Aldi macht jetzt Druck und verlangt Lebensmittel ohne Mineralölbestandteile

Der Discounter Aldi verbannt alle Lebensmittel mit Mineralölrückständen aus seinem Sortiment. (Bild:Eisenhans/fotolia.com)
Nina Reese
Konzern macht Druck und fordert Mineralöl-freie Produkte
Aldi Süd verbannt zukünftig sämtliche Lebensmittel mit Mineralölbestandteilen aus dem Sortiment. Dies teilt aktuell die Verbraucherschutzorganisation foodwatch mit. Demnach habe der Discounter in einem Rundschreiben seine Lieferanten dazu aufgefordert, „Maßnahmen zu ergreifen, welche die Einhaltung dieser Vorgabe im Lebensmittel (…) sicherstellen.“ Zuvor hatten beide Aldi-Gruppen bereits mitgeteilt, von nun an auf den Einsatz bestimmter bienentoxischer Wirkstoffe beim Anbau von Obst, Gemüse und Kartoffeln zu verzichten.

Rundschreiben an die Lieferanten
Alle Lebensmittel, die als Eigenmarke von Aldi Süd verkauft werden, müssen nach Information der Verbraucherorganisation foodwatch zukünftig frei von gefährlichen Mineralölverunreinigungen sein. Dazu habe der Discounter seine Lieferanten per Rundschreiben aufgefordert, teilte Foodwatch am Donnerstag mit. Foodwatch hatte in den vergangenen Monaten im Rahmen eigener Tests immer wieder potenziell krebsauslösende Mineralölrückstände in Produkten verschiedener Supermarktketten entdeckt. Bei dem bislang umfangreichsten Labortest im Oktober 2015 hatte sich gezeigt, dass jedes fünfte getestete Lebensmittel in Deutschland (9 von 42 Produkten) mit aromatischen Mineralölen (MOAH) belastet war.

Der Discounter Aldi verbannt alle Lebensmittel mit Mineralölrückständen aus seinem Sortiment. (Bild:Eisenhans/fotolia.com)
Der Discounter Aldi verbannt alle Lebensmittel mit Mineralölrückständen aus seinem Sortiment. (Bild:Eisenhans/fotolia.com)

Paukenschlag für die gesamte Branche
„(…) Aldi Süd hat das Ziel, dass bei den Eigenmarken des Food-Sortimentes keine Mineralölbestandteile im Lebensmittel nachweisbar sind. Aus diesem Grunde fordern wir Sie auf, Maßnahmen zu ergreifen, welche die Einhaltung dieser Vorgabe im Lebensmittel bis zum Ende des MHDs, bzw. bei frischem Obst und Gemüse bis zum erwarteten Zeitpunkt des Verzehrs, sicherstellen“, heißt es in dem Schreiben, welches foodwatch am Donnerstag veröffentlichte. Die Entscheidung des Konzerns sei laut Matthias Wolfschmidt, dem stellvertretenden Geschäftsführer der Organisation, „ein Paukenschlag für die gesamte Branche“. Denn „Krebsauslösende und erbgutschädigende Mineralölbestandteile in Lebensmitteln sind inakzeptabel – und sie sind technisch vermeidbar. Es ist höchste Zeit, dass Edeka, Rewe, Lidl und Co. dem Vorbild von Aldi Süd folgen“, wird Wolfschmidt zitiert.

Verzicht auf bienentoxische Wirkstoffe
Schon am Mittwoch hatten beide Aldi-Gruppen mitgeteilt, zukünftig beim Anbau von Obst und Gemüse den direkten Einsatz von acht Pestiziden (u.a. Chlorpyrifos und Sulfoxaflor) auszuschließen, die Bienen schaden könnten. Diese Wirkstoffe kommen in der Landwirtschaft zur Behandlung verschiedener Kulturpflanzen zum Einsatz, um diese vor Schädlingen zu schützen. Doch schon lange mahnen Experten, dass vor allem Insektizide aus der Gruppe der Neonicotinoide auch für den Rückgang von Fluginsekten wie Bienen, Schmetterlingen und Schwebfliegen hierzulande mit verantwortlich seien. „Der Einsatz dieser bienentoxischen Wirkstoffe auf dem Feld darf als Spritzanwendung nicht mehr stattfinden“, so Ralf-Thomas Reichrath aus dem Qualitätswesen von ALDI SÜD in einer Mitteilung des Konzerns.

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