Alkohol in der Schwangerschaft: Schon ein Glas ist gefährlich

Alfred Domke
Alkohol sollte während Schwangerschaft komplett tabu sein
Viele Menschen denken, es ist nicht weiter schlimm, wenn Schwangere ab und zu ein Gläschen Sekt oder mal ein Bier trinken. Doch Gesundheitsexperten warnen: Alkohol sollte für werdende Mütter komplett tabu sein. Der Konsum alkoholischer Getränke kann dem Ungeborenen schaden und zu Folgeschäden bei Kindern führen.

Alkohol für werdende Mütter tabu
Leider halten noch immer viel zu viele Deutsche Alkohol während der Schwangerschaft vertretbar. Laut einer Umfrage finden es 18 Prozent der Bundesbürger okay, wenn werdende Mütter gelegentlich zu einem Gläschen Sekt oder Bier greifen. Doch viele Kinder, die im Mutterleib Alkohol ausgesetzt waren, haben später unter Folgeschäden zu leiden. Frauen sollten während der Schwangerschaft daher komplett auf Wein, Bier und Co. verzichten.

Die Gefahren durch Alkoholkonsum während der Schwangerschaft werden noch immer unterschätzt. Schon kleine Mengen Alkohol können das Ungeborene gefährden und zu Folgeschäden bei Kindern führen. (Bild: highwaystarz/fotolia.com)
Die Gefahren durch Alkoholkonsum während der Schwangerschaft werden noch immer unterschätzt. Schon kleine Mengen Alkohol können das Ungeborene gefährden und zu Folgeschäden bei Kindern führen. (Bild: highwaystarz/fotolia.com)

Risiko wird oft unterschätzt
Vielen Menschen ist noch immer nicht klar, dass der Konsum von Alkohol mit Folgen für das Ungeborene verbunden ist. Selbst manchen Schwangeren ist das Alkohol-Tabu unbekannt.

„Als Ursache für den Alkoholkonsum während der Schwangerschaft gilt zum einen, dass manche Frauen nicht wissen, dass sie schwanger sind, wenn sie Alkohol zu sich nehmen. Zum anderen werden von schwangeren Müttern die Risiken unterschätzt, die vom Alkoholkonsum während der Schwangerschaft ausgehen“, heißt es auf der Webseite „Frauenärzte im Netz“.

Rund 10.000 Kinder mit alkoholbedingten Störungen
Kinder, die während der Schwangerschaft Alkohol ausgesetzt waren, werden später häufig verhaltensauffällig.

Wie der Berufsverband für Kinder- und Jugendpsychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie in Deutschland (BKJPP) in einer Mitteilung der Nachrichtenagentur dpa berichtet, geraten betroffene Kinder häufiger in Gefahr, weil sie Konsequenzen für sich und andere nur schwer einschätzen können.

Den Psychiatern zufolge sind sogenannte Fetale Alkohol-Spektrum-Störungen der häufigste Grund für angeborene Behinderungen in Deutschland. Rund 10.000 Kinder werden jedes Jahr mit einer solchen Störung geboren.

Intellektuelle Defizite und psychische Auffälligkeiten
Ob ein Ungeborenes geschädigt wird oder nicht, hängt aber nicht nur von der getrunkenen Alkoholmenge ab, sondern auch von der individuellen Alkoholtoleranz von Mutter und Kind. Daher kann bereits ein Glas Sekt oder Bier in der Schwangerschaft das Kind beeinträchtigen.

„Den meisten dieser betroffenen Kinder sieht man die Schädigung nicht an, sie haben aber geistig-intellektuelle Defizite oder psychische Auffälligkeiten“, berichten die „Frauenärzte im Netz“.

Doch bei manchen Kindern ist die Fehlbildung sichtbar – einige haben beispielsweise kleinere Augen oder eine schmale Oberlippe. Bei anderen ist mitunter das Gehirn betroffen.

Fetale Alkohol-Spektrum-Störung bleibt oft unbemerkt
Diese Kinder sind laut dem BKJPP zum Beispiel permanent unruhig, nervös oder schreckhaft. Zudem fehlt ihnen oft das natürliche Misstrauen, das Menschen vor Gefahren schützt. Den Psychiatern zufolge sind sie dadurch beeinflussbarer und geraten leichter in ungünstige Situationen.

Wenn das Kind nicht fehlgebildet ist, bleibt die Fetale Alkohol-Spektrum-Störung häufig unbemerkt.

Eine Verhaltenstherapie kann betroffenen Kindern helfen, mit ihren Stimmungsschwankungen oder impulsivem Verhalten umzugehen, berichtet der BKJPP. So können sie sich selbst davor schützen, ausgenutzt zu werden. Zusätzlich kann eine Bewegungs- und Sprachtherapie sinnvoll sein. (ad)