Alkoholkonsum erhöht das Krebsrisiko

Fabian Peters

Alkohol verursacht Krebs – zehn Prozent der Männer betroffen

11.04.2011

Alkohol erhöht das Krebsrisiko. So das Ergebnis einer aktuellen Studie internationaler Wissenschaftler unter Beteiligung von Experten der Weltgesundheitsorganisation, des Deutschen Instituts für Ernährungsforschung Potsdam-Rehbrücke (DifE) und des Deutschen Krebsforschungszentrums. Wissenschaftler warnen vor den erheblichen gesundheitlichen Auswirkungen, die mit dem Alkoholkonsum verbunden sind.

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Den Ergebnissen der aktuellen Studie zufolge ist Alkohol für zehn Prozent der Krebserkrankungen bei Männern in Europa verantwortlich. Die Studienergebnisse „betonen, wie wichtig es ist, die aktuellen Maßnahmen zur Verringerung des Alkoholkonsums in Europa und Deutschland noch weiter zu verstärken“, erklärte die Forscherin des DifE, Manuela Bergman. Die Studie wurde in der aktuellen Ausgabe der Fachzeitschrift „British Medical Journal“ veröffentlicht.

Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebserkrankungen
Den Zusammenhang zwischen dem Alkoholkonsum und dem Risiko einer Krebserkrankung, haben die Wissenschaftler auf Basis der Daten der sogenannten EPIC-Studie (European Prospective Investigation into Cancer and Nutrition) analysiert. Dabei wurden im Rahmen der EPIC-Studie seit Mitte der 1990er Jahre hunderttausende Freiwillige regelmäßig nach ihrem Gesundheitszustand und ihrem Alkoholkonsum befragt. Insgesamt 363.988 männliche und weibliche Studienteilnehmer aus Dänemark, Deutschland, England, Frankreich, Griechenland, Holland, Italien und Spanien beteiligten sich bei der regelmäßigen Datenerhebung. Um konkrete Aussagen über den Zusammenhang zwischen Alkoholkonsum und Krebsrisiko treffen zu können, wurden die Daten der EPIC-Studie mit zwei weiteren Datensätzen zur Gesamtanzahl von Krebserkrankungen und dem Trinkverhalten der EU-Bürger verbunden. „Wir griffen auf drei Datenquellen zu, um abschätzen zu können, wie viele Krebsfälle in der Bevölkerung durch den Konsum von Alkohol verursacht werden“, erklärte Manuela Bergman. Dabei stand für die Experten von Anfang fest, dass ein Zusammenhang zwischen dem Konsum von Alkohol und Krebserkrankungen besteht, da verschiedene Studien bereits in der Vergangenheit belegt haben, dass Leber-, Darm- und Brustkrebs sowie Krebs des Verdauungsapparates durch Alkohol begünstigt beziehungsweise verursacht werden kann. Bisher unklar blieb jedoch die tatsächlich durch Alkohol bedingte Zahl der Krebserkrankungen sowie die kritische Menge, ab der mit dem Alkoholkonsum ein erhöhtes Gefahrenpotential einhergeht.

Zehn Prozent der Krebserkrankungen bei Männern alkoholbedingt
Hier bietet die aktuelle Studie nun Abhilfe und liefert konkrete Zahlen zu den tatsächlich auftretenden alkoholbedingten Krebserkrankungen sowie Anhaltspunkte für ein verträgliches Maß des Alkoholkonsums. Der Alkoholkonsum habe in den acht untersuchten Ländern allein im Jahr 2008 etwa 21.500 Krebsfälle bei Frauen und 57.600 Erkrankungen bei Männern verursacht, erläuterten die Experten im Rahmen ihrer Veröffentlichung. Rund zehn Prozent der Krebserkrankungen bei Männern und rund drei Prozent bei den Frauen seien auf den Alkoholkonsum zurückzuführen. Dabei seien bei Männern Tumore vor allem im Darm, Leber und im oberen Verdauungstrakt aufgetreten wohingegen bei Frauen außerdem viele Brustkrebsfälle zu verzeichnen waren. Von den 57.600 durch Alkohol an Krebs erkrankten Männern, tranken 33.000 mehr als zwei Gläser alkoholhaltiger Getränk täglich, erklärten die Wissenschaftler. Dabei sind unter Gläsern die in der Gastronomie üblichen Einheiten von 0,33 Liter für Bier, 0,2 Liter für Wein und 2 Zentiliter für hochprozentigen Schnaps zu verstehen. Die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Grenzwerte liegen bei einem Glas alkoholischer Getränke täglich für Frauen und zwei Gläsern täglich für Männer.

