Test: 6 Prozent der Speisefische mit Krebserregenden Medikamenten belastet

Sebastian
Krebserregende Medikamente im Futter: Prüfer warnen vor Speisefischen aus der konventionellen Zucht
Bei Stichproben haben amtliche Prüfer Medikamenten-Rückstände in Fischen gefunden. Besonders negativ fiel auf, dass zahlreiche Fische Spuren des Arzneimittels „Malachitgrün“ enthielten. Dieses Mittel steht seit längerer Zeit unter dem schweren Verdacht, Krebserregend zu sein. Gerade aus diesem Grund ist es verboten, das Medikament in der Fischzucht zu verwenden. Anscheinend halten sich viele Züchter nicht an dieses Gesetz.

Krebserregendes Arzneimittel in den Speisefischen und Shrimps
„Einmal in der Woche sollte es Fisch geben“, so die Meinung vieler Gesundheitsexperten. Zurecht, denn Fisch ist reich an ungesättigten Fetten und kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes oder Krebs vorbeugen. Doch nach den aktuellen Meldungen der Bundesregierung ist hier Zweifel durchaus berechtigt. Denn laut eines Berichtes des Magazins „Der Spiegel“ ist die „Zahl der mit antimikrobiellen Arzneimitteln kontaminierten Fische alarmierend hoch“.

Bei den Untersuchungsstudien haben die Prüfer des Bundesamtes „Rückstände des Arzneimittels Malachitgrün nachgewiesen“. Der Bundesregierung wurde daraufhin ein „alarmierender Bericht“ vorgelegt, der zeigt wie hoch die gefundenen Rückstände in Fisch- und Krustentieren aus Zuchtbetrieben sind. Alarmierend auch deshalb, weil Malachitgrün seit einiger Zeit verboten ist, da es deutliche Hinweise gibt, dass das Mittel Krebserregend ist. Zusätzlich fanden die Tester auch Reste von antibiotischen Arzneien.

Bei Untersuchungen von Fischen haben Prüfer Rückstände des Arzneimittels Malachitgrün nachgewiesen. Das Mittel steht im Verdacht, Krebs zu erregen, und ist bei Speisefischen nicht zugelassen. Auch Abbauprodukte verschiedener Antibiotika wurden gefunden. In der Tiermedizin wird es zur Behandlung von Infektionskrankheiten von Fischen mit Pilzen, Bakterien, Würmern und Einzellern, z.B. bei der Ichthyophthiriose (Weisspünktchenkrankheit) eingesetzt. Weil es noch kein annähernd gleichwertig gut funktionierendes Mittel gibt, wird es trotz Verbot offenbar noch immer vielfach eingesetzt. Vor allem in Staaten außerhalb der EU ist das Mittel noch immer nicht verboten.

Sechs Prozent der untersuchten Fischerei-Erzeugnisse kontaminiert
Bei den Stichproben wurden im Rahmen des Europäischen Schnellwarnsystems für Lebensmittel 183 Fische gefunden, die pharmakologisch wirksame Stoffe enthielten., wie das Magazin berichtet. Überwiegend handelte es sich um Arzneirückstände, die den Fisch-Arznei Malachitgrün enthielten. Das Mittel soll die Entstehung von Krebs provozieren und das Erbgut nachhaltig schädigen. Das Mittel ist auf dem Index und darf explizit nicht bei Fischen angewendet werden, die für den späteren Konsum vorgesehen sind.

Zusätzlich wurden aber auch Abbauprodukte unterschiedlicher Antibiotika und Antiseptika im Labor gemessen. Bei Krustentieren wurden sogar noch mehr Fälle erwiesen. Hier sollen die Experten 306 mal einen Fund ermittelt haben. Die Datenanalyse stamme aus Proben-Aktionen von Lachs, Forellen oder Shrimps aus Aquakulturen im Zeitraum von 2005 bis Ende März 2015. Demnach sollen durchschnittlich 6 Prozent der Tiere verseucht sein.

Verseuchtes Futtermittel?
Offen bleibt die Frage, wie die verbotenen Stoffe in die Fische gekommen ist. Haben die Züchter das Mittel selbstständig hinzu gemischt oder waren die Futtermittel bereits kontaminiert. Aus welchen Zuchtanlagen die verseuchten Fische stammten, konnte das Bundeslandwirtschaftsministerium nicht sagen. „Es werde aber geprüft“, versprach ein Sprecher auf Anfrage. Unklar blieb auch, ob auch Fisch aus Bio-Zuchten betroffen ist.

„Dieser Masseneinsatz von Arzneien sorgt für Resistenzen und gefährdet die Gesundheit von Menschen“, warnte der Bundestagsabgeordnete Oliver Krischer (Die Grünen) dem „Spiegel“. Für den Politiker sind die Ergebnisse ein deutlicher Hinweis darauf, dass diese Mittel illegaler weise massenhaft eingesetzt werden. „Das wird in das Futter gemischt“, sagt auch die Umweltschützerin Claudia Papst. Entsprechende Kontrollen sollten seitens der Behörden verstärkt werden. „Die gesundheitlichen Folgen sind kaum abschätzbar. Wenn Krebs entsteht, ist es schwer nachzuweisen, wodurch.“ Daher müsse es selbstverständlich sein, die Risiken zu minimieren. (sb)

Bild. FotoHiero  / pixelio.de