Alkoholsucht mit LSD behandeln?

Heilpraxisnet

Erfolgreiche Behandlung von Alkoholsucht mit LSD

13.03.2012

Alkoholsucht lässt sich laut Aussage norwegischer Forscher mit der psychedelischen Droge LSD behandeln. Bereits eine Dosis könne das Selbstbild von Alkoholikern derart beeinflussen, dass "sie dauerhaft trocken werden", so das Ergebnis der Metastudie von Teri Krebs und Pål-Ørjan Johansen von der Norwegian University of Science and Technology (NTNU) in Trondheim.

Die norwegischen Psychologen vom Department of Neuroscience an der NTNU haben im Rahmen ihrer Studie sechs ältere Untersuchung zur Behandlung von Alkoholsucht mit Lysergsäurediethylamid (LSD) aus den 1960er und 1970er Jahren ausgewertet. Dabei stellten sie fest, dass mit dem Halluzinogen die Alkoholsucht relativ effizient therapiert werden kann. Mehr als die Hälfte der Studienteilnehmer habe nach der einmaligen Behandlung mit LSD angegeben, dass sie seither deutlich weniger Alkohol trinken, schreiben die norwegischen Wissenschaftler in der Fachzeitschrift „ Journal of Psychopharmacology“.

Neue Therapiemöglichkeit für Alkoholkranke?
Alkoholsucht ist für die Betroffenen eine erhebliche gesundheitliche Belastung, die auf Dauer nicht selten den Tod der Konsumenten zur Folge hat. Mehr als 1,3 Millionen Menschen in Deutschland sind laut Aussage des Suchtberichts 2009 der Bundesdrogenbeauftragten alkoholabhängig und über 70.000 alkoholbedingte Todesfälle sind pro Jahr zu verzeichnen. Doch obwohl die meisten wissen, welche schwerwiegenden Folgen die Alkoholkrankheit haben kann, schaffen nur wenige den Absprung. Seit Jahrzehnten suchen Mediziner weltweit daher nach möglichen Behandlungsansätzen, die den Alkoholikern den Entzug erleichtern sollen. Bereits in den 1960er und 1970er Jahren wurde zu diesem Zweck auch der Einsatz von LSD untersucht. Mit erstaunlichem Ergebnis, wie die norwegischen Forscher von der Technisch-Naturwissenschaftlichen Universität Norwegens in ihrer Metastudie nun feststellten.

LSD mit positiven Effekten bei der Behandlung von Alkoholsucht
Laut Aussage von Teri Krebs und Pål-Ørjan Johansen zeigen die sechs ausgewerteten Studien, dass LSD bei der Therapie von Alkoholikern eine überraschend positive Wirkung entfalten kann. So habe bereits eine Dosis LSD vielen Süchtigen geholfen, ihren Alkoholkonsum deutlich zu reduzieren. Von den über 500 im Rahmen der Studien befragten Alkoholikern hätten 59 Prozent im Anschluss an die einmalige Einnahme von LSD erklärt, dass sich ihre Trinkgewohnheiten deutlich verändert haben. „Mit diesem Ergebnis können wir eine heilsame Wirkung von LSD auf Alkoholmissbrauch klar belegen“, schreiben Krebs und Johansen. Allerdings relativiert sich die überzeugende Wirkung ein wenig, wenn auch die Zahlen der Kontrollgruppe berücksichtigt werden. Denn hier gaben ebenfalls 38 Prozent der Befragten an, dass sich ihr Alkoholkonsum verringert habe

Langfristige Wirkung des LSD auf das Trinkverhalten der Alkoholabhängigen
Laut Aussage der norwegischen Forscher zeigen die ausgewerteten Studien außerdem eine erstaunlich langfristige Wirkung der LSD-Behandlung. Die Probanden hätten zum Teil noch nach sechs Monaten nach der Behandlung angegeben, weniger Alkohol zu konsumieren. In drei der sechs Studien sei mit Hilfe des Halluzinogens sogar eine vollständige Überwindung der Alkoholsucht gelungen, so die Aussage der norwegischen Forscher. Krebs und Johansen liefern in ihrem Artikel auch mögliche Begründungen für die positive Wirkung der psychedelischen Droge bei Alkoholabhängigen. Das Halluzinogen greife in den Serotoninhaushalt ein und fördere so neue Verbindungen zwischen den Nervenzellen, erklärten die norwegischen Wissenschaftler. Auf diese Weise können die Betroffenen leichter neue Denkmuster und Verhaltensweisen entwickeln, was ihnen dabei hilft die Alkoholsucht zu überwinden, berichten die Forscher. „Nach ihrer Erfahrung mit LSD zeigten die Patienten mehr Selbstakzeptanz, sie waren offener und vertrauten eher ihren Problemlöse-Fähigkeiten“, so die von Krebs und Johansen zitierte Aussage in einer der früheren Studien.

Halluzinogen hilft neue Denkmuster zu entwickeln
Auch der ehemalige Drogenbeauftragter der britischen Regierung, David Nutt, zeigte sich gegenüber der dem Nachrichtensender „BBC“ von der positiven Wirkung des LSD auf die Denkmuster der Alkoholiker überzeugt: „Abhängige schaffen es nur, sich aus der Alkoholsucht zu befreien, wenn sie ihr Selbstbild verändern. Genau dabei hilft ihnen LSD.“ Zwar zeige bereits die einmalige Einnahme der psychedelischen Substanz eine deutliche positive Wirkung, doch mit einer monatlichen oder wöchentlichen Einnahme von LSD ließe sich diese möglicherweise sogar noch steigern, erklärten Krebs und Johansen – schließlich nütze „die einmalige Einnahme von Psychopharmaka auch nicht so viel“, wie eine langfristige Therapie. Allerdings müssten die Erkenntnisse aus den früheren Studie im Rahmen weiterer Forschungsarbeiten erst verifiziert werden, bevor eine Therapie von Alkoholabhängigen mit LSD in Frage kommt. Denn nach Aussage der norwegischen Forscher entsprechen die sechs ausgewerteten Untersuchungen nicht unbedingt den heutigen Anforderungen an wissenschaftliche Studien. So fehle zum Beispiel eine detaillierten Beschreibung der Auswahlkriterien und der Diagnosemethoden, berichten Krebs und Johansen.

Risiko von Nebenwirkungen
LSD zeigt bereits in sehr geringer Dosierung eine lang anhaltende pseudohalluzinogene Wirkungen, bei der unter Umständen bestehende Ängste oder Depressionen verstärkt und ein sogenannter „Horrortrip“ ausgelöst werden kann. In seltenen Fällen führt die Einnahme von LSD auch zum Ausbruch einer bereits latent vorhandenen Psychose. Den Betroffenen ist im schlimmsten Fall auch mit therapeutischen Maßnahmen nicht mehr zu helfen und sie sind ein Leben lang auf Betreuung angewiesen. Unter Aufsicht eines erfahrenen Psychologen lässt sich laut Aussage der Experten das Risiko psychischer Störungen im Rahmen der LSD-Therapie jedoch minimieren. Demnach bietet die psychedelische Substanz möglicherweise tatsächlich einen guten Ansatz, um Alkoholabhängigkeit in Zukunft erfolgreicher zu therapieren, so das Fazit der norwegischen Forscher. (fp)

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