Akupunktur-Therapie kann Koliken bei Babys erfolgreich behandeln

Alexander Stindt
Studie: Mediziner untersuchen die Auswirkungen von Akupunktur bei Koliken
Wenn Babys unter Koliken leiden, kann es für Eltern sehr schwierig sein, sie zu beruhigen. Oft sind Betroffene ratlos und suchen dann Hilfe bei Experten. Forscher fanden jetzt heraus, dass Akupunktur bei der Behandlung von Babys mit Koliken zu helfen scheint.

Die Wissenschaftler der Lund University in Schweden stellten bei einer Untersuchung fest, dass eine Behandlung durch Akupunktur dabei helfen könnte, um Koliken bei Babys zu reduzieren. Die Mediziner veröffentlichten die Ergebnisse ihrer Studie in der Fachzeitschrift „Acupuncture in Medicine“.

Wenn Babys unter Koliken leiden, schreien und weinen sie häufig stundenlang. Dies führt zu einer hohen Belastung für Kind und Eltern. Mediziner fanden jetzt heraus, dass eine milde Behandlung mit Akupunktur zu einer Verbesserung der Koliken führen kann. (Bild: WavebreakMediaMicro/fotolia.com)

Was sind Koliken?
Koliken sind eine normale Phase bei Neugeborenen. Sie werden häufig auch als Dreimonatskoliken bezeichnet, weil sie meist im Alter von zwei bis vier Wochen beginnen und im Alter von drei oder vier Monaten enden. Betroffene Babys schreien und weinen oft mehrere Stunden am Tag. In einigen seltenen Fällen ist es aber auch möglich, dass die vorhandenen Koliken bis zum sechsten oder neunten Monat anhalten.

Akupunktur verringert Koliken bei Babys
Die schwedischen Forscher fanden bei ihrer Untersuchung heraus, dass Babys mit Koliken weniger Zeit mit schreien und weinen verbringen, wenn sie zwei Wochen lang mit Akupunktur behandelt werden, verglichen mit Babys ohne Akupunktur.

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Nahrungsergänzung mit Lactobacillus reuteri kann bei Koliken helfen
Wenn Eltern ein Baby mit Koliken haben, suchen sie nach einer sicheren Art der Behandlung. Bisher gibt es allerdings kaum effektive Hilfe für die betroffenen Babys. Die Eltern können jedoch auch eine Nahrungsergänzung mit Lactobacillus reuteri zur Reduzierung der Belastung der Koliken versuchen, erläutert Autorin Dr. Kajsa Landgren von der Lund University.

Zehn bis zwanzig Prozent der Babys leiden unter Koliken
Wenn Ihr Baby mehr als drei Stunden pro Tag schreit, sollten die Eltern erwägen, auf Kuhmilch bei der Ernährung ihrer Nachkommen zu verzichten, eso die Aussage der Forscher. Wenn diese Nahrungsumstellung ohne Erfolg bleibt und die betroffenen Kinder immer noch weiter unter Koliken leiden, könnte eine minimale Akupunktur eine sichere und wirksame Behandlung sein, fügen die Wissenschaftler hinzu. Koliken treten bei Babys relativ häufig auf und etwa zehn bis zwanzig Prozent aller Familien haben ein Baby, welches infolgedessen tagelang übermäßig weint.

157 Babys nahmen an der Studie teil
Für die aktuelle Studie rekrutierten die Forscher aus Schweden 426 gesunde Säuglinge im Alter von zwei bis acht Wochen. Insgesamt wurden aber nur 157 der Babys in die Studie aufgenommen. Viele der anderen Kinder hatten keine wirklichen Koliken und einige der Eltern wollten nicht an der Studie teilnehmen, erläutern die Autoren.

Babys wurden in drei verschiedene Behandlungsgruppen eingeteilt
Die Babys wurden zufällig einer von drei verschiedenen Behandlungsgruppen zugewiesen. Zu diesen gehörten entweder zwei unterschiedliche Anwendungen der Akupunktur oder die übliche normale Pflege. Bei den Kindern wurden weniger Nadeln bei der Akupunktur verwendet. Die Stimulation durch die Nadeln ist mild und kurz im Vergleich zur Behandlung von erwachsenen Menschen, erklärt Dr. Landgren. Bei anderen Untersuchungen wurden auch sogenannte Laser-Akupunktur und Akupressur verwendet, um die Koliken der Babys zu behandeln.

Akupunktur ist bei Koliken wirksamer als normale Pflege
Insgesamt beendeten 147 Babys die zweiwöchige Studie. Wenn die Babys eine Behandlung mit Akupunktur erhielten, verbesserte sich das ständige Schreien und Weinen, verglichen mit den Babys mit gewöhnlicher Pflege, sagen die Mediziner. Wenn Babys beispielsweise immer durch Akupunktur behandelt wurden, verbrachten sie danach etwa 40 Prozent weniger Zeit mit weinen. Bei Babys mit einer normalen Pflege lag der Wert bei nur 20 Prozent.

Besserung tritt nach etwa ein bis zwei Wochen ein
Wenn Säuglinge eine Behandlung mit Akupunktur erhielten, reduzierten sich die Kriterien für Koliken nach bereits einer oder zwei Wochen. Insgesamt erhielten die Kinder während der Untersuchung insgesamt 388 Akupunktur-Sitzungen. Während 188 dieser Sitzungen weinten die Babys, sagen die Forscher.

Akupunktur muss durch einen Experten durchgeführt werden
Wenn Kinder jeden Tag tatsächlich mehr als drei Stunden am Tag weinen, eine Beseitigung von Kuhmilchprotein bei der täglichen Ernährung oder eine Nahrungsergänzung durch Lactobacillus reuteri keine Verbesserung mit sich bringt, könnte eine Akupunktur durch einen Experten helfen, betont Landgren. Die Studie hatte allerdings zu wenige Teilnehmer, um festzustellen, ob eine Akupunktur-Technik erfolgreicher ist als die anderen Behandlungen. (as)