Keine sicheren Grenzwerte für den Alkoholkonsum
Wer sich unterhalb dieser WHO-Grenze bewege, halte das Risiko alkoholbedingter Krebserkrankungen relativ im Rahmen, auch wenn nach Aussage der DifE-Forscherin, Manuela Bergman, bereits „weniger Alkohol (…) schon das Krebsrisiko“ erhöhen kann. Rund 20 Prozent der alkoholbedingten Krebserkrankungen seien den Studienergebnissen zufolge bei einem Alkoholkonsum unterhalb der WHO-Grenzwerte aufgetreten, erklärte Bergman. Insgesamt gebe es „kein sicheres Limit für den Alkoholkonsum“, warnte die Ernährungsforscherin und unterstrich, dass sich erheblich mehr Krebserkrankungen vermeiden ließen, wenn auf Alkohol gänzlich verzichtet würde. „Unsere Resultate betonen, wie wichtig es ist, die aktuellen Maßnahmen zur Verringerung des Alkoholkonsums in Europa und Deutschland noch weiter zu verstärken“, so das Fazit der DifE-Wissenschaftlerin. Die Epidemiologin des DifE, Madlen Schütze, ergänzte, dass den aktuellen Studienergebnissen zufolge „bereits sehr viele Krebsfälle vermeidbar“ wären, wenn die Empfehlungen der Weltgesundheitsorganisation berücksichtigt würden.

Alkoholkonsum in Europa besonders ausgeprägt
Die Studie hat neben dem Zusammenhang zwischen Krebserkrankungen und Alkoholkonsum auch verdeutlicht, dass in Europa bis heute weltweit die höchsten Mengen Alkohol je Einwohner konsumiert werden. Im innereuropäischen Vergleich ist der Alkoholkonsum dabei in Deutschland am höchsten. So gaben hierzulande rund 44 Prozent der Männer an, mehr als die von der WHO empfohlene Menge zu trinken. An zweiter Stelle folgen die Dänen, dicht dahinter die Engländer. Das Trinkverhalten der Frauen fällt dabei ähnlich aus wie das der Männer. Insgesamt ein besorgniserregendes Ergebnis, da die aktuelle Studie gleichzeitig offenbart, welche erheblichen gesundheitlichen Risiken mit dem erhöhten Alkoholkonsum einher gehen. Nach Einschätzung der Experten sind in Europa insgesamt rund 6,5 Prozent aller Todesfälle auf den Alkoholkonsum zurückzuführen. Mit Blick auf das gesteigerte Krebsrisiko, erklärte der Biologe Rudolf Kaaks vom Deutschen Krebsforschungszentrum in Heidelberg, dass er von einem noch größeren Risiko ausgehe, als in der Studie zum Ausdruck kommt. Denn eine mögliche Dunkelziffer werde nicht berücksichtigt und die Studie basiere „zwar auf einer sehr großen Stichprobe“, aber es könne „durchaus sein, dass notorische Trinker nicht darunter sind.“ Deshalb sei es möglich, dass das alkoholbedingte Krebsrisiko tatsächlich noch weit höher liegt, als in der aktuellen Studie angenommen, erklärte der Fachmann. (fp)