Alkohol, Wurst und Fisch bei Gicht immer meiden

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Fabian Peters
Gicht durch Umstellung von Ernährungs- und Lebensgewohnheiten therapieren
Starke Schmerzen und Schwellungen in den Gelenken können auf einen akuten Schub der Stoffwechselkrankheit Gicht hindeuten. Wird diese nicht entsprechend behandelt, können schwerwiegende Komplikationen wie eine Arthritis oder Nierenschädigungen auftreten. Bei frühzeitiger Stabilisierung des Harnsäurespiegels nimmt die Gicht jedoch in der Regel einen positiven Verlauf. Dabei können Betroffene durch die Umstellung bestimmter Ernährungs- und Lebensgewohnheiten einiges selbst tun, um die Beschwerden zu lindern.

Harnsäurekonzentration im Blut ist zu hoch
Gicht ist eine Stoffwechselkrankheit, die durch eine zu hohe Harnsäurekonzentration im Blut (Hyperurikämie) gekennzeichnet ist. In der Folge bilden sich Harnsäurekristalle, die sich an verschiedenen Stellen im Körper ablagern und schmerzhafte Gelenkentzündungen auslösen. Werden diese nicht entsprechend behandelt, drohen ernsthafte Gelenkschäden (Arthritis urica), zudem können die Ablagerungen auch innere Organe wie z. B. die Nieren betreffen und dort für Funktionsstörungen sorgen. Harnsäure entsteht im Körper durch den Abbau von Purinen. Bei diesen handelt es sich um Naturstoffe, die sowohl in Nahrungsmitteln enthalten sind als auch im Normalfall von Körper selbst gebildet werden.

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Plötzlich einsetzende Schmerzen in den Gelenken können auf einen Gichtanfall zurückgehen. (Bild: psdesign1/fotolia.com)

Unbehandelt droht bei Gicht ein Nierenversagen
Bei Gicht liegt jedoch eine Störung des Purin-Stoffwechsels vor, wodurch die Harnsäure nicht über die Nieren ausgeschieden wird, sondern sich stattdessen im Blut ansammelt. „Die Betroffenen haben einen erhöhten Harnsäurespiegel“, erklärt der Internist Klaus Krüger gegenüber der „dpa“. Erreicht die Säurekonzentration einen kritischen Wert, entwickeln sich Harnsäurekristalle, die sich vor allem in Gelenken, Schleimbeuteln und Sehnen ablagern. In der Folge entzündet sich das Gelenk und es kommt zu Symptomen wie starken Schmerzen, Schwellungen, extremer Berührungsempfindlichkeit und rot-bläulichen Verfärbungen. Wird die Gicht nicht behandelt, drohen verschiedene Komplikationen wie z.B. langfristige Gelenkschäden. Zudem könnten unbehandelt im Ernstfall sogar die Nieren versagen (chronische Gichtniere), ergänzt der Apotheker Rolf-Günther Westhaus.

Erkrankung verläuft in den ersten Jahren oft ohne Symptome
Die erhöhte Harnsäurekonzentration sei dabei in vielen Fällen schon früh im Blut nachweisbar. „Manchmal dauert es aber bis zu 30 Jahre, bis Schmerzen an den Gelenken zu spüren sind“, erklärt Heilpraktiker Rene Gräber im Gespräch mit der Nachrichtenagentur. Bilden sich aufgrund dessen Harnsäurekristalle, die sich in den Gelenken einlagern, kann es zu einem akuten Gichtanfall kommen. Dieser tritt meist an einem einzigen Gelenk auf, wobei besonders häufig das Grundgelenk der großen Zehe betroffen ist. Möglich ist auch z.B. eine so genannte „Weichteil-Gicht“, bei der sich z.B. am Ohrknorpel Kristalle unter der Haut ablagern, aus denen sich kleine Knoten entwickeln. Gicht verläuft in Schüben, wobei zwischen den einzelnen Anfällen Monate oder sogar Jahre liegen könnten.

„Zu 99 Prozent ist Gicht erblich bedingt“, so Internist Krüger. Ebenso können in selteneren Fällen auch bestimmte Erkrankungen wie z.B. Leukämie die Ursache sein, zudem würde die Gicht häufig im Zusammenhang mit Diabetes und Bluthochdruck stehen. „Auch bestimmte Medikamente oder eine Chemotherapie können eine erhöhte Produktion von Harnsäure verursachen“, ergänzt Gräber. Generell sei die Erkrankung in Ländern mit einem höheren Lebensstandard verbreiteter als in ärmeren Gebieten. „Grund sind vor allem unterschiedliche Essgewohnheiten“, erklärt Apotheker Westhaus.

Purinreiche Lebensmittel wie Fleisch und Wurst meiden
Für die häufige Annahme, dass Fingerknacken Gicht verursachen könne, gäbe es hingegen keinen wissenschaftlichen Nachweis. Hier würden laut Westhaus die Gelenke zwar überdehnt, „solange dabei aber keine Schmerzen auftreten, ist alles absolut harmlos.“ Stattdessen würden vor allem der häufige Verzehr purinreicher Nahrungsmittel und der regelmäßige Konsum von größeren Mengen Alkohol als Risikofaktoren gelten. Als purinreich gelten in erster Linie Fleisch (wie z.B. Rinderfilet, Schweineschnitzel), Wurst (z.B. Salami) und Innereien (Kalbsleber, Schweineniere etc.), aber auch z.B. grüne Erbsen, Forelle, Schellfisch und Sardellen. Purinfrei bzw. purinarm sind hingegen unter anderem Reis, Milchprodukte, Kartoffeln, verschiedene Gemüse (Karotten, Tomaten etc.) oder Bananen. Wer bestimmte Ess- und Lebensgewohnheiten ändert, könne seinen Harnsäurespiegel senken, doch „neben ungesunder Ernährung können auch Übergewicht und Bewegungsmangel Gicht auslösen“, warnt Westhaus. „Wichtig ist vor allem, täglich mindestens zwei Liter zu trinken – etwa Wasser oder Tee“, so der Experte weiter. Zudem könnten neben dem häufig eingesetzten Medikament Allopurinol auch Hausmittel wie Brennnessel eine natürliche Hilfe bieten. (nr)