Alkohol und Sex gegen Schlafstörungen?

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Alkohol und Sex gegen Schlafstörungen? Experte empfiehlt Sex zur Entspannung bei Schlafstörungen

Der renommierte Fachmann Professor Jürgen Zulley hat im Gespräch mit „Welt Online“ über die Volkskrankheit Schlafstörungen gesprochen und erstaunliches offenbart: der Experte empfiehlt Sex gegen Schlaflosigkeit. Auch begrenzte Mengen Alkohol können der Entspannung dienen und so Schlafstörungen vorbeugen, erklärt der Fachmann.

Krank, dumm und dick durch Schlafmangel?
Gelegentliche, kurzfristige Schlafstörungen schaden dem Organismus nach Aussage von Prof. Zulley nicht, doch sobald sie über einen Zeitraum von drei Monaten auftreten, werden sie chronisch und „dann schadet es“, betonte der Experte. Ein wenig provokant ergänzte Prof. Zulley: „Zu wenig Schlaf macht krank, dumm und dick. Auch hässlich. Darüber hinaus führt eine chronische Schlaflosigkeit zu einem früheren Ableben.“ Doch trotz der polemischen Verkürzung seiner Thesen, ganz Unrecht hat Prof. Zulley nicht, denn die Auswirkungen des Schlafmangels auf den Organismus sind weitreichend. So erhöht Schlaflosigkeit zum Beispiel das Übergewicht-Risiko, da unser Organismus nur während wir schlafen das sogenannten Leptin ausschüttet, ein Hormon, das uns in der Nacht ein Sättigungsgefühl vortäuscht, erklärte Prof. Zulley im Interview mit „Welt Online“. „Deswegen neigen Schlafgestörte zu Übergewicht“, so der Experte. Auch werde bei Schlafstörungen das Gedächtnis zunehmend beeinträchtigt, da „wir das am Tag Gelernte während des Schlafens abspeichern“.

Auf die Frage nach den Ursachen der Schlafstörungen erklärte der Fachmann: „Vor allen Dingen ist es salopp gesagt: Stress“, auch wenn Prof. Zulley dies eigentlich lieber Anspannung nennen würde. Denn um schlafen zu können, müsse man entspannen und alles, was die Entspannung beeinträchtigt, verhindere den Schlaf, so die Erklärung des Fachmanns. Dabei seien heute „zumeist Probleme des Alltags, die man mitnimmt in den Schlaf“ eine Ursache für die immer häufiger auftretenden Schlafstörungen. „Weil viele abends keinen Schlussstrich mehr ziehen können“, fällt ihnen das Einschlafen und Durchschlafen besonders schwer, so Prof. Zulley im „Welt Online“-Interview. „Die Drehzahl ist zu hoch. Der Schlafgestörte hat diesen Zustand Tag und Nacht. Chronisch. Deshalb kann der auch tagsüber nicht schlafen!“ betonte Prof. Zulley. Die Betroffenen fühlen sich zwar müde und kaputt aber können nicht einschlafen bzw. fast nicht durchschlafen.

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Marihuana oder Alkohol gegen Schlafstörungen?
Auf die Frage nach möglichen Entspannungsmethoden, die das Einschlafen erleichtern könnten, erläuterte Prof. Zulley, dass Alkohol als Schlafmittel ungeeignet ist und wenn nur „als Genuss in Maßen“ zur Entspannung beitragen könne. Doch „muss Alkohol auch wieder abgebaut werden“ und „der Abbau kann den Schlaf dann stören“ so der Fachmann und Prof. Zulley ergänzte gegenüber „Welt Online“: „Das ist eine Frage der Dosis, kann aber zu erheblichen Schlafstörungen führen.“ Eher sei da schon Marihuana geeignet, wobei kiffen „antörnen, aber auch entspannen“ kann, erklärte Prof. Zulley. Zudem sei der „Abbau des Wirkstoffs THC (…) auch nicht so anstrengend für den Körper wie der des Alkohols“- empfehlen würde Prof. Zulley den Cannabiskonsum „trotzdem nicht“.

Entspannung durch Sex wäre zu empfehlen
Entscheiden ist nach Ansicht des Fachmanns vielmehr, dass die Betroffenen am Abend „einen Schlussstrich ziehen“. „Ab jetzt keine Arbeit, keine Probleme, nur noch: Spaß und Entspannung“, sollte nach Ansicht Prof. Zulleys die Devise nach Feierabend sein. „Sex wäre gut, entspannt ja vorzüglich“, erklärte der Fachmann gegenüber „Welt Online“, jedoch seien viele Menschen heute in den meisten Nächten allein, so dass der Ratschlag lange nicht allen Betroffenen helfen kann. Qualität, Beschaffenheit und Aufstellungsort des Bettes, sind nach Ansicht des Experten im Vergleich zur Bedeutung der Entspannungsmethoden weniger entscheidend, jedoch ebenfalls zu berücksichtigen. So „kann das Aussehen meines Bettes und meines Schlafzimmers sehr wohl zur Entspannung führen“ und sollte insbesondere bei Schlafgestörten eine „positive und angenehme Ausstrahlung haben“, erklärte Prof. Zulley. Denn „gerade bei Schlafgestörten spielt das eine Rolle, weil die auf viele Faktoren empfindlicher reagieren als ein Schlafgesunder“, so die Aussage des Fachmanns im Interview mit „Welt Online“. Daher sollten laut Prof. Zulley Schlafgestörte eine „punktelastische Matratze“ nutzen und vor allem für ein „trockenes Klima in der sogenannten Betthöhle“ sorgen, da wir Nachts schwitzen und die Feuchtigkeit abgeleitet werden muss.

10 Prozent der Bevölkerung betroffen
Deutschlandweit leiden rund zehn Prozent der Bevölkerung unter hochgradigen Schlafproblemen, wobei nach Einschätzung verschiedener Experten von der häufigsten Schlafstörung, der Insomnie (Ein- und Durchschlafstörung), Frauen etwa anderthalb Mal häufiger betroffen sind als Männer. Ab dem 40. Lebensjahr nimmt das Risiko von Schlafstörungen generell erheblich zu und etwa jeder dritte Deutsche hat nach Ansicht der Fachleute im Laufe seines Lebens Erfahrungen mit Schlafproblemen gesammelt. Dabei sind laut einer Studie der Techniker Krankenkasse aus dem Jahr 2008 beruflichen Gründe (54 Prozent der betroffenen Männer; 37 Prozent der betroffenen Frauen), private Probleme (36 Prozent der Männer; 43 Prozent der Frauen), gesundheitliche Ursachen (32 Prozent der Männer; 40 Prozent der Frauen), schnarchende Partner (8 Prozent der Männer; 30 Prozent der Frauen) oder zu warme/kalte Schlafzimmer (31 Prozent der Männer; 35 Prozent der Frauen) die wesentlichen Faktoren für das Auftreten der Schlafstörungen.

In der Naturheilkunde gibt es ebenfalls Anssätze für die natürliche Behandlung von Schlafstörungen. So können beispielsweise Baldrian & L-Tryptophan bei Schlafproblemen helfen, wenn keine ernsthaften Krankheiten vorliegen. (fp, 08.11.2010)

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