilt kleinere Mahlzeiten zu sich zu nehmen. Intensive Gerüche sollten vermieden werden. Ansonsten dürften Frauen essen, worauf sie Appetit haben. „Das kann gern mal ein Stück Schwarzwälder Kirschtorte sein“, so Mylonas. Er meinte: „Erst bei hohem Leidensdruck kommen Medikamente infrage.“ In ganz schlimmen Fällen, wenn die Schwangeren gar keine Flüssigkeit mehr im Körper halten können, bleibe nur der Weg ins Krankenhaus. (ad)